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Real Madrid: Galaktische Raubzüge

Nun also doch und allen Treueschwüren zum Trotz: Kaká wechselt für 65 Millionen Euro vom AC Mailand zu Real Madrid. Und der zweitteuerste Transfer aller Zeiten ist erst der Anfang. Real setzt die Jagd nach weiteren Superstars unter dem neuen Präsidenten Florentino Pérez fort. Geld scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Von Ralf Itzel, Madrid

Das Foto im Bernabéu-Stadion muss noch warten, Brasiliens Fußballverband hat den Abstecher nach Spanien untersagt, weil die Nationalmannschaft gerade in Recife übt. So bestätigte Ricardo Izecson dos Santos Leite, wegen der zweiten Silbe im ersten Vornamen "Kaká" gerufen, also im Nordosten der Heimat den Wechsel vom AC Mailand. "Ich will Geschichte mit Real Madrid schreiben", flötete der 27-jährige Beau.

Florentino Pérez hatte es sich kurz zuvor nicht nehmen lassen, den ersten Coup seiner neuen Amtszeit als Klubpräsident selbst bekannt zu geben, live in einer Radiosendung in der Nacht zum Dienstag. Ende des Monats soll der offensive Mittelfeldspieler dann in Madrid vorgestellt werden. Kaká ist ein Platz im Real-Almanach sicher, als erster Galaktischer in Pérez' zweiter Ära.

Aufbau einer neuen galaktischen Generation

In der ersten (2000 bis 2006) kamen Luís Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo und Beckham nach Madrid. Die Sportzeitung "AS" erfand damals den Begriff "Galáctico" und hat ihn eben noch mal definiert: Stars und Weltfußballer, die von Pérez erworben werden. Vor vier Wochen hatte der Milliardär seine Rückkehr als Präsidentschaftskandidat angekündigt, und weil sich alle Konkurrenten flugs trollten, brauchte es nicht einmal eine Wahl. Der 62-jährige Chef der Firma ACS, des größten Bauunternehmens Spaniens und des drittgrößten Europas, kauft also wieder eine Weltauswahl zusammen.

Rund 65 Mio. Euro fließen für Kaká nach Italien, der Mittelfeldspieler ist damit der zweitteuerste Kicker der Geschichte, nach Zidane und vor Figo, die Pérez für 77 und 60 Mio. Euro erstand. Der junge Mann aus Brasília selbst bekommt einen Sechsjahresvertrag und rund 9 Mio. Euro netto pro Saison.

Ronaldo und Ribery sollen kommen

Cristiano Ronaldo von Manchester United und Bayern Münchens Franck Ribéry, ebenfalls auf dem Einkaufszettel, dürften auch nicht billiger zu haben sein. Dass Ribérys Idol Zidane nun als Pérez' Außenminister fungiert, soll beim Transfer helfen, auch haben beide denselben Berater.

Neben den ausländischen Größen werden auch nationale kommen, Pérez will seinen früheren Fehler nicht wiederholen, als er in Sergio Ramos nur einen einzigen Spanier verpflichtete. Spätestens, als damals Kapitän Fernando Hierro zurücktrat und Trainer Vicente del Bosque entlassen wurde, ging im Sprachgewirr die Klubseele unter. Nun sollen die Europameister David Villa und David Silva (beides Stürmer) sowie Raúl Albiol (Abwehr) gleich im Paket beim FC Valencia ausgelöst werden, etwa 50 Mio. Euro kalkuliert der Real-Boss dafür ein. Die Valencianos wollen mehr, sind aber generell verkaufswillig, bei 547 Mio. Euro Schulden kein Wunder. Auch Nationalspieler Xavi Alonso soll aus Liverpool zurück in die Heimat gelotst werden, um Kaká die Kugel zu apportieren.

Zur Refinanzierung geben die Stars wieder Vermarktungsrechte ab, wird die Marketingmaschinerie weltweit angekurbelt. "Machen Sie sich darum keine Sorgen", sagte Pérez, "was mir am meisten liegt, sind Zahlen." Dass Glamour Geld generiert, hat er schon einmal bewiesen.

Natürlich werden etliche aus dem Kader ausgesiebt, den Abwickler gibt als Sportdirektor der Argentinier Jorge Valdano. Deutschlands Nationalverteidiger Christoph Metzelder darf auf Versetzung in die zweite Galáctico-Ära hoffen, als TV-Kommentator hatte Valdano zuletzt nur Lob für ihn übrig, und einen Landsmann im Kader findet auch Reals Sponsor Adidas gut.

"Ich habe die Spieler verzogen"

In Madrid sind die Fans erwartungsfroh und die Skeptiker still, zu schlimm war zuletzt die Demütigung durch den FC Barcelona. Der Rückstand auf Barça soll also durch die Neuauflage des Starsystems wettgemacht werden, eines Systems, an dem Pérez vor drei Jahren schließlich scheiterte, weil die Berühmtheiten zwischen Werbeterminen und luxuriösem Leben das Training vergaßen und keine Autorität mehr akzeptierten. "Ich habe die Spieler verzogen", räumte Pérez damals ein.

Der neue Trainer Manuel Pellegrini soll deshalb mehr Macht bekommen als die Vorgänger und die Diven zähmen. Damit hat der Chilene wenig Erfahrung. Am alten Arbeitsplatz Villarreal hatte er nur einen Star, den Argentinier Riquelme, und den schickte er im Streit weg. Das würde ihm Pérez bei Kaká wohl kaum gestatten. Dürfte auch nicht nötig sein: Europas Fußballer des Jahres 2007 gilt als Musterprofi. Kaká trinkt nicht, ist streng gläubig und heiratete mit 23 Jahren seine erste Liebe nach eigenen Angaben als Jungfrau respektive Jüngling.

FTD

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