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Kommentar

FC Bayern: Hoeneß in Rente, Rummenigge auf Abruf und Kahn als Lehrling – der Zirkus ist programmiert

Umbruch an der Führungsspitze des FC Bayern: Uli Hoeneß geht bereits Ende des Jahres, Karl-Heinz Rummenigge folgt ihm zwei Jahre später. Der Plan ist gut. Nur: Es bleiben Zweifel, dass er funktioniert.

Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn

Vergangenheit und Zukunft des FC Bayern: Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn

DPA

Es ist ein gewaltiger Umbruch, der jetzt in der Führungsetage des FC Bayern ansteht. Allerdings vollzieht sich der Wechsel nicht über Nacht, sondern über fast zweieinhalb Jahre. Es ist ähnlich wie beim Klimawandel. Die ganze Sache läuft langsam ab und die gewaltigen Auswirkungen des Wandels werden erst mit Verzögerung ihre volle Wirkung entfalten. Der einzige Unterschied bei diesem Vergleich ist: Es ist offen, ob die Folgen des Umbruchs in die Katastrophe führen oder der FC Bayern das bleibt, was er aktuell ist: der große Dominator der Bundesliga und einer der größten Klubs Europas.

Uli Hoeneß wird also ab Ende November nicht mehr Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern sein. Karl-Heinz Rummenigge wird Ende 2021 als Vorstandsvorsitzender aus dem Amt scheiden. Oliver Kahn soll ihm dann als Bayern-Boss nachfolgen. Ab Januar 2020 zieht Kahn bereits als einfaches Mitglied in den Vorstand ein.

Der Plan klingt gut

Das ist der Plan, den Hoeneß und Rummenigge ausbaldowert haben. Er klingt gut. Hoeneß zieht sich zurück, aber nicht ganz. Schließlich bleibt er Mitglied des Aufsichtsrates, den Hoeneß’ Kumpel Herbert Hainer übernehmen wird. Rummenigge kann seinen Nachfolger Kahn in Ruhe einarbeiten. Kahn ist ja vorerst so etwas wie ein Vorstandslehrling und muss noch eine Meisterprüfung ablegen.

Dass der personelle Umbruch notwendig ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Der Dissenz zwischen Hoeneß und Rummenigge lähmte den Verein zu oft, der Neuaufbau der Mannschaft verzögerte sich zu lange, sportlich fiel der FCB international zurück. In der Mannschaft ist der Neuaufbau mit den Transfers in diesem Sommer (Coutinho, Hernández, Pavard, Perišić) in vollem Gange, jetzt folgt der Umbau der Führungsetage.

Kann Uli Hoeneß sein Temperament zügeln?

Die Macher der Zukunft sollen Sportdirektor Hasan Salihamidžić und Kahn sein. Die spannende Frage lautet: Läuft die Stabübergabe so ruhig wie vorgesehen? Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Führungspersönlichkeiten Schwierigkeiten haben, ihre Macht abzugeben. Man kann sich kaum vorstellen, wie Hoeneß sein überbordendes Temperament in Zukunft im Zaum hält. Sein Nachfolger als Präsident, Hainer, ist wie Kahn ein Mann von Hoeneß' Gnaden. Zudem hat Hoeneß überall im Verein Männer postiert hat, die ihm freundschaftlich verbunden sind. Hoeneß wird über dieses Netzwerk weiter Einfluss ausüben, wenn auch möglicherweise nicht so machtvoll wie in den vergangenen 40 Jahren - trotz seiner gegenteiligen Beteuerungen auf der Pressekonferenz am Freitag.

Und Rummenigges Rente ist noch lange hin. Ob die Rollenverteilung zwischen Rummenigge und Kahn als Meister und Lehrling funktionieren wird, ist keineswegs sicher. So brav wie Salihamidžić wird sich Kahn nicht geben. Was passiert zum Beispiel, wenn die sportlichen Erfolge ausbleiben? Deshalb: Der Plan klingt vernünftig und sinnvoll, wenn er reibungslos umgesetzt wird. Er kann aber auch zur Bürde für die Nachfolger werden.

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