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Treffer nach acht Sekunden Ein Anstoß geht um die Welt: Was das PSG-Rekordtor mit TikTok zu tun hat

Kylian Mbappé trifft gegen Lille zur frühen Führung
Kaum hat das Spiel begonnen, schon jubelt PSG: Kylian Mbappé trifft gegen Lille nach nicht einmal acht Sekunden zur Führung
© Denis Charlet / AFP
Den vergangenen Spieltag in der Ligue 1 wird Paris St. Germain so schnell nicht vergessen. Bereits nach acht Sekunden traf Kylian Mbappé zur Führung – Rekord in der französischen Liga. Ein einstudierter Spielzug? Ja, aber einer, der gerade europaweit kopiert wird.

Als Dominic Solanke im Dezember vergangenen Jahres ein bemerkenswertes Tor schoss, konnte niemand ahnen, was der Treffer auslöste. Im Spitzenspiel der Championship, der zweiten englischen Liga, war die zweite Halbzeit zwischen Fulham und Bournemouth gerade angepfiffen, da jubelte auch schon der Stürmer von Bournemouth. Mit nur vier Ballkontakten hatten die Gäste aus dem Süden Englands das Heimteam im altehrwürdigen Craven Cottage überrumpelt. Denn für den Spielzug braucht es nur vier Spieler. Spieler 1 spielt den Ball nach Anstoß zu Spieler 2, der ihn direkt wieder zu Spieler 1 zurück passt. Dieser lässt den Ball auf Spieler 3 tropfen, der mit einem Steilpass auf den mit dem Anstoß tief gestarteten Spieler 4 steckt, in diesem Fall Dominic Solanke, der eiskalt sieben Sekunden nach Wideranpfiff vollstreckte.

Die Medienverantwortlichen vom AFC Bournemouth machten anschließen das, was man nach so einem Treffer machen sollte: sie teilten ihn in den sozialen Medien. Das kurze Video vom Treffer Solankes wurde über 1,6 Millionen mal bei TikTok angeklickt und scheint viele Vereine in Europa inspiriert zu haben. Als erster Nachahmer versuchte sich Real Madrid an dem Trick.  Sowohl im Achtelfinale gegen Paris St. Germain als auch im Halbfinale gegen Manchester City versuchten die Königlichen in der Champions League ihre Gegner zu überraschen, was jedoch alles andere als königlich aussah und in beiden Fällen nicht glückte.

Neue Saison, neue Kopien eines Anstoß-Tricks

Mit Beginn der neuen Saison aber scheint man sich nun europaweit an dem Spielzug zu versuchen. In der niederländischen Eredivise gelang zunächst Sparta Rotterdam ein Treffer nach genau dem Muster, Vito van Crooij brachte am zweiten Spieltag gegen AZ Alkmaar seine Farben nach neun Sekunden in Führung. Die Verantwortlichen von Rotterdam machten keinen Hehl daraus, dass der Spielzug keine Eigenkreation war. Auf Twitter teilte der Verein das Video vom Treffer und bedankte sich artig bei Bournemouth für die Inspiration.

Nur kurz darauf war die Idee auch in Frankreich angekommen: Das Starensemble von Paris St. Germain überrannte beim Auswärtsspiel in Lille die Gastgeber. Nur acht Sekunden nach Anpfiff lag der Ball bereits im Netz, nie zuvor hatte es einen schnelleren Treffer in der Ligue 1 gegeben – was Lille angesichts einer 1:7-Niederlage allerdings nicht größer stören dürfte. Ob die Erfahrungen aus dem Spiel gegen Madrid oder das Video von Dominic Solanke nun den Ausschlag für den Angriff gegeben haben, ist nicht überliefert.

Auch beim Spitzenspiel der Premier League zwischen Manchester United und dem FC Liverpool versuchten sich die Gastgeber an dem Trick, jedoch eher mit bescheidenem Erfolg. Ausgerechnet Bruno Fernandes, einer der feinsten Techniker im Team der Red Devils, verstolperte den Ball beim Passversuch. Ob der Spielzug mit dem abwanderungswilligen Superstar Cristiano Ronaldo geklappt hätte, haben sich sicherlich einige Fans von Manchester United gefragt. (Die traurige Suche des Superstars nach einem neuen Verein und warum ihn niemand haben will, lesen Sie hier)

Wegen Tiktok: Cliftonville lernt eine Stunde vor Anpfiff den Spielzug

Die Krone aber setzte Cliftonville FC, ein kleiner nordirischer Verein, dem Ganzen auf, wenn auch vielleicht per Zufall: Nach einem etwas zu kurz geratenen Steilpass vollendete Cliftonvilles Stürmer Ronan Hale nach wenigen Sekunden per Fallrückzieher zur Führung gegen die Carrick Rangers. Auch die Verantwortlichen von Cliftonville bedankten sich bei Bournemouth auf Twitter für die Variante. Einstudiert war auch dieser Treffer nicht, erst eine Stunde vor Spielbeginn beschäftigte sich das Team überhaupt mit dem Spielzug. Analyst Damian McAuley hatte den Spielzug bei TikTok gesehen, wo er zuletzt auch ob der massenhaften Anwendung viral ging, und seinen Spielern gezeigt. "Wir haben uns alle das Video angesehen und gefragt, warum wir das nicht auch mal machen sollten. Und glücklicherweise hat es gleich beim ersten Mal geklappt", erzählte Hale dem "Guardian". 

Beim AFC Bournemouth reagierte man mittlerweile auf die Entwicklung. Auf TikTok findet sich eine Videosammlung der Spielzüge mehrere Vereine, die den Treffer von Dominic Solanke Anfang Dezember kopiert haben – mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. "Unsere Anstoß-Prozedur wird mittlerweile weltweit kopiert", heißt es in dem Clip, der mehr als sechs Millionen mal gesehen wurde. Ein Video aber haben die Macher ausgelassen: das der eigenen Jugend. Denn die U16 kopierte am vergangenen Wochenende ebenfalls das Tor von Dominic Solanke und durfte sich nach wenigen Sekunden über einen Treffer gegen Northampton Town freuen.

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