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Champions League: Warum Tottenhams Final-Einzug so besonders ist

Geld schießt Tore. In einem Jahr, in dem sich die umsatzstärkste Liga der Welt anschickt, in den Europa-Finals unter sich zu bleiben, scheint sich diese Fußball-Weisheit zu bestätigen. Doch zumindest ein Verein liefert in gewisser Weise ein Gegenbeispiel.

Tottenham Hotspur - Harry Kane und Kollegen feiern den sensatioellen Last-Minute-Sieg bei Ajax

Außer Rand und Band: Superstar Harry Kane und seine Team-Kollegen feiern den sensationellen Last-Minute-Einzug ins Champions-League-Finale bei Ajax Amsterdam

DPA

Natürlich, Tottenham Hotspur ist alles andere als eine arme Kirchenmaus des Fußballs. Mit den beiden englischen Nationalspielern Harry Kane (150 Millionen Euro) und Dele Alli (100 Millionen Euro) haben sie zwei Kicker in ihren Reihen, die zu den teuersten überhaupt gehören. Bei 835,5 Millionen Euro liegt laut "Transfermarkt.de" der Gesamtwert des Hotspur-Kaders - er ist damit übrigens derzeit doppelt so wertvoll wie die Truppe des so sensationell besiegten Halbfinal-Gegners in der Champions League, Ajax Amsterdam (420,1 Millionen). Trotzdem: In einer Sache durchbricht der Club aus dem Norden Londons die scheinbar bestätigte Fußball-Regel Geld schießt Tore - und bringt somit den Erfolg: die Spurs sind tatsächlich ohne einen einzigen Transfer in die Saison gegangen!

Ajax Amsterdam

Tottenham ist damit das Gegenmodell zum Finalgegner am 1. Juni in Madrid: Coach Jürgen Klopp durfte sich zu Beginn der Spielzeit freuen, dass der FC Liverpool fast 200 Millionen Euro in neue Spieler investierte. An der Anfield Road ist man sicher, dass das zum zweiten Einzug in das Champions-League-Finale in Folge maßgeblich beigetragen hat. Die Spurs gaben dagegen 0 Euro aus - und haben damit nun das Gleiche erreicht. Eine bemerkenswerte Leistung - einer allerdings ohnehin schon hervorragenden Truppe.

Tottenham: Einziger Club aus Top-Ligen ohne Transfers

Null Zugänge im Sommer - das war ein Novum in der englischen Premier League und ein Alleinstellungsmerkmal in den fünf Top-Ligen Europas. Lediglich die Rückkehr des an Fenerbahce Istanbul ausgeliehenen Niederländers Vincent Janssen brachte im August minimale Bewegung in den Kader. "Ich bin glücklich, dass wir die Mannschaft zusammenhalten konnten", zitierte "Goal.com" Trainer Mauricio Pochettino vor Beginn der Saison. "Der Klub hat sich massiv bemüht, die bestehenden Verträge zu verlängern, wie bei Harry Kane. Unsere besten Spieler zu halten, war unser Ziel - und das haben wir erreicht." Unmittelbar vor dem ersten Saisonspiel legte der Argentinier noch einmal nach: "Es mag von außen hart aussehen, aber es ist ein mutiger Weg der Verantwortlichen." Ein Mut, der sich spätestens jetzt ausgezahlt hat.

Ob es günstiger war, in das schon vorhandene Team zu investieren als in teure Neuzugänge, bleibt Spekulation. Tatsache ist allerdings, dass die neue Arena des Clubs von der White Hart Lane satte zwei Milliarden Pfund (rund 2,3 Milliarden Euro) verschlungen hat. Eine Investition, mit der die Club-Bosse um Besitzer Daniel Levy die Spurs in eine neue Dimension katapultieren wollen. Ziel ist, einer der wichtigsten Fußballclubs der Welt zu werden. Mit der im April eröffneten Arena und dem nun gelungenen erstmaligen Einzug ins wichtigste und lukrativste Club-Finale der Welt ist man auf dem besten Wege.

Ende der Transfer-Abstinenz in Sicht

Trotz des bemerkenswerten Erfolgs in dieser Champions-League-Saison besteht also wenig Grund, Tottenham fußballromantisch zu verklären. Schon in der Saison 2017/2018 erwirtschaftete der Club einen satten Gewinn von 132 Millionen Euro. Da kann wahrlich weder von einer armen Kirchenmaus noch von einem Underdog gesprochen werden.

Und auch die Zurückhaltung in Sachen Transfers wird wohl der Vergangenheit angehören. Laut "Sky" planen die Spurs ganz im Gegenteil angeblich eine Transfer-Offensive im Umfang von rund 180 Millionen Euro. 70 Millionen will der Club bereitstellen, rund 110 Millionen aus Transfererlösen sollen hinzukommen. Für Christian Eriksen (Real Madrid) und Kieran Trippier (FC Everton) gibt es finanziell potente Interessenten.

Quellen: "Goal.com", "Transfermarkt.de", "Ligalive.net", "Spiegel online", "Fussballdaten.de", "Sky"

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