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Partie im DFB-Pokal: Jubiläumsduell: Wie die Fanfreundschaft zwischen Bochum und Bayern mit einer Prügelei begann

Von den einst zahllosen Fanfreundschaften sind nicht mehr viele übrig geblieben: Die der Anhänger des VfL Bochum und Bayern München gehört dazu, sie begann mit einer Prügelei. Im DFB-Pokal treffen die Teams aufeinander – zum 75. Mal.

Bayern München VfL Bochum 1973

Es müllert gegen den VfL Bochum. Bayerns Rekordtorschütze Gerd Müller 1973 im Spiel gegen die Reviermannschaft

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VfL Bochum gegen Bayern München, das war einmal ein Bundesliga-Klassiker. Bis es den Dauerunderdog aus dem Pott irgendwann erwischte und ihr halbernst, halbironischer Beiname "die Unabsteigbaren" hinfällig wurde. 1993 war das, damals wurden im Fußball noch Fanfreundschaften gepflegt. Die Verbrüderung von Schalkern und Nürnbergern ist wohl die bekannteste. Die Anhänger des FC St. Pauli und dem 1. FC Köln waren auch mal dicke. Und eben die Bochumer und die Bayern – immerhin schon seit 1973.

Ungleicher kann eine Freundschaft kaum sein

Die DFB-Pokal-Begegnung am Dienstag, 20 Uhr (Live im stern-Ticker) wird das 75. Duell der beiden ungleichen Teams sein – mittlerweile noch ungleicher als eh und je schon. Hier die abgehängte Nummer drei aus dem Pott, die nach dem Bundesligaabstieg erst zur Fahrstuhlmannschaft wurde und nun um die Zweitklassigkeit und die Existenz kämpft. Dort der stargespickte Großklub, der minikriselt, weil derzeit nur Bundesliga-Zweiter mit Tuchfühlung auf Freiburg. Dass ausgerechnet die Anhänger von David und Goliath einst zueinanderfanden, war genauso unwahrscheinlich wie die meisten Fanfreundschaften.

Der Legende zufolge waren 1973 ein paar Bochum-Fans nach einer 0:1-Heimspielniederlage gegen die Bayern auf deren Fans losgegangen. Die, offenbar überrascht und überfordert, bekamen ausgerechnet von anderen VfL-Anhängern Hilfe, den "Bochumer Jungen". Beide Grüppchen begossen anschließend in einer Kneipe beim Bochumer Stadion ihr Aufeinandertreffen. Doch die gegenseitige Zuneigung kühlte über die Jahrzehnte langsam aber sicher ab, bis irgendwann die umtriebigen Münchener Ultras von der "Schickeria" die Beziehung wiederaufleben ließen. Erst vor wenigen Tagen gratulierten sie per Choreo den Bochumer Ultras zum 20. Bestehen: "Unbequem seit 20 Jahren - Alles Gute Ultras Bochum" stand auf den Plakaten.

Die Fanfreundschaft ist eine der wenigen, die die turbulenten Fußballjahre der Nuller- und Zehnerjahre überstanden hat. Neben Schalke-Nürnberg existiert noch die seit 1976 bestehende Beziehung zwischen Hertha BSC und dem Karlsruher SC. Viele jedoch haben sich auseinandergelebt: Die Freundschaft der BVB-Fans mit den Freiburgern etwa. Es war eine kurze Liebelei, die 1993 entstand. Damals war der SC Freiburg gerade in die Bundesliga aufgestiegen, spielte gegen Borussia Dortmund traumhaften Fußball, führte auch 2:0 und verlor trotzdem noch 2:3. Die BVB-Fans waren von den "Breisgau-Brasilianern" so verzückt, dass sie sich spontan mit den Badenern verbrüderten.

Einige tun sich schwer mit der Beziehung

Die mehr als 40 Jahre alte Achse Bochum-München mag auf Ultra-Ebene stabil sein, umstritten ist sie nicht. Timo Janisch schreibt im VfL-Fanblog "Einsachtvieracht": "Das Sitzplatzpublikum in Bochum tut sich schwer mit der Beziehung nach München. In der Ostkurve ist die Freundschaft akzeptiert, aber bei weitem nicht von allen gewünscht." Möglicherweise hat es auch damit zu tun, dass die Bayern sportlich den Bochumern nur selten eine Chance gelassen haben. Von 74 Spielen haben die Westdeutschen nur neun gewonnen – davon eines im ersten Aufeinandertreffen im DFB-Pokal: Mai 1968, Halbfinale, 2:1.

Quellen: einsachtvieracht, Schwatzgelb.de, Sky.de, DPA, Herthabsc.de, "Spiegel", Sport1, "WAZ"

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