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Jahreshauptversammlung Der FC Bayern und sein ewiges Katar-Problem: Wie der Klub die Kritiker (vorerst) ruhig gestellt hat

Buhrufe, Pfiffe und lautstarke "Hainer raus"-Rufe: Im vergangenen Jahr ging es auf der Jahreshauptversammlung turbulent zu
Buhrufe, Pfiffe und lautstarke "Hainer raus"-Rufe: Im vergangenen Jahr ging es auf der Jahreshauptversammlung turbulent zu
© Ulrich Gamel / DPA
Im vergangenen Jahr eskalierte die Jahreshauptversammlung des FC Bayern wegen des Katar-Sponsorings. In diesem Jahr wird es vermutlich harmonischer zugehen, weil der Verein die Kritiker beschwichtigt hat. Aber das Problem bleibt.

Für einen gewissen Aufreger vor der am Samstagabend stattfindenden Jahreshauptversammlung des FC Bayern sorgten diesmal nicht die Menschenrechtsverletzungen in Katar, sondern das neue Sondertrikot der Rekordmeisters. Anlass für die Extra-Ausgabe des Jerseys ist der 50-jährige Geburtstag des Münchner Olympiastadions. Rein optisch ist der Protest zahlreicher Anhänger in den sozialen Medien nachvollziehbar, erinnert das Design doch eher an den ästhetischen Wahnsinn, den man oft in Bussen und Bahnen des ÖPNV vorfindet.

Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und das Gemecker von Fans bei solchen Aktionen gehört zu jeder Klub-Folklore standardmäßig dazu. Anders verhält es sich mit den Millionen Euro, die seit 2018 jedes Jahr von Sponsor Qatar Airways auf das Konto des deutschen Rekordmeister fließen. Die geschäftliche Beziehung sorgt seit Jahren angesichts der schlechten Menschenrechtslage in dem Land für teilweise scharfe Kritik unter Mitgliedern und Anhängern. Der Verein geriet häufiger in argumentative Nöte. Auch das Winter-Trainingslager in Doha, in das die Bayern seit 2011 regelmäßig fliegen, ist vielen ein Dorn im Auge.

Umarmungstaktik im Umgang mit Kritikern

Nun läuft der Vertrag mit Qatar Airways 2023 aus. Ob er verlängert wird, soll nach der WM entschieden werden, teilten die Bayern mit. Trotz dieser Gemengelage dürfte die Jahreshauptversammlung am Samstagabend im Audi Dome harmonischer ablaufen als zuletzt, weil der Klub es geschafft hat, seinen Kritiken den Wind aus den Segeln zu nehmen – durch eine Umarmungstaktik. 

Es ist wie so oft: Es werden Gespräche geführt, Versprechungen gemacht und es passiert – nichts. Wie lange die Umarmungstaktik funktioniert, ist eine andere Frage.

Im vergangenen Jahr war die Jahreshauptversammlung wegen des Katar-Sponsorings noch eskaliert. Das Bayern-Mitglied Michael Ott hatte im Vorfeld versucht, einen Antrag einzubringen, der vorsah, die Partnerschaft zu beenden. Der Antrag wurde von den Verantwortlichen nicht auf die Tagesordnung gesetzt. 

Mitglieder-Aufstand 2022 blieb nicht folgenlos

Im Laufe der Versammlung versuchte die Klubführung zudem, die offene Debatte möglichst lange hinauszuschieben. Schließlich mündete die Veranstaltung weit nach Mitternacht in wildem Protest und lauten Buhrufen, die anwesenden Mitglieder forderten lautstark den Rücktritt von Bayern-Präsident Herbert Hainer. Ott sagte dem stern am Morgen danach, dass der Verein versucht habe, kritische Mitglieder "mundtot" zu machen. Ein schwerer, aber wohl berechtigter Vorwurf.

Doch der Mitglieder-Aufstand blieb nicht folgenlos, der Verein sah sich in die Enge gedrängt – und reagierte. Die Bayern trafen sich in der Folge mehrmals mit Ott und anderen Fan-Vertretern zum Gedankenaustausch. Daraus entstand ein Runder Tisch, der am 4. Juli zusammenkam. Daran nahmen unter anderem Hassan Al-Thawadi, Chef des WM-Organisationskomitees, Stephen Cockburn von Amnesty International sowie der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel teil. Ein Erfolg für die Kritiker. 

Die Fan-Vertreter übergaben dem FC Bayern damals einen ausführlichen Fragenkatalog, in dem der Verein seinen Standpunkt darlegen sollte. Vor wenigen Tagen präsentierte der FC Bayern die Antworten, die die Kritiker aber nicht annähernd zufrieden stellen: "Leider sind viele Antworten nur heiße Luft. Zahlreiche Fragen bleiben im Kern völlig unbeantwortet", sagte Ott in einem Interview. Er habe den Eindruck, "dass faktisch die Entscheidung zur Fortsetzung des Sponsorings schon getroffen wurde. Das ist dann schon frustrierend, wenn man sieht, wie unsere ganzen Sachargumente da gar nicht berücksichtigt werden."

Diesmal kein Antrag zu Katar

Ott könnte recht haben. Ehrenpräsident Uli Hoeneß empfahl unlängst, den Sponsorenvertrag mit Qatar Airways zu verlängern: "Es ist nachgewiesen, dass die Menschenrechte in Katar am besten vorankommen im ganzen Nahen Osten", behauptete Hoeneß. In den Antworten des Fragenkatalogs verweisen die Bayern auf den Dialog mit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und den Einsatz für Frauensport und Gleichberechtigung.

Es scheint im Moment kaum vorstellbar, dass die Bayern tatsächlich auf die Millionen aus Katar verzichten werden, es sei denn, sie finden gleichwertigen Ersatz. Der internationale Wettbewerb ist gnadenlos und der Klub auf hochkarätige Sponsoren angewiesen, um im Wettlauf um die Millionen Euro mitzuhalten. Dennoch rechnet nicht mal Kritiker Ott mit einem Aufstand wie im vergangenen Jahr. Er will nur, "dass die Versammlung so geleitet wird, wie man das von einem Mitgliederverein erwartet. Dass die Mitglieder, die Redebedarf haben, auch in angemessenem Rahmen zu Wort kommen – und das Präsidium auch Rede und Antwort steht." Anträge, den Vertrag mit Qatar Airways zu beenden, gab es diesmal nicht. Die Geschichte wird weitergehen.

Quellen: DPA, "t-online", "spox", "Bayerischer Rundfunk", "rtl.de", "tagesschau.de"

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