Michael Ballack Unnötig ins Abseits diskutiert


Der Streit zwischen Michael Ballack und Bundestrainer Joachim Löw eskaliert. Nach Ballacks medialem Angriff will Löw eine sofortige Aussprache. Sogar ein Rauswurf Ballacks könnte folgen. Nun stellt sich die Frage, weshalb sich Ballack ohne Not so weit vorgewagt hat. Eine Suche nach Ursachen.
Von Jens Fischer

Michael Ballack hat Bundestrainer Joachim Löw verbal abgegrätscht. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kritisiert er in scharfer Form die Personalentscheidungen Löws. Eine mediale Attacke des deutschen Kapitäns, die jede Menge offener Fragen hinterlässt. Was will Ballack mit seinen Aussagen bezwecken? Warum ist er eigentlich so frustriert? Und vor allem und am wichtigsten: Welche persönlichen Interessen stecken hinter Ballacks scharfem Ton?

Fast scheint es so, als würde Ballack mit seinem alten Weggefährten Torsten Frings gemeinsame Sache machen. Mit dem einen Ziel: Löw weg zu mobben. Dessen Reaktion auf die massive Kritik seiner beiden Urgesteine fiel dementsprechend deutlich aus. "Wenn jemand glaubt, dass er nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen will, werden wir ihn nicht dazu zwingen. Weder mit Waffengewalt noch mit Geld", sagt Löw in Richtung Frings. Und Ballack solle sich am besten gleich in den nächsten Flieger setzen. Einsicht solle er demonstrieren, so Löw. Wenn er das nicht tue, könnten harte Konsequenzen drohen. Sogar ein Rauswurf des Kapitäns aus dem DFB-Team scheint möglich.

Löw hat Recht. Und Ballack ist völlig unnötig in Erklärungsnot geraten. Ein klein wenig wirkt er momentan wie jemand, den man in die Enge getrieben hat. Ballack spricht von den vielen Verdiensten seines treuen Helfers Frings und davon, dass Spieler wie Thomas Hitzlsperger oder Simon Rolfes ja nicht besser wären. Dass solche Aussagen nicht gerade kollegialen Charakter besitzen, vergisst er wohl dabei. Ähnlich wie bei seiner Einschätzung des Falles Kevin Kuranyi. Dessen Entscheidung, ihn selbst und seine Kollegen in der Halbzeitpause im Stich zu lassen, findet Ballack nicht so schlimm. Kuranyi hätte es verdient gehabt, mehr zu spielen. Nur für wen? Leistungsmäßig kommt er an Mario Gomez, Patrick Helmes oder Lukas Podolski nicht vorbei. Punkt für Löw.

Was ist eigentlich los mit Michael Ballack? Ganz offenbar ist er merklich angefressen. Da ist der nach wie vor schwelende Streit mit DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der wohl nur an der Oberfläche so richtig ausgeräumt wurde. Ein Konflikt, bei dem Ballack von Löw nicht gerade Rückendeckung erhielt. Dann war da die Kritik seiner Mannschaftskollegen an seinem Führungsstil als Kapitän. Gut möglich, dass sich Ballack seitdem ein wenig ausgeschlossen fühlt aus dem Kreis seiner Spieler-Kumpane. Vielleicht deshalb jetzt auch der Versuch, über die Medien für den einen oder anderen Mitspieler Partei zu ergreifen.

Oder ist es schlichtweg die Angst um den weiteren Verlauf der eigenen Karriere? Ein großer internationaler Titel blieb dem schon 32-Jährigen bislang immer noch verwehrt. Da kommt Torschlusspanik auf. Die WM 2010 in Südafrika ist die letzte große Chance – da will Ballack die in seinen Augen besten deutschen Spieler um sich scharen.

Alles nachvollziehbar. Auch Ballack ist nur ein Mensch mit Emotionen. Nur: Seinen Frust über die Medien zu verbreiten, ist der falsche Weg. "Nicht mit den Medien, sondern mit dem Trainer sprechen", lautet die Empfehlung von Franz Beckenbauer. In diesem Fall hat der vermeintlich "Allwissende" Recht. Und wenn selbst ein Miroslav Klose Unverständnis für Ballack äußert ("Ich wäre das anders angegangen und nicht so in der Öffentlichkeit") weiß man, wie Ballacks Worte auch intern aufgenommen werden.

Unbestritten: Auf Ballacks sportliche Qualitäten kann Löw nur schwer verzichten. Dafür ist er für die deutsche Nationalmannschaft viel zu wichtig. Das wird auch Ballack vor dem Interview gewusst haben. Deshalb fühlt er sich auch sicher. Abwarten.


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