Lehmann-Nachfolge "T-Frage" spitzt sich zu


Jens Lehmann war einmal - und nun? Die üblichen Verdächtigen wie Adler, Enke und Hildebrand melden Ansprüche auf die Nachfolge im Tor der deutschen Nationalmannschaft an. Plötzlich scheint auch ein weiterer Keeper wieder gute Karten zu haben. Das Rennen um den begehrten Platz zwischen den Pfosten scheint so offen wie noch nie.

Während Manager Oliver Bierhoff für "DFB-Rentner" Jens Lehmann ein Good-Bye-Spiel angeregt hat, ist der Kampf um die neue Nummer 1 im Tor der deutschen Fußballnationalmannschaft längst entbrannt. Die EM-Teilnehmer René Adler und Robert Enke wähnen sich dabei in der Pole-Position, aber auch der vor der Europameisterschaft noch ausgebootete Timo Hildebrand sieht sich plötzlich wieder als heißer Kandidat. "Turnier-Erfahrung, internationale Spiele und Titel. Ich spiele mit Valencia gegen die Besten der Welt", sagte der 29- jährige Wahl-Spanier dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" (Montagausgabe) auf die Frage, was er seinen Konkurrenten voraus habe. Bundestrainer Joachim Löw lässt sich zehn Tage vor dem ersten Länderspiel der neuen Saison am 20. August gegen Belgien noch nicht in die Karten schauen.

Mit dem erwarteten Abschied von Lehmann hat die "T-Frage" beim Vize-Europameister neue Brisanz bekommen. "Es wird ein offener Kampf", hat Löw zum anstehenden Generationswechsel im deutschen Tor erklärt. Eine neue Stammkraft nach Lehmann (38), der nach 61 Länderspielen seine DFB-Karriere beendete und laut Bierhoff am 19. November im Test gegen England in Berlin noch einen Dankeschön- Einsatz bekommen könnte, soll es so schnell nicht geben. Auch sein Vorgänger Jürgen Klinsmann hatte das Duell zwischen Lehmann und Oliver Kahn fast zwei Jahre lang ausgedehnt. Bei der WM 2006 stand dann Lehmann, der an der Stelle seines größten Triumphes nun noch einmal für Schwarz-Rot-Gold auflaufen könnte. "Es gibt die Möglichkeit, dass er zum Abschied in einem Freundschaftsspiel zum Einsatz kommt", sagte Bierhoff in der "Bild am Sonntag".

Löw, der mit seinem Team am 6. und 10. September in Liechtenstein und in Finnland in die Qualifikation für die WM 2010 startet, will bei der Auswahl des Lehmann-Nachfolgers "erst einmal die Leistungen beobachten". Für den Test gegen Belgien in Nürnberg wird er am Dienstag bei der Nominierung seines Aufgebots in Frankfurt/Main wohl erst einmal auf bei der EM Bewährtes setzen. Zumal mit dem derzeit verletzten Schalker Manuel Neuer (22) ein weiterer Kandidat auf die Lehmann-Nachfolge nicht zur Verfügung steht. Michael Rensing (24), beim Rekordmeister FC Bayern Nummer-1-Erbe von Oliver Kahn, muss erst einmal beweisen, dass er konstant großem Druck standhalten kann.

"Die EM-Teilnahme war Gold wert. Ich bin überzeugt, sie hat mich fußballerisch und persönlich weitergebracht", hatte der 23 Jahre junge Leverkusener Adler nach dem Turnier erklärt. Der 30 Jahre alte Hannoveraner Enke, bei der EM die Nummer 2, pochte auf seine konstanten Leistungen in der Bundesliga und schloss an: "Meine besten Jahre kommen noch." Eine automatische Wachablösung, bei der wie schon so oft in der DFB-Geschichte die Nummer 2 den Stammkeeper ablöst, schloss der Bundestrainer für den aktuellen Fall aber bereits aus.

Nachteil für Enke und Adler: Mit ihren Clubs spielen sie in dieser Saison nicht auf der internationalen Bühne. Möglicherweise wittert auch Tim Wiese, der mit Vizemeister Werder Bremen wieder auf der Champions-League-Bühne steht, eine neue Gelegenheit. Zwar hielt sich der 26-Jährige selbst noch zurück: "Keine Ahnung, das muss man abwarten." Aber sein Club-Trainer Thomas Schaaf sagte zur T-Frage schon: "Tim Wiese hat immer gute Chancen, das hat nichts mit Jens Lehmann zu tun. Tim Wiese ist ein hervorragender Torwart, er hat sich gut entwickelt und wird sich auch weiter gut entwickeln."

DPA/kbe


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