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Philipp Köster: Kabinenpredigt: Die Meisterschaft ist langweilig? Warum es in Zukunft noch viel schlimmer wird

Der FC Bayern enteilt der Konkurrenz, die Meisterschaft ist am 23. Spieltag entschieden. Wer jetzt über Langeweile klagt, sollte wissen: Es wird alles noch mal schlimmer.

Lachende Bayern und die Langeweile in der Bundesliga: Das wird sich in Zukunft eher verstärken, meint Philipp Köstern.

Lachende Bayern und die Langeweile in der Bundesliga: Dieser Trend wird sich in Zukunft eher noch weiter verstärken, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Es ist ziemlich genau fünf Jahre her, da herrschte zum letzten Mal so etwas wie Spannung im Titelkampf der Bundesliga.  Im Frühjahr 2012 zog Borussia Dortmund am FC Bayern vorbei und holte schließlich das Double. Seither jedoch herrscht in der Liga gepflegte Langeweile, am Ende wird stets der FC Bayern mit wahlweise 25 oder 10 Punkten Vorsprung Meister und wundert sich trotzdem, dass bei der Meisterfeier auf dem Marienplatz vor lauter Ödnis keine rechte Stimmung aufkommen mag.

Nach dem lockeren 3:0 beim 1.FC Köln  hat der FC Bayern nun schon wieder sieben Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten RB Leipzig. Der wiederum wird den Rest der Saison ausschließlich darauf achten,  dass der Abstand auf Platz 4 nicht kleiner wird. Was bedeutet: In München können sie schon mal die Weißbiergläser polieren, die sich die Spieler bei feststehendem Titelgewinn über den Kopf gießen und im Vitrinenschrank ein Plätzchen für die Schale ausfegen.

Bundesliga: Die finanziellen Unterschiede werden größer

Wer sich nun schwermütig an goldene Zeiten erinnert, in denen tatsächlich der VfB Stuttgart, der 1.FC Kaiserslautern oder sogar der Hamburger SV Meister werden konnte, dem sei gesagt: Gegen die kommenden Spielzeiten ist die aktuelle Saison ein Musterbeispiel an knisternder Spannung und rassigen Duellen. Das klingt zugegeben etwas komisch, wenn man am Samstag mitansehen musste, wie eine durchaus ambitionierte Truppe wie der 1.FC Köln nach dem Schlusspfiff ganz offenkundig sehr froh war, mit 0:3 nur ein bisschen verprügelt worden zu sein und nicht so sehr wie eine Woche zuvor der HSV.

Aber es wird eben noch schlimmer. Schon jetzt finden ja die rasanten finanziellen Unterschiede zwischen den Klubs ihren Niederschlag in der Tabelle. Gab es früher Ungleichheiten durch Stadiongrößen und Sponsoreneinnahmen, ist die Schere zwischen den Klubs in den letzten beiden Jahrzehnten derart weit aufgegangen, dass der sportliche Wettbewerb an der Tabellenspitze nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist. Es ist inzwischen für solide Mittelklasseklubs wie Eintracht Frankfurt oder Hertha BSC völlig unmöglich, eine Rolle im Titelkampf zu spielen. Von Kleinstklubs wie Darmstadt 98 ganz zu schweigen, das in dieser Saison 23 Millionen Euro für seine Spieler ausgibt. Zum Vergleich: Der FC Bayern bezahlt rund 195 Millionen.

Das ist der Status Quo. Nun werden künftig auch noch die Gelder aus der Champions League neu verteilt. Die Großklubs wie der FC Bayern, Real Madrid und Manchester United bekommen noch einmal exorbitant mehr Geld zugeschanzt, ganz unabhängig vom sportlichen Wettbewerb. Was den eh schon unaufholbaren Abstand zur nationalen Konkurrenz noch einmal grotesk vergrößern wird.


Die Gefahr für den Profifußball

Man kann jetzt schon prophezeien, dass der sportliche Wettbewerb zum Erliegen kommen wird, zumindest dann, wenn man darunter mehr versteht als nur den ewigen Zweikampf zwischen Bayern und Dortmund. Und das wiederum ist eine echte Gefahr für das Geschäftsmodell des Profifußballs. Denn auf Dauer gehen Menschen nur dann ins Stadion, schalten den Fernseher ein und kaufen sich neue Trikots, wenn sie das Gefühl haben, einem ernsthaften sportlichen Wettbewerb beizuwohnen. Wenn stattdessen ein paar Großklubs gelangweilt die nationalen Ligen absolvieren und erst ab dem Viertelfinale der Champions League so etwas wie Spannung aufkommt, wird das nicht lange funktionieren.

Ein Einsehen werden die Funktionäre aber nicht haben. Die Leidtragenden werden die Anhänger sein, denen die Saison 2016/2017 schon bald vorkommen wird wie die gute, alte Zeit.

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