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Schweinsteiger und die Nationalmannschaft: Testspiele? Ohne mich!

Die Serie wird immer unheimlicher: Bastian Schweinsteiger, wichtigster Spieler von Joachim Löw im DFB-Team, verpasst am Abend gegen Paraguay das 12. Testspiel in Folge. Was steckt dahinter?

Von Klaus Bellstedt

Am Abend startet auch die Nationalmannschaft in die neue Fußball-Saison. In Kaiserslautern testet die DFB-Auswahl gegen Paraguay (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker). Und einer ist mal wieder nicht dabei: Bastian Schweinsteiger. Nach Absprachen mit Bayern-Trainer Pep Guardiola und DFB-Coach Joachim Löw soll sich der Vize-Kapitän nach seiner Sommer-Verletzung besser in heimischen Gefilden ausruhen und in München die körperlichen Defizite aufholen. Da ist natürlich was dran. Schweinsteiger ist noch nicht wieder bei 100 Prozent, gegen Gladbach zum Bundesliga-Auftakt war er 73 Minuten auf dem Platz und wurde dann ziemlich erschöpft für Jan Kirchhoff ausgewechselt.

Trotzdem fragt man sich: Warum kann zum Auftakt der WM-Titelmission der wichtigste Spieler der Nationalmannschaft nicht dennoch anwesend sein? Er muss ja nicht durchspielen. Er muss im Grunde gar nicht spielen. Seine Präsenz allein wäre aber schon gut gewesen. Weil Schweinsteiger der Eckpfeiler dieses Teams ist, er ist der verlängerte Arm des Trainers, sein Wort hat intern mehr Gewicht als das jedes anderen Spielers. Und es wäre vielleicht auch nicht so schlecht, wenn sich die Mannschaft MIT Schweinsteiger und Sami Khedira - bevor es in der WM-Qualifikation am 6. September gegen Österreich richtig ernst wird - auf der Doppelsechs noch ein bisschen hätte einspielen könnte. Aber daraus wird jetzt nichts. Denn es gibt eine Vorgeschichte: Bastian Schweinsteiger und Nationalmannschafts-Testspiele - da geht nicht viel.

"Muskuläre Probleme"

Seit dem 3:2-Sieg gegen Brasilien am 10. August 2011 hat Schweinsteiger kein Freundschaftsspiel mehr für Deutschland bestritten. Seine jüngste Absage ist die insgesamt zwölfte. In Folge! Nach Brasilien fehlte er nacheinander gegen Polen (2:2), die Ukraine (3:3), die Niederlande (3:0), Frankreich (1:2), Schweiz (3:5), Israel (2:0), Argentinien (1:3), die Niederlande (0:0), noch einmal Frankreich (2:1), Ecuador (4:2) und die USA (3:4). Jetzt kommt noch Paraguay dazu.

Ein paar Fehltermine waren schon begründet. Drei Mal sagte Schweinsteiger Löw wegen eines Außenbandanrisses und eines Schlüsselbeinbruchs ab. Und dass er die USA-Reise mit den beiden Spielen gegen Ecuador und die USA wegen des Champions-League-Finales und des Pokalendspiels nicht mitmachen konnte, ist auch schlüssig. Genauso wie seine Abstinenz beim Freundschaftskick gegen die Schweiz im vergangenen Jahr, der mit dem "Finale dahoam" gegen Chelsea kollidierte. Unterm Strich bleiben trotzdem fünf Tests, die Schweinsteiger sausen ließ: wegen "muskulärer Probleme", oder wegen eines "Infekts". Was man eben so hat.

Sonderstellung unter Löw

Mal so ausgedrückt: Es drängt sich der Verdacht auf, dass Schweinsteiger beim ein oder anderen lästigen Testspiel schon mal ein paar körperliche Zipperlein vorgeschoben haben könnte. Und er weiß natürlich auch, dass er beim DFB eine Sonderstellung genießt und sich ein Fernbleiben womöglich öfter mal leisten kann, als beispielsweise ein junger Nachwuchsspieler, der gerade erst neu dabei ist im Kreis. Joachim Löw findet das ok. Und die Bayern freuen sich sowieso, dass Schweinsteiger in den kommenden stressigen Wochen zum jetzigen frühen Zeitpunkt der Saison keine Zusatzbelastung hat. Dennoch: Gerade auch im Hinblick auf die WM täte es dem Teamspirit und dem Zusammenhalt der Nationalmannschaft gut, wenn der Chef beim nächsten Mal wieder dabei ist. Wohl gemerkt: beim nächsten Testspiel.

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