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P. Köster: Kabinenpredigt: Die verlorene Schlacht des Uli Hoeneß

Wenn der Bayern-Präsident seinen Posten aufgibt, ist das nur konsequent. Der moderne Fußball hat den Funktionär überfordert, meint stern-Stimme Philipp Köster.

Links steht Uli Hoeneß im Anzug vor einem großen FC Bayern-Wappen, rechts liegt er als jüngerer Mann im Krankenhausbett

Geht er wirklich? Oder will er nur mal schauen, ob ihn nicht doch alle händeringend bitten, zu bleiben? Die Nachricht, dass Uli Hoeneß im Herbst seine Ämter beim FC Bayern niederlegen wolle, war angemessen vage und blieb so lange vom Klub unkommentiert, dass Hoeneß alle Handlungsoptionen offen bleiben und er trotzdem Schlagzeilen en gros produziert.   

Es war sicher kein Zufall, dass die Nachricht ausgerechnet während des USA-Trips des FC Bayern an den Boulevard durchgestochen wurde. Auf der Reise nach Übersee will sich der Rekordmeister alljährlich als global denkender Klub präsentieren, der seine Fans nicht nur im Allgäu rekrutiert, sondern ganz selbstverständlich auch in Nordamerika, Asien und Afrika. Uli Hoeneß hat akzeptiert, dass solche Reisen notwendig sind, um auf Augenhöhe mit den anderen Großklubs wie Manchester United, Real Madrid und Juventus Turin zu bleiben. Im Gegensatz zum ewigen Antipoden Rummenigge sah er Wurzeln und Chancen stets in der Heimat, in München, im Umland, in Deutschland.

Uli Hoeneß stand zuletzt auf verlorenem Posten

Das stimmte lange Zeit. Die nun schon Jahrzehnte andauernde nationale Dominanz der Münchner ist das Produkt des Hoeneß´schen Wirkens. Planvoll, weitsichtig und mit der nötigen Brutalität hat er, zunächst als Manager und dann als Präsident, den FC Bayern zum nationalen Champion gemacht, neidvoll von der Konkurrenz beäugt. Die internationale Expansion, die inzwischen für den Großteil des Ertrags zuständig ist, war jedoch nicht mehr sein Werk. Der finanzielle Wahnsinn, den die Globalisierung des Fußballgeschäfts ausgelöst hat, hat Hoeneß zwar fasziniert, er selbst wusste außer markigen Sprüchen nicht viel dazu beizutragen.

Das hat Hoeneß gespürt. Und je mehr er sich vom Tagesgeschäft abgehängt fühlte, so regressiver wurden seine Handlungen und Verlautbarungen. Sinnbildlich dafür war sein viel bespöttelter Auftritt im Fußballtalk "Doppelpass", als er süffisant geheimnisste, man habe schon Spieler "sicher", von den keiner der Anwesenden etwas wisse. Wenn Hoeneß damit nicht Renato Sanches meinte, war es eine klassische und alsbald als hohle Phrase enttarnte Angeberei. Und die stand sinnbildlich für den verlorenen Posten, auf dem Hoeneß zuletzt stand.

Auf den Weihnachtsfeiern der Fanklubs mochte er noch mit Sprechchören gefeiert werden. Auf allen anderen Feldern richtete er zuletzt nur noch Schaden an. Die mit geplatzten Verhandlungen mit BMW um einen Einstieg als Anteilseigner scheiterten ja nicht nur an der Hasenfüßigkeit der Autobauer, sondern auch an der arg brachialen Verhandlungsführung des Bayern-Präsidenten. Und die substanzlosen Wasserstände vom Transfermarkt ließen Sportdirektor Hasan Salihamidžić wie einen überforderten Azubi dastehen.

Wenn Hoeneß nun tatsächlich demissioniert, ist das nur auf den ersten Blick ein Sieg für Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende, der trotz hin und wieder geäußerter Pensionierungsgedanken derzeit große Freude an der Arbeit zu haben scheint, hätte sich gegen den Bewahrer Hoeneß durchgesetzt. Aber sollte tatsächlich der frühere Adidas-Funktionär Herbert Hainer als Präsident folgen, erwüchse Rummenigge ein sehr viel ernsthafter, weil umsichtigerer und variablerer Konkurrent um die Macht beim FC Bayern. So konziliant sich Hainer nämlich auch oft gibt, ist er doch ein ausgesprochener Machtmensch und als langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats auch mit all den offensichtlichen und versteckten Machtlinien des Klubs vertraut.

Natürlich nur gesetzt den Fall, Hoeneß geht wirklich. Es wäre ihm zu raten.

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