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Norweger Tom Harald Hagen "Habe das Gefühl, die Zeit ist reif" – Fifa-Schiedsrichter outet sich als schwul

Schiedsrichter Tom Harald Hagen während eines Champions-League-Spieles 2013
Schiedsrichter Tom Harald Hagen während eines Champions-League-Spieles 2013
© Cordon Press / Picture Alliance
Noch immer bekennen sich im Profi-Sport wenige männliche Akteure zu ihrer Homosexualität. Der norwegische Fußball-Schiedsrichter Tom Harald Hagen ist diesen Schritt nun gegangen.

Eigentlich sollte die sexuelle Orientierung eines Menschen keine Rolle spielen, weder am Arbeitsplatz noch sonstwo. Doch gerade im professionellen Sport scheint Homosexualität noch immer ein Tabu-Thema zu sein. Bis heute hat sich nicht ein einziger aktiver Bundesliga-Profi als schwul geoutet. Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger ging diesen Schritt erst nach dem Ende seiner Karriere.

Der norwegische Fifa-Schiedsrichter Tom Harald Hagen hat nun seine sexuelle Orientierung öffentlich gemacht. "Ich habe das Gefühl, dass die Zeit reif dafür ist, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es andere als positive Folgen für mich haben wird", sagte er der norwegischen Lokalzeitung "Glåmdalen". Er finde es wichtig, "der Sache die Brisanz zu nehmen, dass ich schwul bin", so der Unparteiische. "Ich habe mein ganzes Leben so gelebt, das ist nichts, worüber ich mir Gedanken mache."

Ausgerechnet Hagen pfiff Spiel mit schwulenfeindlichem Eklat

Der 44 Jahre alte Referee hat bereits mehrfach Spiele der Europa und Champions League gepfiffen, sowie Partien in WM- und EM-Qualifikationen und Junioren-Europameisterschaften. Ironischerweise leitete ausgerechnet Hagen am Sonntag die norwegische Erstliga-Partie zwischen Vålerenga und Kristiansund in Norwegen. In dem Spiel war es zu einem schwulenfeindlichen Eklat gekommen. Der frühere Bundesliga-Stürmer Flamur Kastrati hatte den gegnerischen Coach als "jævla soper" beschimpft – was sich in etwa mit "verdammte Schwuchtel" übersetzen lässt. Kastrati kickte früher unter anderem für den VfL Osnabrück, MSV Duisburg und Erzgebirge Aue.

Hagen hatte die Beschimpfung während der Partie selbst gar nicht mitbekommen, sagte dazu aber der Zeitung: "Das ist ja die Spitze der Ironie, dass ausgerechnet ich dieses Spiel gepfiffen habe." Der Schiedsrichter wolle den Stürmer wegen der Aussagen aber auch nicht verurteilen. Diese sei womöglich unbewusst gefallen und gehöre vermutlich in Teilen der Fußballgemeinde zum Slang. Das müsse man aber dringend wegbekommen, so Hagen.

Tom Harald Hagen auch "schockiert" über Reaktionen

Das Interview mit Hagen veröffentlichte die norwegische Lokalzeitung bereits am Montagabend. Der 44-Jährige erhielt daraufhin viel Zuspruch. Der Kultur- und Gleichstellungsminister Norwegen Abid Raja etwa kommentierte: "Es ist fantastisch, dass Tom Harald seine Geschichte teilt und damit dazu beiträgt, den Weg für mehr Toleranz und Akzeptanz für die Verschiedenheit im Sport zu bahnen." 

Hagen selbst reagierte zwiegespalten auf die vielen Reaktionen: "Es ist schön, dass die Sache so groß geworden ist, obwohl es mich gleichzeitig schockiert, dass das eine so riesige Neuigkeit ist. Das könnte darauf hindeuten, dass das eine wichtige Sache ist", wird Hagen in mehreren Medien zitiert. Er habe "unglaublich viele" und durchweg positive Reaktionen erhalten. Top-Spieler und -Trainer hätten sich bei ihm gemeldet, ebenso wie Jugendliche oder Eltern, für deren Kinder Hagens Selbstbekenntnis eine Befreiung gewesen sei. "Es ist sehr schön, dass ich etwas für die jungen Leute tun kann", wird er zitiert.

Quellen:"Glåmdalen" (Bezahlinhalt) / Sport1 / "Frankfurter Allgemeine Zeitung" / Transfermarkt


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