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Vierter Spieltag in der Bundesliga: Der HSV steht zu Oenning

Ein verrückter vierter Spieltag: Bayern-Gomez stürmt den Betzenberg, in Leverkusen kochen die Emotionen hoch: Rot für Kadlec, Rot für Jungstar Götze. Und der HSV? Ist nach dem 3:4 gegen Köln Tabellenletzter. Die Trainerfrage wird vorerst nicht gestellt.

Die Fußball-Gemüter gerieten besonders in Wallung, der vierte Bundesliga-Spieltag lieferte Unmengen Gesprächsstoff. In Leverkusen kochten die Emotionen extrem hoch: Rot für Bayer-Verteidiger Michal Kadlec, Rot für Dortmunds um sich spuckenden Jungstar Mario Götze beim dramatischen 0:0 zwischen den Top-Vereinen der vergangenen Spielzeit. Und der erklärte Titelfavorit Bayern München kommt mächtig auf Touren: 3:0 dank dreier Tore von Mario Gomez auf dem Betzenberg - da gibt es kein Vertun: Der Rekordmeister hat Lust auf Großes.

HSV: Hilf- und Ideenlos

Beim Hamburger SV gibt es arge Zweifel an der Erstligatauglichkeit: Nach dem 3:4 gegen Köln sind die noch nie Abgestiegenen erstmals seit viereinhalb Jahren Letzter. "Es sah alles sehr hilflos und ideenlos aus", schrieb "Bild am Sonntag"-Kolumnist Günter Netzer, sieht die Lage bei seinem früheren Arbeitgeber aber "noch nicht dramatisch". HSV-Coach Michael Oenning war dennoch am Boden zerstört: "Das war ein extremer Nackenschlag."

Äußerlich bewahrt der HSV Ruhe, Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow will nicht Oenning, sondern die Mannschaft an den Pranger stellen. Die Trainerfrage stelle sich "im Moment" nicht, hieß es. Bis sechs Minuten vor dem Ende führte Hamburg 3:2, dann machten die Kölner "Joker" Christian Clemens und Kevin McKenna gegen eine völlig sorglose Abwehr das Debakel und den ersten Sieg des 1. FC unter Chefcoach Stale Solbakken, der zuvor wütend mit der Faust gegen das Dach der Bank geschlagen und sich dabei verletzt hatte, perfekt. "Die Mannschaft hat richtig Moral gezeigt", befand FC-Neuzugang Sascha Riether.

Überkochende Emotionen in Leverkusen

In Kaiserslautern erlebten fast 50.000 einen tollen Dreifach-Gomez, in Leverkusen standen Götze und Schiedsrichter Wolfgang Stark im Mittelpunkt. Dessen Platzverweise gegen Kadlec und den Dortmunder Jungstar erregten die Gemüter. BVB-Coach Jürgen Klopp schwor Stein und Bein: "Ich weiß, dass es keine Tätlichkeit von Mario war." Der Referee bewertete die Götze-Attacke an Hanno Balitsch anders: "Götze tritt nach, trifft ihn zwar nicht, aber spuckt in Richtung Gegenspieler." Klare Sache: Rot! Dass es zuvor den Dortmunder Mats Hummels nicht mit Gelb-Rot erwischte, nahm Stark auf seine Kappe: "Ein Fehler."

Das torlose Remis war eines der wirklich guten, weil beide Teams mit offenem Visier und taktischen Finessen um die drei Punkte rangen. Hätten nicht Bayers Schwaben-Talent Bernd Leno (Trainer Robin Dutt: "Ich weiß nicht, wo er die Ruhe hernimmt") und dessen Gegenüber Roman Weidenfeller in Weltklassemanier eine erkleckliche Anzahl von Hundertprozentigen entschärft - ein 2:2 oder 3:3 wäre sicherlich die Folge in einer hochdramatischen Auseinandersetzung gewesen.

Die Wege der Aufsteiger trennen sich langsam. Neuling FC Augsburg driftet nach dem 0:1 im fränkisch-schwäbischen Derby beim 1. FC Nürnberg Richtung Abstiegsplätze, Hertha BSC feierte dank Raffael ein spätes 1:0 gegen den VfB Stuttgart. Augsburg und Felix Magaths VfL Wolfsburg sind als 16. und 15. Nachbarn - die große Magath-Shopping-Tour endete vorläufig mit einem 0:3 beim SC Freiburg, dessen neuer Trainer Marcus Sorg endlich der Erstliga-Premierenerfolg beschieden war. "Leider ist jetzt die Entwicklung eingetreten, die ich befürchtet habe. Wir haben kein Selbstvertrauen und spielen ohne Mut nach vorne", kommentierte Großeinkäufer Magath die Pleite - Beginn einer Krise?

Die hatte Werder Bremen in der zurückliegenden Spielzeit. Jetzt liegen Thomas Schaaf und die Seinen gleichauf mit den Bayern - wie eh und je. Das 2:1 bei 1899 Hoffenheim sicherten Marko Arnautovic und der an der Weser eigentlich schon abgeschriebene Markus Rosenberg, der schon seinen dritten Treffer der 49. Bundesligaspielzeit erzielte. Unschöne Begleiterscheinung: Im Werder-Fanblock kam es zu Ausschreitungen mit 30 Leichtverletzten.

Dietmar Fuchs, DPA / DPA

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