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Nationalelf: Lehmann hütet Bett statt Tor

Vor dem EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen Zypern muss Bundestrainer Jogi Löw seine Elf umbauen. Torhüter Jens Lehmann liegt mit Fieber im Bett und auch die Mittelfeldspieler Schneider und Trochowski kränkeln.

Kurzfristige Absage des erkrankten Jens Lehmann, Bangen um den angeschlagenen Bernd Schneider und eine eindringliche Warnung vor Außenseiter Zypern: Das letzte Länderspiel des Jahres wird für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nochmals zum Qualitätstest unter schwierigen Vorzeichen. Für die EM-Qualifikationspartie am Mittwoch auf Zypern (20.00 Uhr/ZDF) muss Joachim Löw seine zuletzt erfolgreiche Elf auf mehreren Positionen umbauen.

Nach dem Ausfall von Stürmer Lukas Podolski sagte am Sonntagabend auch noch Jens Lehmann seine Teilnahme am letzten Länderspiel des WM-Jahres kurzfristig ab. Eine fiebrige Erkältung zwingt den Torwart zu einer Pause. Zudem bereiten dem Bundestrainer die angeschlagenen Bernd Schneider (Oberschenkel) und Piotr Trochowski (Achillessehne) Sorgen vor der Dienstreise auf die Mittelmeerinsel.

Hildebrand im Tor, Enke als Ersatzmann

Erst am Sonntagnachmittag erreichte Löw die Nachricht vom Ausfall Lehmanns, der wegen Fiebers auf einen Ligaeinsatz mit dem FC Arsenal gegen den FC Liverpool verzichten musste. In einem zweiten Telefonat fiel in den Abendstunden die Entscheidung, dass der Schlussmann nicht mit nach Zypern reisen kann. Anstelle Lehmanns soll Timo Hildebrand von Tabellenführer VfB Stuttgart in Nikosia zu seinem fünften Länderspieleinsatz kommen. Hannovers Robert Enke wurde als Ersatzmann nachnominiert.

Ungewiss war vorerst zudem der Einsatz von Schneider und Trochowski, die nach dem 12. Bundesliga-Spieltag über Blessuren klagten. "Der Körper nimmt sich eine Auszeit", verwies der Hamburger Trochowski auf die Überlastungssymptome.

Beim Treff von Löws 18 verbliebenen Kandidaten am Sonntag im Frankfurter Hotel "Villa Kennedy" stand neben einer Regenerations-Trainingseinheit im Kraftraum eine Untersuchung der verletzten Profis durch die medizinische Abteilung an. Weitere möglicherweise nötige Nachnominierungen soll es aber erst an diesem Montag geben.

Löw warnt vor den Zyprioten

Löw will sein Personal auch nochmals ausdrücklich vor den erstarkten Zyprioten warnen, die vor allem auf Legionäre setzen, die in der Superliga des Europameisters Griechenland ihr Geld verdienen. "Das ist der beste Gegner bisher in der Qualifikation, der ist derzeit besser als Irland und die Slowakei", sagte der Bundestrainer und kündigte an: "Das werden wir versuchen, der Mannschaft zu vermitteln und zu zeigen." Entsprechendes Videomaterial ist bereits zusammengestellt.

Klinsmann-Nachfolger Löw weiß genau: Alles andere als ein Sieg gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg von der "Götterinsel", die den deutschen Tross mit viel Sonnenschein erwartet, würde der bisher makellosen Bilanz des Bundestrainers (fünf Siege in fünf Spielen bei 23:1 Toren) einen schmerzhaften Kratzer versetzen. Vorzeitige Jahresendstimmung wird er deshalb bei erwarteten Temperaturen um 20 Grad nicht aufkommen lassen. Der ehrgeizige Freiburger will sein Team weiter verbessern, um seinem Ziel, dauerhaft in der internationalen Spitze mitzumischen, wieder einen Schritt näher zu kommen.

Arne Friedrich rückt auf "seine" rechte Seite

Erstmals seit dem WM-Halbfinale gegen Italien (0:2) steht der Neu- Bremer Per Mertesacker wieder zur Verfügung. Für Löw eröffnet das zwei Varianten: Entweder der in Mertesackers verletzungsbedingter Abwesenheit zum Abwehrchef gekürte Arne Friedrich rückt wieder auf "seine" rechte Seite und ersetzt dort den Bremer Clemens Fritz. Wahrscheinlicher dürfte aber sein, dass der zuletzt formschwache Mainzer Manuel Friedrich seinen Platz in der Zentrale räumen muss und Mertesacker mit Arne Friedrich die Innenverteidigung bildet.

Im Angriff streiten der am Wochenende erfolglose Mike Hanke (Wolfsburg) und Oliver Neuville, der sich mit dem 1:1-Ausgleich für Gladbach beim HSV empfahl, um den freien Platz von Podolski. Und falls Schneider, bei Löw wie schon bei Jürgen Klinsmann absolute Stammkraft, zwei Tage vor seinem 33. Geburtstag in Nikosia nicht auflaufen kann, müsste Löw auch dort umbauen. Der zuletzt bei Betis Sevilla aufsteigende Form zeigende David Odonkor könnte als Ersatzmann auf der rechten Mittelfeldseite aufrücken.

Beeindruckendes Jahr erfolgreich abschließen

Mit einem Sieg in der "Neon G.S.P.-Arena" von Nikosia, die 22.000 Fans Platz bietet, würde die deutsche Nationalmannschaft nicht nur ein beeindruckendes Jahr erfolgreich abschließen, sondern mit dem vierten Erfolg in der Qualifikation für die EM 2008 auch die Führung in der Gruppe D übernehmen. Bislang rangiert die Löw-Elf mit 9 Zählern einen Punkt hinter Tschechien (10), das aber schon ein Spiel mehr ausgetragen hat. Der Gegner Zypern ist mit drei Zählern abgeschlagen Fünfter, konnte aber beim einzigen Heimspiel einen beeindruckenden 5:2-Erfolg gegen Irland feiern.

Besondere Unterstützung wird die DFB-Elf am Mittwoch auf der seit 1974 geteilten Insel von einigen hundert Bundeswehr-Soldaten bekommen. Einige Schiffe der deutschen Marine sind zurzeit in der zyprischen Hafenstadt Limassol stationiert.

Arne Richter und Jens Mende/DPA / DPA

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