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P. Köster: Kabinenpredigt: Hummels, Dortmund, Bayern: Warum alle Beteiligten mit dem Transfer volles Risiko gehen

Mats Hummels wechselt zu Borussia Dortmund. Ein echter Drahtseilakt für den BVB, für Hummels und auch für den FC Bayern München, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Künftig wird Mats Hummels wieder im schwarz-gelben Trikot des BVB auflaufen

Künftig wird Mats Hummels wieder im schwarz-gelben Trikot des BVB auflaufen

DPA

Vielleicht wird Hans-Joachim Watzke noch einmal kurz zögern, bevor der Vorstandsvorsitzende von Borussia Dortmund dann die Zahlunsgsanweisung an den FC Bayern München unterschreibt. Und er wird sich dann bange fragen, ob es wirklich eine gute Entscheidung war, die stolze Summe von 38 Millionen auf den Tisch zu legen – für einen etwas in die Jahre gekommenen Verteidiger, der obendrein bei seinem Abschied vor ein paar Spielzeiten nicht durchweg glücklich agiert hat.  

Es ist ein Transfer mit Risiko, für alle Beteiligten. Zuallererst natürlich für den Spieler selbst. Angst vor dem Verlust des Stammplatzes in der Abwehr, Unstimmigkeiten mit Trainer Niko Kovac oder nostalgische Melancholie? Über die Beweggründe des Mats Hummels, überhaupt über einen Wechsel nachzudenken, wird seit Tagen und Wochen gerätselt. Warum plant er die  eingebaute Titelgarantie des FC Bayern gegen ein Team einzutauschen, das selbst enorm daran zweifelt, ob es eigentlich eine Spitzenmannschaft ist?  

Links steht Mats Hummels im schwarz-gelben BVB-Trikot auf dem Platz, rechts im roten Trikot des FC Bayern München

Sportlich zumindest muss sich Hummels keine allzu großen Sorgen machen, seine Erfahrung und Umsicht wird die junge und in der letzten Saison oft arg leichtsinnige Abwehr der Dortmunder stabilisieren. Und auch wenn 30-jährige Profis inzwischen schon misstrauisch beäugt werden, ob sie sich nicht schon heimlich die Stützstrümpfe hochziehen, war Hummels gerade in den letzten Saisonspielen schon wieder nah dran an früherer Leistungsklasse. 

Wechsel von Mats Hummels löst in Bayern größere Unruhe aus

Gerade deshalb hat der Wechsel auch im Fanlager des FC Bayern größere Unruhe ausgelöst. Normalerweise werden ältere und in der Leistungskurve leicht abfallende Profis im erfolgsfixierten München gerne mitleidslos weggelobt. Der Weggang von Hummels trifft die Bayern jedoch inmitten einer Phase, in der schon zahlreiche Abgänge bekanntgegeben oder angekündigt wurden, während es an spektakulären Neuverpflichtungen noch mangelt. Zwar hatte Manager Uli Hoeneß bereits vor Monaten mit vollmundigen Ankündigungen ("Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die neue Saison!") die Hoffnung auf allerlei große Transfers genährt, jedoch scheint Manager Hasan Salihamidžić den Frühsommer mit Taschenbillard vertrödelt zu haben.

Die Abwehr und letztlich auch der Spielaufbau sind nach dem Hummels-Wechsel jedenfalls eklatant unterbesetzt. Trösten können sich die Bayern vor allem damit, erstens den Dortmundern dann doch ein ordentliches Wechselgeld aus dem Kreuz geleiert zu haben, Hummels ist definitiv kein Schnäppchen. Dass der BVB dennoch einwilligte, hat mit einer für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Nostalgie beim BVB zu tun. Es hätte auf dem Weltmarkt sich noch andere abgezockte Senioren für den Defensivbereich gegeben, ebenso wie es vor zwei Jahren sicher auch Alternativen zur Rückholaktion von Mario Götze gegeben hätte. Aber Watzke und Zorc scheinen immer wieder der Versuchung nachgegeben zu haben, eine fußballerische Version der "Blues Brothers" aufzuführen, nämlich die alte Band nochmal zusammenzubringen und es nochmal allen zeigen. 

Dortmunder Fans nehmen ihm den Wechsel noch übel

Damit das funktioniert, muss Mats Hummels sich aber auch noch mit einem Teil der Dortmunder Anhänger arrangieren. Die haben ihm, nicht ganz zu Unrecht, übel genommen, dass er über Jahre die treueste Seele der schwarzgelben Fußballgeschichte mimte, um dann doch ziemlich schmucklos die Biege in Richtung München zu machen, als es sich anbot. Will er keine Dauerfehde, wird er wenigstens einmal vor der Süd einen reuigen Diener machen müssen. Es wird spannend  zu beobachten sein, da Hummels' üppig vorhandenes Selbstbewusstsein ihm das womöglich verbietet. 

So oder so, alle sind voll ins Risiko gegangen. Die Dortmunder, der Spieler und natürlich auch der FC Bayern. Obwohl: Wir wissen ja gar nicht, wen die Münchner schon alles sicher haben für die neue Saison!

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