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International: Jungstar Adel Taraabt im Porträt

Mit seinen 22 Jahre ist Adel Taarabt schon Kapitän der Queens Park Rangers. Der Spielmacher wurde schon von vielen Topclubs gescoutet, allerdings wirft nicht nur sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft Marokkos ein zweifelhaftes Licht auf den eigenwilligen Star. Wir stellen ihn in unserer Jungstars-Serie vor.

Adel Taarabt galt schon mit 17 Jahren beim RC Lens als Riesen-Talent. Dann wechselte er zu Tottenham und seine junge Karriere bekam erste Risse. Doch der gebürtige Marokkaner, der in Frankreich aufgewachsen ist, kämpfte sich über den Umweg Queens Park Rangers zurück in die Premier League. Mittlerweile trägt der 22-Jährige bei den Super Hoops sogar die Kapitänsbinde.

Taarabt gilt in England als dribbelstarker Spielmacher, der aber selbst gerne zum Abschluss kommt und mit diesen Qualitäten auch großen Anteil am Aufstieg von QPR hatte. Doch die Geschichte von Taarabt lässt sich nicht ohne die eine oder andere Eskapade abseits des Platzes erzählen, so trat er unter anderem bereits aus der marokkanischen Nationalmannschaft zurück. In der Fortsetzung unserer Jungstars-Serie stellen wir den eigenwilligen Star genauer vor.

Du musst Dich entscheiden: Gunners oder Spurs?

Im Alter von neun Monaten zog Adel Taarabt mit seiner Familie von seinem Geburtsort Fes in Marokko nach Frankreich. In Berre-l'Étang an der Cote d'Azur aufgewachsen ging es für Taarabt 2005 mit 15 Jahren weiter nach Lens, wo die Talentsucher des RC auf ihn aufmerksam wurden. Schnell wurde er in die Reservemannschaft integriert. Nur ein Jahr später machte er schon sein erstes Spiel für Lens in der Ligue 1.

Doch längst hatten auch andere Scouts die Fühler nach ihm ausgestreckt. Besonders bemüht hatte sich der FC Arsenal mit Arsene Wenger und Chefscout Damien Comolli. Doch Comolli verließ die Gunners, ging nach einer kurzen Zwischenstation in St. Etienne zu Tottenham und so wanderte das Interesse an Taarabt mit durch London. Comolli blieb hartnäckig und Taarabt entschied sich im Januar 2007 für die Spurs.

Wegen seiner afrikanischen Herkunft wurde er in England schnell als neuer Zinedine Zidane gefeiert und sein Start an der White Hart Lane unter dem damaligen Trainer Martin Jol war auch verheißungsvoll. Doch als Jol gehen musste, zunächst Juande Ramos und später dann Harry Redknapp kamen, wurde die Situation für Taarabt immer schwieriger. Denn er durfte für Tottenham einfach kaum in der Premier League spielen (insgesamt neun Einsätze), obwohl die Fans ihn kannten, schätzten und auch immer wieder forderten.

Mit ein wenig Abstand bereut Taarabt seinen Wechsel zu den Spurs. "Meine Freunde in in England wie Armand Traore oder Abou Diaby bei Arsenal sagten von Anfang an, dass Tottenham nicht der richtige Club für mich sei", sagte Taarabt 2010 laut thislondon.co.uk. Bei Ramos bekam der Marokkaner nicht mal mehr eine Rückennummer, der Frust war durchaus verständlich. "Der größte Fehler war es, bei Tottenham zu unterschreiben. Ich hätte vorher zu Arsenal gehen sollen, da hätte ich auch größere Chancen gehabt zu spielen." Das dürften die Spurs-Fans dann aber nicht sehr gerne gehört haben.

Ein Schritt zurück, zwei nach vorne

Harry Redknapp redete immerhin wieder mit dem jungen Talent, allerdings riet ihm der Ramos-Nachfolger zu einem Wechsel in die 2. Liga, Spielpraxis war das Stichwort. Taarabt hielt sich zwar immer noch stark genug für die Premier League, aber auf der Bank wollte er dann doch nicht versauern. Also nahm er 2009 das Angebot der Queens Park Rangers aus der Championship League an und nach sieben überzeugenden Spielen wurde im Sommer der Leihvertrag verlängert.

Den Fans der Hoops wurde dann am 17. Oktober 2009 erstmals richtig bewusst, welchen Juwelen sie an Land gezogen hatten. Gegen Preston North End nahm Taarabt einen Befreiungsschlag des Keepers an der Mittellinie mit der Brust an, drehte sich, umspielte drei Gegner und schlenzte den Ball unhaltbar aus über 20 Metern in den Winkel. Das war eines von sieben Toren in der Saison 2009/10, die QPR auf Rang 13 abschloss.

Diese Platzierung war den damaligen Besitzern Flavio Briatore und Bernie Ecclestone, bekannt aus der Formel 1, jedoch zu wenig und so wurde im Sommer 2010 in die Mannschaft investiert. Unter anderem wurde auch Taarabt fest verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2013 ausgestattet. Das sollte sich für den Traditionsclub von der Loftus Road auszahlen, denn Taarabt war nun endgültig in England angekommen, glänzte sowohl als Vorbereiter als auch als Torschütze. Am Ende der Saison kam der Shootingstar auf 19 Treffer und die Hoops stiegen erstmals seit 1996 wieder in die Premier League auf.

Publikumsliebling Taarabt, der sich nun aber auch gerne schon kleine Extravaganzen gönnte und Defensivarbeit eher verschmähte, wurde in der verletzungsbedingten Abwesenheit der beiden Kapitäne Martin Rowlands und Fitz Hall von Trainer Neil Warnock zum neuen Spielführer bestimmt - eine große Ehre für den damals 21-Jährigen.

Zwischen Spanien und Neid

Wie es sich für eine kleine Diva gehört, war der vergangene Sommer dann auch ganz schön schlagzeilenträchtig für einen 22-Jährigen, der noch auf seinen Durchbruch in der Premier League warten muss, auch wenn die Anlagen hervorragend sind. So wurden verschiedene Topclubs mit Taarabt in Verbindung gebracht, in der Gerüchteküche fielen auch die Namen Real Madrid und Borussia Dortmund.

Als wirklich ernst galt aber das Interesse von Paris St. Germain, schon allein wegen der Sprache und der Ambitionen mit den neuen Millionen aus Katar ein ernstzunehmender Kandidat für Taarabt. Wobei sein Ziel schon feststeht: "Ich hoffe, dass ich bald für einen der Topclubs in Spanien spielen werde – Real, Barcelona, Valencia oder Sevilla", sagte Taarabt in einem Interview mit dem Evening Standard. "Ich habe Kontakt mit guten Teams und ich weiß, dass sie mich wollen."

Doch der neue Besitzer Tony Fernandes schob allen Gerüchten einen Riegel vor, investierte stattdessen in die Mannschaft und will QPR wieder dauerhaft in der Premier League etablieren. Doch auch das konnte der Star der Hoops nicht einfach so hinnehmen. Die Neuzugänge wie Joey Barton, Shaun Wright-Philipps, Anton Ferdinand oder DJ Campbell haben Taarabt gerüchteweise in der Gehaltsliste überholt.

Taarabt forderte dann auch gleich eine Vertragsverlängerung – obwohl er ja eigentlich in Spanien spielen möchte – mit einer satten Gehaltserhöhung. Dem schob Warnock aber gleich einen Riegel vor. "Da stehen eine Menge Leute vor ihm in der Schlange, inklusive mir", sagte der Trainer von QPR laut ESPN. "Er soll erstmal wieder ordentlich spielen und dann können wir uns Weihnachten mal unterhalten." Denn in den ersten fünf Saisonspielen konnte Taarabt, trotz des guten Start des Aufsteigers (sieben Punkte), noch nicht richtig überzeugen und wartet noch auf sein erstes Saisontor.

Mit Gerets im Clinch

Zur Freude von Warnock kann sich Taarabt seit diesem Sommer aber immerhin komplett auf die Rangers konzentrieren. Nach zehn Länderspielen erklärte der Mittelfeldspieler im Juni 2011 seinen Rücktritt aus der marokkanischen Nationalmannschaft. Was war passiert?

Trainer Eric Gerets hatte vor dem Qualifikationsspiel zum Afrika Cup gegen Algerien durchblicken lassen, Taarabt nur auf die Bank setzen zu wollen. Diese Majestätsbeleidigung war zu viel für Taarabt, er floh aus dem Trainingslager und erklärte unwiderruflich das Ende seiner Karriere bei den Atlas-Löwen. "Ich werde nicht mehr für Marokko spielen, egal ob unter Gerets oder einem anderen Trainer", ließ er nach seiner Abreise verlauten.

Nur wenige Tage später wurde ihm dann aber bewusst, welche Tragweite eine solche Entscheidung haben kann. Taarabt ruderte zurück, versuchte die Tür zu Gerets wieder aufzumachen, doch der Belgier ließ sich bisher nicht erweichen. Bis zum Afrika Cup im Januar ist das letzte Wort aber wohl noch nicht gesprochen.

Mit der Nummer sieben: Captain Sensible

Die neueste Episode über Taarabt ist bei thespoof.com zu lesen. Dort wird mit der 22-Jährige mit dem Wunsch nach einem Namenswechsel zitiert. Er sei die ständige falsche Aussprache seines Namens leid. "Jeder sagt es falsch – es wird 'Ter-rat' ausgesprochen. 'Ter-rats', 'Ta-rats', 'Tab-a-rats', ihr Engländer solltet wirklich lernen meinen Namen richtig auszusprechen."

Er habe auch schon darüber nachgedacht, wie brasilianische Fußballer nur den Vornamen zu benutzen, aber Adel erinnere doch zu sehr an die dicke Sängerin. "Ich werde mir einen Aliasnamen besorgen, vielleicht einen meiner Helden: Elton John oder Captain Sensible." Den Plan scheint Taarabt aber noch nicht ganz durchdacht zu haben. Als Adel würde er es in fremden Stadien sicher einfacher haben, als wenn der Kapitän von QPR als Captain Sensible auflaufen würde. Aber langweilig wird es mit ihm auf keinen Fall.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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