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Trainingslager in Südtirol Bislang gab es keine Störfeuer: Die Maschine Nationalelf soll ungestört laufen

Thomas Müller Nationalelf
Harmonie-Gemeinschaft Nationalelf: Joshua Kimmich, Mats Hummels, Thomas Müller, Niklas Süle und Antonio Rüdiger (v.l.n.r.) beim Training auf dem Trainingsgelände am Sportzentrum Rungg.
© Christian Charisius / DPA
Vor vier Jahren musste sich die Nationalelf im Trainingslager Debatten über ihre Tauglichkeit anhören. Diesmal aber geht Joachim Löw keine Kompromisse ein. Störfeuer gab es bislang auch nicht.

Seit vier Tagen macht die deutsche Nationalmannschaft nun im Hotel Weinegg Station auf ihrer Mission zum sogenannten fünften Stern, und wie man nicht ganz überraschend feststellen kann, läuft die Operation überaus geschmeidig an. Es zählt schließlich zu den Primärtugenden der Teamleitung um Oliver Bierhoff, das Ideal einer Sportlandschaft zu schaffen, und das Teamhotel lässt dann auch nichts zu wünschen übrig.

Eine Pool-Oase, groß wie eine Lagune, lädt gestresste Männer wie Thomas Müller oder Mesut Özil zum Verweilen ein. Nach einem ausgedehnten Bad bietet sich ein Päuschen auf einer der einladenden Sonnenliegen an. Der Blick ruht dort auf mächtigen Hügeln, und weil außer Vogelgezwitscher nicht viel zu vernehmen ist, kann der geneigte Nationalspieler noch einmal die Annehmlichkeiten des Profidaseins genießen, bevor in einigen Tagen der Umzug in einen eher abgeschotteten Hotelkomplex im Süden Moskaus die Seele schnell einmal zu verdunkeln droht. 

Bislang läuft es harmonisch in der Nationalelf

Sie lieben das Klima hier und sicher auch ein bisschen, dass die hiesige Tourismusbehörde sich an den Kosten eines aufwendigen Trainingslagers beteiligt. Es hätte kaum harmonischer anlaufen können. Der sakrosankte Manuel Neuer trainiert wieder auf allen Zylindern, die jeweils mit Titan verschraubten Füße links wie rechts halten der Belastung bislang stand. Innenverteidiger Jerome Boateng sprintet nach überwundener Adduktorenverletzung durchaus unbeschwert über den wie zu erwarten planebenen Trainingsplatz der Sportzone Rungg, Ort der Trainings-Sessionen des Weltmeisters. Der Rest der wilden 28 ist ebenfalls - fit.

Vor vier Jahre schien nach vier Tagen im Passeiertal 50 Kilometer die Straße hinauf bereits alles verloren, bevor dann doch die magische Nacht von Rio folgte. Die Welt schien sich in jenen Tagen zu teilen in ein drinnen und draußen und kongruent war sie nicht. Während Bundestrainer Joachim Löw von einem planmäßigen Trainingslager berichtete, beschlich den Journalistentross vor der Herberge große Sorge. Würden es die Deutschen mit ihrer mobilen Ambulanz überhaupt bis nach Brasilien schaffen?

Torwart Manuel Neuer reiste damals mit einer Schulterverletzung vom Pokalfinale an, Kapitän Philipp laborierte an einem Kapselriss im Sprunggelenk und Bastian Schweinsteiger, ja, lief mal wieder, weil der Körper nicht mehr zuließ. Zu allem Verdruss fuhr bei Marketingmaßnahmen der DTM-Pilot Pascal Wehrlein einen arglosen Passanten über den Haufen und drohte Beifahrer Benedikt Höwedes zu traumatisieren. Marco Reus, offensiv damals der Beste, verletzte sich im letzten Vorbereitungsspiel so schwer, dass die WM ohne ihn stattfinden musste. Fehlte noch Joachim Löw. Der hatte seinen Führerschein verloren, wenn auch bereits Monate zuvor. 

Joachim Löw: keine Kompromisse

Es ist dann bekanntermaßen noch alles gut gegangen, doch wer Löw in diesen Tagen bei seiner Antrittspressekonferenz genau zuhörte, erkannte schnell, dass er die Vorbereitung aus jenen Tagen lieber nicht als Vorlage für diese Kampagne hernimmt.

Nur einen fitten Neuer berufe er diese Mal, teilte er resolut mit. Auf keinen Fall wolle er seinen Kapitän als Maskottchen dabei haben. Eine schwere Hypothek bedeutete dies für den kaum minder begabten Marc Andre ter Stegen, wenn ein teilgenesener Neuer auf der Bank schmorte. Dann lieber klare Verhältnisse. Was die Psyche einem Torhüter anzutun im Stand ist, musste jüngst erst der arme Karius im Champions-League-Finale erfahren.

Keine Kompromisse, vor allem diese Botschaft sendet Löw derzeit bei aller Gelassenheit aus. Er muss das Leistungsprinzip dieses Mal nicht mit Ausnahmegenehmigungen aushöhlen. Sein Kader gibt das her, er hat die Tiefe. Er wird ihn resoluter coachen und hat bereits damit begonnen. Bislang blieb alles ruhig, sieht man von Ilkay Gündogans und Mesut Özils Erdogan-Fauxpas einmal ab. Auch den hat Löw kurzerhand für aufgearbeitet erklärt. Die Maschine namens Nationalmannschaft soll ungestört laufen. Sie haben alles Spieler noch einmal daran erinnert. Die erste Woche ist schon einmal überstanden. Die Anstiege kommen noch. 


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