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Nationalmannschaft: Ballack gibt Löw Entwarnung

Joachim Löw kann aufatmen. Rechtzeitig vor der Nominierung des Kaders für das entscheidende WM-Qualifikationsspiel in Russland meldet sich Kapitän Michael Ballack einsatzbereit. Zwischen Löw und Schalke-Trainer Felix Magath bahnt sich unterdessen ein erneuter Konflikt an.

Trotz Zwangspause in der Champions League hat Michael Ballack dem Bundestrainer Entwarnung für das Spiel des Jahres gegen Russland gegeben - Joachim Löw hat damit bei der Kaderwahl für den Endspurt in der WM-Qualifikation eine Sorge weniger. Die Waden- Probleme, die den Chelsea-Profi am Mittwochabend beim 1:0-Sieg des FC Chelsea bei APOEL Nikosia erneut zum Aussetzen zwangen, seien "nicht schwerwiegend", habe Ballack dem DFB-Chefcoach übermittelt, wie der "kicker" am Donnerstag berichtete. "Ich bin ganz froh, dass er da nicht gespielt hat", sagte Löw zu Ballacks Verzicht auf den Zypern-Ausflug zehn Tage vor der Stunde der Wahrheit in Moskau. Die letzte Chance sich einzuspielen bietet sich Ballack nun am Sonntag im Liga-Spiel mit Chelsea gegen den FC Liverpool.

Der 33-jährige Kapitän kann damit jenes Aufgebot anführen, das Löw an diesem Freitag bekanntgeben will und das am Montagabend in Mainz zusammenkommt, um sich dort auf das erste Kunstrasen-Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft überhaupt vorzubereiten. Größere Veränderungen gegenüber den letzten Partien gegen Südafrika (2:0) und um Punkte gegen Aserbaidschan (4:0) sind bei den letzten zwei Partien in der WM-Qualifikation am 10. Oktober gegen Russland und vier Tage später in Hamburg gegen Finnland sind eher nicht zu erwarten - dafür steht in der Hängepartie um Torsten Frings mehr als ein Signal an.

Debatte über Frings-Nominierung

Löw ließ offen, ob die Ausmusterung des Bremer Routiniers doch noch nicht endgültig war und er beim heißen Kampf um das einzige Direkt-Ticket nach Südafrika 2010 doch noch einmal auf die große Erfahrung des 79-maligen Nationalspielers zurückgreift. "Wir diskutieren noch darüber", sagte Löw. Ganze sieben Minuten als Einwechselspieler beim 2:1-Hinspielsieg gegen Russland vor einem Jahr durfte Frings in den bislang acht WM-Qualifikations-Spielen mitwirken. Darum ist eher nicht zu erwarten, dass Löw ausgerechnet jetzt seinen eingeschlagenen WM-Kurs verändert; die jüngeren Hitzlsperger, Rolfes und Khedira bleiben wohl erste Wahl im defensiven Mittelfeld.

Unspektakulär ist dieses Mal die Torwartfrage, nachdem der ursprünglich als Nummer 1 vorgesehene Hannoveraner Robert Enke nach einer Bakterien-Infektion ausfällt. Löw hatte sich bereits darauf festgelegt, dass der Leverkusener René Adler in Russland das Tor hüten wird - "immer vorausgesetzt, es passiert nichts Gravierendes". Tim Wiese (Werder Bremen) und Manuel Neuer (Schalke) kämpfen um den Platz auf der Ersatzbank.

Erneuter Konflikt zwischen Magath und Löw

In einem Streitgespräch mit Schalke-Trainer Felix Magath in der "Bild"-Zeitung (Donnerstag) betonte Löw im ewigen Konflikt zwischen Nationalelf und Bundesliga, dass er die Vereinscoaches bei den Trainingsinhalten der Nationalspieler "nicht belehren" und ihnen auch nichts "vorschreiben" wolle. "Das würden wir uns niemals anmaßen."

Magath überraschte mit der Auskunft, dass er die von Löw nach Länderspielen an die Vereinstrainer verschickten Trainingspläne der Nationalmannschaft nicht einmal lese. "Ich habe ja meine Vorstellung, wie ich zu trainieren habe. Und noch werden die Spieler ja von den Vereinen bezahlt und nicht von den Verbänden", begründete der Meister-Coach. Magath forderte von Löw vielmehr mehr "direkte Kommunikation" von Bundes- zu Clubtrainer. "Denn in dem Moment, wo du dem Spieler sagst, dass er das und das machen soll, empfinde ich das als Einmischung", sagte Magath.

Von Klaus Bergmann/DPA / DPA

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