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Schalke vs. Dortmund: Stellvertreterkrieg mit "Stumpen-Rudi"

Bei Königsblau liegen die Nerven blank: Vor dem 133. Revierderby gegen Borussia Dortmund (ab 20.30 Uhr im Liveticker von stern.de) liefern sich Schalke-Manager Andreas Müller und sein Vorgänger Rudi Assauer eine öffentliche Schlammschlacht. Im Club denken viele so wie "Stumpen-Rudi" - und wollen Müller am liebsten loswerden.

Von Tim Schulze

Vor dem "Ruhrschrott-Derby" ("Bild") gleicht die Situation bei den Königsblauen einem Tollhaus, in dem alle Bewohner unter dem Druck der sportlichen Krise aufeinander losgehen. Mitten auf diesem Schlachtfeld steht einsam und allein Manager Andreas Müller. Die Einschläge rücken näher, Müller muss seit Wochen als Sündenbock herhalten. Unter der Woche ging der Manager in die Offensive. In einem Interview mit dem Kölner "Express" attackierte Müller unter anderem seinen Vorgänger und Ziehvater Rudi Assauer. Der sei ein "Macho" und "proletenhaft". Assauer schießt prompt via "Bild" zurück. "Er ist die größte Enttäuschung meines Lebens", sagte er seinem Hausblatt über Müller. Und weiter: "Dahinter steckt nur sein massiver Frust. Schalke ist mit der zweitteuersten Mannschaft der Liga brutal abgestürzt."

Vor der Neuauflage des Klassikers am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker von stern.de) stellt die Schlammschlacht zwischen Müller und Assauer alles in den Schatten. Beim Training und in diversen Internetforen äußerten S04-Anhänger sogar das Undenkbare: Ein Dortmunder Sieg wäre das kleinere Übel, wenn man dann endlich Sündenbock Müller und gleich auch noch den erfolglosen Trainer Fred Rutten loswürde. Nicht nur die Fans denken so. Viele im Club, in dem Assauer noch viele Freunde hat, sehen es genauso. Müllers Attacken auf Assauer sind auch Angriffe auf die internen Kritiker.

Müllers Zukunft bleibt offen

Ob die erste Heimniederlage gegen den BVB seit dem 14. Mai 2005 (1:2) tatsächlich Konsequenzen hätte, ist offen. Zwar stellte Präsident Josef Schnusenberg dem umstrittenen Duo eine Jobgarantie aus, allerdings entscheidet über Müllers Zukunft der Aufsichtsrat. Dessen Chef Clemens Tönnies, der nach dem 1:2 im kleinen Revierderby beim VfL Bochum von drohendem "Zugzwang" gesprochen hatte, sagte: "Müller hat eine klare Vorstellung und ein Konzept. Aber wenn die Erfolge ausbleiben und die Umsetzung sich als zunehmend schwierig erweist, gerät man irgendwann unter Zugzwang." Rückendeckung hört sich anders an.

Aber Müller wehrt sich. Statt sich wie früher nach schlechten Leistungen schützend vor die Mannschaft zu stellen, attackiert er sie öffentlich, so wie nach der peinlichen Pleite gegen den Revier-Nachbarn und Abstiegskandidaten Bochum. Dass sich die Diskussionen auf den Manager konzentrieren, lenkt davon ab, dass Trainer Rutten, der die Mannschaft sportlich weiterentwickeln sollte, bis jetzt nur das Gegenteil erreicht hat. Spielte Schalke unter Vorgänger Mirko Slomka in der Champions League und um die deutsche Meisterschaft, ist die Mannschaft derzeit ins Mittelmaß abgerutscht.

Asamoah will kratzen und beißen

Die Profis scheinen den Ernst der Lage erkannt zu haben. "Die Nerven liegen blank", stellte Gerald Asamoah, der am Freitag sein 18. Revierderby bestreitet, fest: "Wir werden kratzen und beißen für den Sieg." Und auch Torhüter Manuel Neuer ist "bis in die Haarspitzen motiviert". Dass die Fans, wenn das Derby angepfiffen ist, zu 100 Prozent hinter ihrem Team stehen werden, bezweifelt der Keeper nicht: "Ich weiß schließlich aus eigener Erfahrung als Fan aus der Kurve, dass vielen S04-Anhängern ein Sieg gegen den BVB regelrecht ein halbes Jahr rettet." Gleiches gilt für Manager Müller, dem ein Sieg in der Diskussion um seinen Job gute Argumente liefern würde.

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