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Nationalmannschaft: WM-Revival zum Löw-Debüt

Für das Länderspiel der deutschen Nationalelf gegen Schweden hat Bundestrainer Löw 20 WM-Helden berufen. Einziger Neuling im Team ist der Mainzer Manuel Friedrich.

Joachim Löw macht sein Debüt als Bundestrainer zum WM-Revival und will mit 20 WM-Helden sowie dem "Geist von Berlin" an die berauschenden Tage des Sommers anknüpfen. Für das Testländerspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch in Gelsenkirchen gegen Schweden berief der Nachfolger des gefeierten Jürgen Klinsmann mit dem Mainzer Verteidiger Manuel Friedrich nur einen Neuling in sein Aufgebot. Die verletzten Per Mertesacker und Robert Huth stehen Löw nicht zur Verfügung. Außer dem Defensivduo fehlt aus dem WM-Kader nur noch der zurückgetretene Torwart Oliver Kahn.

"Wir freuen uns alle auf die vor uns liegenden Aufgaben und gehen selbstbewusst in die nächsten Begegnungen. Das Duell mit den Schweden lässt noch einmal besondere WM-Erinnerungen aufkommen", erklärte Löw. Obwohl das erste Länderspiel nach der WM in der Schalker Arena tief im Westen über die Bühne geht, stimmt der neue Chef seine Akteure in Berlin auf die Neuauflage des WM-Achtelfinale (2:0) ein - und bringt in der Stadt des WM-Quartiers ganz im Sinn der Klinsmannschen Philosophie zusätzliche Weltmeisterschafts-Gefühle zurück.

Schweden-Spiel sei nur ein Zwischenspiel

Vor seinem ersten Auftritt in der Chefrolle warnte Löw vor zu hohen Erwartungen: "Bei allem Ehrgeiz sind wir jedoch realistisch genug, um zu wissen, dass in diesem frühen Stadium der Saison die Spieler nicht in Bestform sein können." Die Partie gegen Schweden sieht Löw, der seine selbstverkündete Interview-Sperre aufrechterhielt und seinen ersten Kader über die DFB-Internetseite veröffentlichte, nur als "Zwischenstation" auf dem Weg zur EM- Qualifikation, die am 2. September in Stuttgart gegen Irland beginnt.

Angesichts der Blessuren von Mertesacker und Huth könnte Manuel Friedrich zu einem Debüt im DFB-Dress kommen. Der 26-Jährige hatte beim WM-Test gegen die USA (4:1) am 22. März erstmals zum Kader gehört, war aber nicht zum Einsatz gekommen. "Mit starken Leistungen hat er sich in der vergangenen Saison in den Vordergrund gespielt und nur ganz knapp die WM-Teilnahme verpasst. Für die EM-Qualifikation gehört er wieder zu den Kandidaten", sagte Löw. "Ich habe an meinen ersten Kontakt zur Nationalmannschaft nur gute Erinnerungen, deshalb freue ich mich auch über diese Einladung sehr. Nach der tollen WM unserer Nationalmannschaft ist dieses Spiel gegen Schweden ein besonders reizvolles", sagte Friedrich. Bei der WM- Nominierung hatte er Jens Nowotny den Vortritt lassen müssen. Der Routinier profitierte nun wieder von den Personalproblemen in der Innenverteidigung. Wie einst Thomas Linke beim Klinsmann-Debüt 2004 erhielt Nowotny nochmals eine Einladung zum DFB-Team, dürfte künftig aber nur noch als Notnagel bereitstehen.

Auch die anderen WM-Ergänzungsspieler Thomas Hitzlsperger, Gerald Asamoah und Mike Hanke bekamen als Belohnung für ihre Geduld nochmals eine Einladung. Schon für die nächsten Partien gegen Irland und San Marino (6. September) wird Löw aber den Konkurrenzkampf verschärfen, denn nicht nur die vor der WM ausgebooteten und nun erneut nicht berücksichtigten Kevin Kuranyi, Fabian Ernst und Patrick Owomoyela wollen in den ersten Bundesliga-Spielen ihre Ansprüche wieder anmelden. Auch einige Talente wie Piotr Trochowski, Eugen Polanski oder Stefan Kießling hoffen auf ihre erste Berufungen ins A-Team.

Der DFB-Tross trifft sich am Sonntag in Berlin. Dort wird Löw auch erstmals nach seiner Präsentation als Bundestrainer am 12. Juli wieder öffentlich auftreten. Einen Tag später bekommen die WM-Helden von Bundespräsident Horst Köhler als Auszeichnung für den dritten Platz das Silberne Lorbeerblatt verliehen. An der Zeremonie im Schloss Bellevue werden auch Kahn, Mertesacker und Huth teilnehmen.

Freiwillig fehlen wird im Präsidenten-Amtssitz hingegen Klinsmann. Der Ex-Bundestrainer meldete sich am Donnerstag erstmals nach seinem Rückzug in seine kalifornische Wahlheimat wieder zu Wort. "Die Mannschaft hat ein Land in Bewegung gebracht und der ganzen Welt gezeigt, dass auch wir Deutschen spielerisch anderen überlegen sein können. Dieses Bild wird weltweit in den Köpfen der Leute bleiben", übermittelte Klinsmann im "kicker" aus seiner Wahlheimat.

Besondere Bilder der WM bekommen die Nationalspieler am Montagabend noch vor der Abreise an den Spielort Gelsenkirchen zu sehen. Filmemacher Sönke Wortmann, der das Team beim gesamten Turnier mit der Kamera begleitet hatte, zeigt den Nationalspielern den ersten Rohschnitt seines WM-Films. Teammanager Oliver Bierhoff bezeichnete den Streifen als großen Coup: "Tolle Aufnahmen von unvergesslichen Szenen und interessante Gespräche bieten einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen, auf den Millionen Fans warten."

Die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

16. AugustSchwedenTestspielin Gelsenkirchen
2. SeptemberIrlandEM-Qualifikationin Stuttgart
6. SeptemberSan MarinoEM-Qualifikationin Serravalle
7. OktoberGeorgienTestspielin Rostock
11. OktoberSlowakeiEM-Qualifikationin Bratislava
15. NovemberZypernEM-Qualifikationin Nikosia
Arne Richter und Jens Mende/DPA / DPA

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