Stefan Effenberg exklusiv Uli Hoeneß, der Meister der Küchenpsychologie


Uli Hoeneß glaubt, dass der FC Bayern noch vor Weihnachten auf Platz 1 stehen wird. stern.de-Experte Stefan Effenberg weiß, was der Bayern-Manager damit bezwecken will. Viel Lob gibt es von Effe für Schalkes Trainer Felix Magath. Sorgen bereitet ihm sein Ex-Club.

"Ich denke, dass wir vor Weihnachten auf Platz 1 stehen werden." Uli Hoeneß hat gesprochen. Was der Bayern-Manager mit dieser gewagten Aussage, noch dazu nach einem schwachen Spiel der Münchener in Stuttgart, bezwecken wollte, ist für mich sonnenklar. Der Uli streut solche Kampfansagen an die Konkurrenz liebend gern mal so im Vorbeigehen ein. In Wahrheit sind das aber gar keine Kampfansagen an die Konkurrenz. Vielmehr will er damit die eigene Mannschaft wachrütteln. Hoeneß will die Psyche der Spieler damit erreichen. In ihren Köpfen soll sich festsetzen, dass man es wieder schafft, nach ganz oben zu kommen. Und ganz ehrlich: Für das eigene Selbstverständnis wird es langsam auch mal wieder Zeit, dass der FC Bayern nach weit über 500 Tagen von der Tabellenspitze grüßt.

Die Bayern bieten wenig Inspirierendes

Es ist allerdings auch nicht gerade so, dass mein Ex-Club aufgrund seiner Spielweise die Mannschaften, die jetzt noch in der Tabelle vor dem FC Bayern München stehen, schwer beeindruckt. Gegen Stuttgart war das ein langweiliges und tempoarmes Spiel, was sich größtenteils zwischen den beiden Strafräumen abgespielt hat. Ich habe wenig Inspirierendes gesehen. Ich finde es übrigens gefährlich, jetzt immer alles auf das Fehlen von Robben und Ribéry zu schieben. Das hieße ja, dass das Spielermaterial, was van Gaal derzeit zur Verfügung steht, nicht gut genug ist, um dass Team nach vorne zu bringen. Toni, Klose, Gomez, Schweinsteiger und Co. werden sich bedanken. Nein, immer nur auf Robben und Ribéry zu verweisen, das ist mir zu einfach. Trotz allem: Ich gehe davon aus, dass die Bayern das eminent wichtige Spiel gegen Bordeaux in der Champions League gewinnen werden. Von so einem Sieg könnte dann eine Signalwirkung ausgehen. Und dann könnte es wirklich noch was werden mit Platz 1 vor Weihnachten.

Sorgen mache ich mir um den HSV. Die unnötige Niederlage gegen Gladbach hat gezeigt, dass es an Alternativen - gerade auch im Sturm - fehlt. Für die Verletztenmisere können Trainer und Management nichts, aber beim HSV müssen sie in der Winterpause dringend nachbessern und Spieler verpflichten. Nur mit Markus Berg im Sturm wird das nichts. Schließlich brauchen ja auch die Langezeitverletzten wie Guerrero oder Petric Zeit, um wieder Anschluss zu finden. Die sind ja nach der Pause nicht plötzlich wieder in Topform. Ich hoffe, dass die Hamburger auch das nötige Kleingeld aufbringen, um Transfers zu tätigen. In der heutigen Zeit weiß man das ja nie...

Schalke ist durch Magath gut drauf

Womit wir bei Schalke angelangt wären. Die Königsblauen - das haben die Aufholjagden in den letzten beiden Spielen gegen den HSV und Leverkusen gezeigt - haben wieder ein Verhältnis zu ihren Fans aufgebaut. Das ist auch ein Verdienst von Felix Magath, der es geschafft hat, dieses nicht immer unproblematische Verhältnis zu entkrampfen. Spielerisch ist Schalke nur Durchschnitt, aber was das kämpferische Element betrifft, gibt es im Moment kein Team in der Bundesliga, das besser drauf ist. Das macht Schalke so gefährlich.

Noch schnell ein Wort zum Deutschen Meister, dem VfL Wolfsburg: Im Offensivbereich sind die Wölfe nach wie vor exzellent aufgestellt, aber das Remis gegen Aufsteiger Mainz hat verdeutlicht: Die Hintermannschaft meines Ex-Clubs hat das Prädikat 'Deutscher Meister' nicht verdient. Da geht es zu wie im berühmten Hühnerhaufen. Eine 2:0-Führung gegen einen Aufsteiger wieder aus der Hand zu geben, noch dazu als amtierender Meister, stimmt mich nachdenklich. Da muss Trainer Armin Veh dringend gegensteuern. Sonst landen die Wolfsburger nämlich da, wo sie nie wieder hinwollten: im Niemandsland der Bundesliga.


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