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Nations League: Endspiele gegen Frankreich und Holland: Ab jetzt kämpft Löw um seinen Job

Mit dem Spiel gegen Weltmeister Frankreich beginnt am Abend eines neues Kapitel in der Geschichte der Nationalelf. Der Bundestrainer muss liefern, sonst wird er in naher Zukunft seinen Job los sein.

Niemand weiß besser als Joachim Löw, was in den nächsten Wochen für ihn und die Nationalelf auf dem Spiel steht. Denn es geht nur um eines: seinen Job. Löw steckt mitten in der schwersten Phase seiner Amtszeit. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der deutsche Bundestrainer im Frühjahr nicht mehr Löw heißt. Der Kampf beginnt an diesem Donnerstagabend um 20.45 Uhr in der Münchner Allianz Arena, wenn das Spiel gegen die Weltmeister Frankreich angepfiffen wird. Die "Bild"-Zeitung spitzte es zu und sprach vom "Tag der Wahrheit."

Doch ob es um Tage oder Wochen geht, eines ist klar: Löws Bonus als Weltmeister-Trainer ist aufgebraucht. Eine so sanfte Kritik wie unmittelbar nach dem sportlichen Totalausfall bei der WM, wird es in Zukunft nur noch von eingefleischten Löw-Anhängern geben. Alle, die etwas im deutschen Fußball zu sagen haben, hatten Löw zwar nach Russland ihre Unterstützung bekundet. DFB, DFL, die Bundesliga-Trainer, Experten, Ex-Nationalspieler, die Mehrheit der Medien - es gab niemand in Deutschland, der in den vergangenen Wochen einen Rücktritt Löws gefordert hätte. Alle hielten den 58-Jährigen grundsätzlich für den richtigen Mann. Doch deren Zahl wird stark schrumpfen, wenn die Ergebnisse in der Nation League gegen Frankreich und die Niederlande (insgesamt vier Partien bis Ende November) nicht stimmen.

Philipp Lahm ist einer der schärfsten Kritiker

Besonders laut dürfte dann die Kritik von Philipp Lahm ausfallen. Er war bisher der einzige, der in seiner Analyse einen Schritt weiter gegangen war und etwas Grundsätzliches ansprach: Löws "kollegialen Führungsstil". Den müsse er dringend ändern, forderte der Weltmeister-Kapitän. Der sei nicht mehr zeitgemäß.

Aber kann Löw sich nach zwölf Amtsjahren neu erfinden oder mit den alten Rezepten wieder erfolgreich sein? Löw und Bierhoff bedienten die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung durch eine glaubwürdige Selbstkritik. Löw sprach gar davon, dass seine Ansprüche in Russland "fast schon arrogant" gewesen seien. Bierhoff referierte eine halbe Stunde lang über Fehler, Missverständnisse mit der Öffentlichkeit und gelobte Besserung.

Im Grunde ändert Joachim Löw gar nichts

Umso erstaunlicher mutet an, dass Löw vergleichsweise wenig Konsequenzen aus den gewonnenen Erkenntnissen zieht. Im Grunde macht er weiter wie bisher. Löw verkleinerte den Mitarbeiterstab ein wenig. Er baut bis auf Khedira und Özil weiter auf die Reste des WM-Gerüsts von 2014. Ein aufstrebendes Talent wie Leon Goretzka soll zusätzlich mehr Verantwortung übernehmen. Taktisch kündigte er eine Neuausrichtung an. Die Defensive soll gestärkt werden. Aber das ist eine Erkenntnis, die man schon vor der WM hätte ziehen können. Und der Führungsstil? Löw führte den Zapfenstreich und die Frühstückspflicht wieder ein - mehr symbolische Maßnahmen, die zur allzu sanften Kurskorrektur passen.

Löw Reaktionen Twitte

In Sachen Motivation und Einsatz baut Löw vielmehr darauf, dass die Spieler die Scharte Russland auswetzen wollen. Er spüre eine "positive Ungeduld" in den Gesprächen mit den Spielern, berichtete er. Damit geht Löw ein hohes Risiko ein, bleibt sich aber treu.

Ex-Profi und ARD-Experte Thomas Hitzlsperger ist einer von den denen, die nicht von Löws Maßnahmen überzeugt sind: "Ich war nicht enttäuscht, ich war überrascht", sagte er im Interview mit dem SWR. "Denn es hat doch einiges darauf hingedeutet, dass es Veränderungen geben wird, massive Veränderungen. Er sei jetzt "gespannt, wie der Bundestrainer dieses Feuer entfachen will, von dem er gesprochen hat. Und das wird schwer genug." Hitzlsperger hat recht: Es werden spannende Wochen für die deutsche Nationalelf.

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