Nationalelf Ballack und der Kindergarten


Ungewollt hat Mannschaftskapitän Ballack den Kindergärtner gemimt, als er mit 15 Youngstern ohne altbewährte Kicker auf dem Platz trainierte. Bundestrainer Löw geht unterdessen Klinsmanns Weg weiter und hat eine neue Abwehr-Formation getestet.

Die Fans hoffen im letzten Heimspiel des WM-Jahres noch einmal auf ein rauschendes Tor-Festival der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, aber für Joachim Löw zählt auch ganz besonders die Defensive. Nach dem Ausfall von gleich fünf WM-Verteidigern ist der Bundestrainer im Freundschaftsspiel gegen Georgien am Samstag (20.00 Uhr/ZDF) in Rostock zu ungewollten Experimenten in der Abwehr gezwungen. Vier Tage später wird im EM-Qualifikationsspiel in Bratislava gegen die Slowakei nämlich die Hintermannschaft einem ungleich größeren Härtetest unterzogen.

Fritz oder Fathi

Trotz aller Personalsorgen propagiert Löw weiter den offensiven WM-Stil: "Wir wollen auch gegen Georgien unsere Spielweise fortsetzen und durchsetzen. Natürlich wollen wir auch dieses Spiel gewinnen." Im Training in Berlin testete der 46-Jährige jedoch gerade auch mögliche neue Abwehrformationen. Als Konkurrenten um einen Platz in der Anfangself präsentierten sich dabei die Außenverteidiger Clemens Fritz von Werder Bremen für die rechte und der Berliner Malik Fathi für die linke Seite. Der WM-bewährte Philipp Lahm kann von Löw alternativ auf beiden Seiten aufgeboten werden.

Der Münchner Lahm ist neben dem Berliner Arne Friedrich der letzte verbliebene WM-Akteur im Defensivverbund. Löw kann sich glücklich schätzen, dass immerhin Manuel Friedrich nach seiner Knieoperation rechtzeitig wieder genesen ist und nach nur einem Bundesligaspiel offenbar die nötige Fitness mitbringt, um gemeinsam mit seinem Namensvetter wieder die Innenverteidigung bilden zu können.

Löw geht Klinsmanns Weg weiter

Mit nur 16 seiner insgesamt 21 Akteure konnte Löw im Training nur eingeschränkt den Ernstfall für Rostock trainieren. Bewährte und zuletzt im Liga-Alltag besonders beanspruchte Kräfte wie Miroslav Klose, Bernd Schneider, Torsten Frings und Lahm blieben im Hotel, um dort eine separate Schicht zu absolvieren. Der angeschlagene Oliver Neuville wird gegen Georgien ganz pausieren. Kapitän Michael Ballack musste sich zwischen fünf Neulingen und etlichen weiteren Youngstern beim Üben im Hertha-Amateurstadion schon wie ein Kindergärtner fühlen. Außer ihm und dem dritten Torwart Robert Enke war kein DFB-Kicker vor 1980 geboren.

"Das zeigt, dass Löw Klinsmanns Weg weitergeht. Er will vielen jungen Spielern eine Chance geben und so die Mannschaft weiterentwickeln", sagte Ballack. Der Kapitän äußerte sich im "kicker" aber auch skeptisch: "Es wird für die Jungen nicht so einfach wie vor der WM, als man nur Testspiele hatte. Jetzt geht es um die Quali, nicht um Experimente." An Ballacks Seite in der Schaltzentrale durfte sich zumindest im Training schon einmal der Hamburger Piotr Trochowski versuchen, dessen Chancen auf ein Länderspieldebüt am Samstag anscheinend gut stehen.

"Der Wettbewerb hinter Lehmann ist eröffnet"

Bereits verkündet hat Löw den Einsatz von Timo Hildebrand im Tor. Der Stuttgarter muss sich nach seiner Rolle als dritter Mann hinter den Dauerrivalen Jens Lehmann und Oliver Kahn nun seinen Status als Nummer 2 sichern. An Konkurrenz mangelt es nicht. Neben dem diesmal berufenen Robert Enke (Hannover 96) nannte Torwarttrainer Andreas Köpke auch den Dortmunder Roman Weidenfeller, den Bremer Tim Wiese und Nürnbergs Raphael Schäfer als Kandidaten. "Der Wettbewerb hinter Lehmann ist eröffnet", verkündete Löw.

Für Schneider, der vor seinem 75. Länderspieleinsatz steht, hat das Georgien-Spiel eine zusätzliche, besondere Note. "Das ist ein kleiner Abschied von den Fans, weil es das letzte Heimspiel in diesem Jahr ist", sagte der Leverkusener.

Bereits einen Tag vor der Partie wollen die Nationalspieler mit der Verbandsspitze in die Verhandlungen um die Prämien für die EM-Qualifikation einsteigen. Wie Mediendirektor Harald Stenger bestätigte, wird sich DFB-Präsident Theo Zwanziger mit dem Mannschaftsrat in Rostock zusammensetzen. Bei der letzten Qualifikationsrunde 2004 hatten die Nationalspieler 10.000 Euro pro Länderspiel-Nominierung erhalten. Medienberichte über deutlich höhere Forderungen wies Ballack als "frei erfunden" zurück.

Arne Richter und Klaus Bergmann/DPA DPA

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