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P. Köster: Kabinenpredigt: Weiter so, Papadopoulos!

Jetzt schimpfen alle, dass sich der Hamburger Papadopoulos im Spiel gegen Köln auf den Boden warf, als hätte ihn ein Schuss aus dem Hinterhalt getroffen. Dabei verdient der Grieche Lob wegen der schauspielerischen Leistung. Findet stern-Stimme Philipp Köster.

Philipp Köster/Kyriakos Papadopoulos

Positive Ausnahme Papadopoulos: Im internationalen Vergleich sind die deutschen Kicker als Schauspieler allenfalls zweitklassig

Es stimmte einfach alles. Der wegsackende Körper, der Griff ans Herz, der irrlichternde Blick. Gäbe es einen Preis für die beste schauspielerische Darbietung auf Fußballplätzen, hätte sie verdient. Denn der Kapitän des Hamburger SV hatte wirklich alles gegeben, um den Eindruck zu erwecken, er sei gerade von seinem Gegenspieler heimtückisch niedergestreckt worden.

Hinterher war die Empörung über die Unsportlichkeit groß und Papadopoulos gab kleinlaut zu Protokoll, er habe sich hinreißen lassen, angesichts "eines extrem emotionalen Spiels". Dabei hätte er sich gar nicht entschuldigen müssen, schließlich war sein Tiefflug unter mimischen Gesichtspunkten ein echtes Kabinettstück. Andere Spieler erweisen sich, wenn es um die Vortäuschung einer Tätlichkeit geht, eher als biedere Laienschauspieler. Sie reißen wild die Arme hoch, schlagen sich die Hände vors Gesicht und zucken albern auf dem Rasen, als würden sie zusätzlich noch mit Stromstößen gefoltert - jede Aufführung im Kindergarten sieht deutlich bessere schauspielerische Leistungen.

Nur Schauspiel-Dilettanten in der Bundesliga

Letzte Saison etwa wälzte sich Herthas Mitchell Weiser nach einem Zweikampf mit Ousmane Dembelé so exaltiert auf dem Rasen, dass anschließend große Überraschung herrschte, dass dem Berliner nicht noch auf dem Rasen das Bein abgenommen werden musste. Und beim Elfmeterschinden geht es mindestens ebenso dilettantisch zu wie bei vorgetäuschten Tätlichkeiten. Als letztes Jahr Timo Werner gekonnt an den Händen des Schalker Keepers Ralf Fährmann vorbei sprang, um sich dann melodramatisch fallen zu lassen, hätte er ja durchaus noch ein paar Sekunden schwer verletzt auf dem Rasen herumliegen können, stattdessen sprang der Leipziger quicklebendig wieder auf und reckte gönnerhaft den Daumen. Die schnellste Widerauferstehung eines Totgeglaubten seit Max Cady auf dem Hausboot in "Kap der Angst" – jeder Regisseur hätte die Szene nochmal drehen lassen.

Papadopoulos mal als positive Ausnahme beiseite - im internationalen Vergleich sind die deutschen Kicker als Schauspieler eh allenfalls zweitklassig. Denn was es da für herausragende Darsteller gibt. Der Brasilianer Adryan von Leeds United etwa, der sich nach einem Foul bereits auf dem Boden wälzte, um dann aber noch einmal etwa einen halben Meter in die Höhe zu schnellen, der fürchterlichen Schmerzen wegen. Da hätte selbst der legendäre Schauspiellehrer Lee Strasberg anerkennend geschmunzelt. Oder der mehrfache Weltfußballer Cristiano Ronaldo, dessen phänomenale Körperbeherrschung soweit führt, dass der Portugiese bereits während des Fluges flehentlich und schmerzgeplagt in Richtung Referee blicken kann.

Das legendäre Duett von Norbert Meier und Albert Streit

Hierzulande orientiert man sich hingegen eher am legendären Duett von Norbert Meier und Albert Streit, die beide nach minimaler Kopfberührung darnieder sanken, als hätte man sie beide simultan mit Betäubungsgewehren anvisiert. Ein sauberer Blattschuss, der schon ohne Zeitlupe stark an Slapstickfilme der Stummfilmzeit erinnerte und spätestens in der zeitverzögerten Variante vollends albern wirkte.

Papadopoulos hingegen war ganz bei sich, als er sich niederwarf. Und seine Perfomance wirkte derart überzeugend, dass der Autor Sasa Stanisic vorschlug, man möge die kurze Sequenz doch bitte noch mit der Titelmelodie der "Titanic"-Schmonzette unterlegen. Derlei musikalische Untermalung stehe noch aus. Und statt einer kleinen Trophäe und warmherzigem Applaus von den Rängen kassierte Papadopoulos schon auf dem Platz nur eine gelbe Karte. Typisch Bundesliga!


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