Testspielsieg Die Party geht weiter


Deutschlands WM-Helden haben Joachim Löw einen Traumstart als Bundestrainer beschert. Mit einem 3:0-Erfolg über Schweden holten Doppel-Torschütze Miroslav Klose und Co. noch einmal die WM-Euphorie zurück ins Land.

Neben Klose (8./44. Minute) beteiligte sich vor 53.000 begeisterten Zuschauern in der Veltins-Arena noch Bernd Schneider (4.) an dem 45-minütigen Torreigen der deutschen Mannschaft, die ihren ersten Erfolg in Gelsenkirchen seit 1992 (1:0 gegen die Türkei) einfuhr.

Mit dem 14. Länderspiel-Sieg gegen die Skandinavier, der wie eine Kopie des 2:0 im WM-Achtelfinale wirkte, verzeichnete der 10. Bundestrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wie seine Vorgänger Jürgen Klinsmann (3:1 in Österreich) und Rudi Völler (4:1 gegen Spanien) einen perfekten Einstand auf der Bank. Ähnlich wie Klinsmann ging auch Löw bei seiner Premiere als Chef engagiert mit und feuerte das Team immer wieder leidenschaftlich vom Spielfeldrand aus an.

17 Tage vor dem Ernstfall in der EM-Ausscheidung gegen Irland in Stuttgart präsentierte sich der WM-Dritte trotz des Ausfalls von fünf Stammkräften schwungvoll und spielfreudig. Glanzstück bei Löws Debüt war die Offensiv-Abteilung um den kaum zu bremsenden Klose. Mit seinem sechsten Doppelpack im DFB-Trikot und nun insgesamt 31 Toren zog der Bremer, der vor dem Spiel als Fußballer des Jahres ausgezeichnet wurde, in der deutschen Länderspiel-Statistik mit Michael Ballack gleich. Etwas im Schatten seines Sturmpartners stand Lukas Podolski, dem trotz allen Engagements nicht sehr viel gelang. In der 57. Minute sah der bisweilen übermotiviert wirkende Neu- Münchner die Gelbe Karte.

Asamoah ersetzt Podolski

Das bis auf den angeschlagen fehlenden Ballack in Bestbesetzung aufgestellte Mittelfeld war den Skandinaviern in allen Belangen überlegen. Als entscheidender Vorteil erwies sich die Tatsache, dass die Gastgeber beim vierten Länderspiel in der Gelsenkirchener Arena als eingespieltes Team auftraten, während bei den Schweden häufig die Ordnung fehlte. Dreh- und Angelpunkt im deutschen Kreativzentrum war neben dem defensiv souveränen Torsten Frings vor allem Schneider. Der Leverkusener krönte seine Leistung mit dem zweiten Tor in seinem 72. Länderspiel. Zuletzt war ihm ein Freistoß-Treffer beim 8:0 gegen Saudi-Arabien in der WM-Vorrunde 2002 gelungen.

Angesichts der klaren Führung brachte Löw zu Beginn der zweiten Halbzeit mit dem Berliner Malik Fathi und Manuel Friedrich von Mainz 05 für Arne Friedrich und Marcell Jansen die beiden ersten Debütanten in seiner Amtszeit ins Spiel. Auch Matchwinner Klose durfte sich die zweite Hälfte von der Bank aus anschauen. Für ihn kam Dauer-Joker Oliver Neuville zu einem weiteren Einsatz. Als nächster durfte Lokalmatador Gerald Asamoah für Podolski ran.

Borowski verpasst mögliches viertes Tor

Knapp acht Wochen nach der von zwei frühen Podolski-Toren gekrönten deutschen Gala im WM-Achtelfinale wurden die Skandinavier erneut überrumpelt. Wie beim damaligen 2:0 in München dauerte es erneut nur ganze vier Minuten, ehe Schneider nach einer Hereingabe von Tim Borowski für die Führung sorgte. Weitere vier Minuten später musste das nach der Weltmeisterschaft von Trainer Lars Lagerbäck verjüngte «Drei-Kronen-Team» den nächsten Schlag hinnehmen. Klose drang energisch in den Strafraum ein, umkurvte Kim Källström und Petter Hansson wie Slalomstangen und schob den Ball an Torhüter Rami Shaaban vorbei in die lange Ecke. 120 Sekunden zuvor war ein Treffer des knapp im Abseits stehenden Bremers nicht anerkannt worden.

Nach diesem furiosen Auftakt drosselte die deutsche Mannschaft ein wenig das Tempo, ohne die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Vor allem Klose war von der schwedischen Abwehr kaum unter Kontrolle zu bringen. In der 31. Minute schlenzte der Torschützenkönig der letzten Bundesliga-Saison den Ball noch knapp am Tor vorbei, doch kurz vor der Pause schlug er wieder eiskalt zu. Nach Bastian Schweinsteigers Flanke spielte Klose seine Kopfballstärke aus und vollendete zum 3:0- Pausenstand.

Bedingt auch durch die zahlreichen Wechsel fehlte im zweiten Durchgang der ganz große Schwung, doch obwohl der Ball nicht mehr so flüssig durch die Reihen lief, sich einige Abspielfehler einschlichen, kam die deutsche Elf nie ernsthaft in Bedrängnis. In der 62. und 76. Minute verpasste Borowski mit seinen Schüssen sogar ein mögliches viertes Tor.

Jens Mende und Arne Richter/DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker