Mafia-Boss und Uefa-Cup Großmaul oder Großmanipulator?


Ein auf Mallorca festgenommener russischer Mafioso behauptet, er habe das Uefa-Cup-Halbfinale Sankt Petersburg gegen FC Bayern (4:0) "gekauft". Der Mann soll die Petersburger Wirtschaft dominieren.
Von Matti Lieske

Als sich Gennadi Petrow noch in Freiheit befand, war er ein beschäftigter Mann. Innerhalb von zwei Monaten dirigierte er nach Erkenntnissen spanischer Ermittlungsbehörden von seiner Luxusvilla auf Mallorca aus telefonisch rund 50 verschiedene Geschäftsabläufe innerhalb und außerhalb Russlands - allesamt illegal.

Der Aserbaidschaner galt bis zu seiner Verhaftung im Juni als Kopf der Sankt Petersburger Mafiaorganisation Tambowskaja, deren Netz sich über ganz Europa erstreckte. Sie soll in Deutschland, Holland, Schweden, der Schweiz, Malta, Großbritannien, Griechenland und auch Israel aktiv gewesen sein, die gesammelten Informationen, so heißt es aus Justizkreisen in Spanien, würden viele hohe Funktionsträger dieser Länder in ein ungünstiges Licht rücken.

Abhörprotokolle Grundlage der Vermutung

Was Petrow nicht ahnte: Er wurde abgehört. Seit zwei Jahren beobachteten Kriminalbehörden der betroffenen Länder im Rahmen der "Operation Troika" die Organisation. Weil die führenden Vertreter in Spanien residierten, hatte die Federführung der renommierte Richter Baltasar Garzón, berühmt geworden durch seine Anklage gegen den chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Gestern veröffentlichten spanische Zeitungen brisante Informationen aus den Ermittlungsakten, die das Rückspiel im Uefa-Cup-Halbfinale zwischen Zenit Sankt Petersburg und Bayern München im Mai betreffen. Die Partie endete 4:0 für die russische Mannschaft, die dann auch das Finale im Uefa-Cup gegen die Glasgow Rangers 2:0 gewann.

Schon vor einigen Wochen habe Garzón die Staatsanwaltschaft in Deutschland davon in Kenntnis gesetzt, dass es bei dem Spiel der Bayern in Sankt Petersburg möglicherweise nicht mit rechten Dingen zuging. Grundlage dieser Vermutung sind Abhörprotokolle der Telefongespräche Petrows. Dem deutschen Mafiaexperten Jürgen Roth zufolge kontrollierte die Tambowskaja 70 Prozent des wirtschaftlichen Lebens in Sankt Petersburg.

Baffe Bayern

Dies auch, so Roth, dank Wladimir Putin, der zumindest früher gute Kontakte zu führenden Figuren der Organisation unterhielt. Etwa Wladimir Kumarin, der vor Petrow als Kopf der Tambowskaja galt, aber vor Monaten in Russland verhaftet wurde. Auch dem wichtigsten Fußballklub der Stadt, Zenit St. Petersburg, werden Beziehungen zur Organisation nachgesagt. Der frühere Präsident Wladimir Kogan, sagte Roth gegenüber dem Magazin "11 Freunde", war Direktor der Bank, die Putins private Konten führte, auch er sei mit Kumarin verbunden gewesen.

Hier kommt wieder Petrow ins Spiel, dem Zenit offenbar sehr am Herzen lag. Der Klub kam in abgehörten Telefonaten zur Sprache. So soll Petrow in einem Gespräch schon vor der Partie gegen Bayern das Resultat von 4:0 genannt haben. Nach dem Spiel hätte er einem Gesprächspartner gegenüber erklärt, 50 Mio. an Bayern gezahlt zu haben, ohne zu spezifizieren, in welcher Währung. Der FC Bayern ist baff: Dazu könne man zunächst nichts sagen, teilte der Klub mit.

Petrow gilt als Kunstfälscher

Am 13. Juni hatten 400 Polizisten Razzien in Spanien vorgenommen und 18 Personen, darunter Petrow, verhaftet. In dessen 1000-Quadratmeter-Villa auf Mallorca sollen zahlreiche Wertgegenstände beschlagnahmt worden sein, darunter ein Gemälde von Salvador Dalí. Allerdings gilt Petrow auch als begabter Kunstfälscher. Es folgten Aktionen in anderen Ländern, zum Beispiel in Berlin, wo ein aus Sankt Petersburg stammender Mann festgenommen wurde. Stolz verkündete die spanische Polizei nach der Aktion, es sei "die weltweit bedeutendste kriminelle Struktur russischer Herkunft völlig vernichtet" worden.

FTD

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