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Offener Brief "Sprichst von Rassismus, aber feierst einen Faschisten" – Deutsch-Syrer rechnet mit Özil ab

Screenshot des offenen Facebook-Briefes
In seinem offenen Brief kritisiert Deutsch-Syrer Manaf A. Hassan den Fußballer Mesut Özil
© facebook.com/fanam.nassah
In einem offenen Brief, den er auf Facebook veröffentlicht hat, rechnet Manaf A. Hassan mit Ex-Fußballnationalspieler Mesut Özil ab. Er spricht auch von eigenen Erfahrungen und wettert gegen Erdogan.

Der Rücktritt Mesut Özils aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft schlägt weiter hohe Wellen. Özils Entscheidung und seine im Internet veröffentlichte Erklärung haben eine neue Debatte über Integration und Rassismus in Deutschland ausgelöst. Zahlreiche Prominente wie Uli Hoeneß, Satiriker Serdar Somuncu, Profiboxer Ünsal Arik oder Sophia Thomalla haben sich in die Diskussion eingemischt. Doch nicht nur in Promi-Kreisen und Expertenrunden wird über das Thema diskutiert. Auch auf Facebook, Twitter und Co. sorgt Özils Entscheidung für viel Gesprächsstoff. 

Deutscher mit syrischem Migrationshintergrund veröffentlicht offenen Brief

Nun geht der offene Brief eines Mannes, der selbst behauptet, Deutscher mit syrischem Migrationshintergrund zu sein, auf Facebook viral. Manaf A. Hassan, der 28 Jahre alt und Jurist sein soll und sich auch schon in der "Berliner Zeitung" zur Causa Özil geäußert hat, ist der Verfasser des Briefs. Den Text, in dem er den Arsenal-Spieler Özil heftig kritisiert, hat er auf seiner privaten Facebookseite veröffentlicht. Der Post wurde seit der Veröffentlichung am Abend des 22. Juli über tausend Mal geteilt.

"Du hast Deutschland als Plattform genutzt, um dich zu etablieren"

Der Verfasser richtet sich zu Beginn direkt an den Profi-Fußballer und schreibt: "Was du gerade veranstaltest, ist sehr bedauerlich. Du lenkst einfach nur von deinen falschen Handlungen, unter anderem denen mit Erdogan, ab. Mit der Opferrolle und Rassismus-Anschuldigungen. (...) Einsicht: Fehlanzeige."Dann kommt der Facebook-User auf Özils Verhältnis zu Deutschland zu sprechen. In Özils Statements lese man "nur Türkei hier, Türkei da", aber dass er genauso stolz sei, Deutscher zu sein, könne Manaf A. Hassan nicht herauslesen. Er wirft dem Fußballer vor, Deutschland als Plattform für sich genutzt zu haben, um sich zu etablieren. Dafür sei Deutschland noch gut genug gewesen, ansonsten poche er darauf, Türke zu sein.

"Dieses Foto mit Erdogan war für dein Ego und deine Interessen"

Der Verfasser des offenen Briefs macht anschließend keinen Hehl daraus, was er von dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen Treffen mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan hält. Über Erdogan sagt er: "Ein Mann, der Anwälte, Ärzte, Politiker, Journalisten und andere Menschen einsperrte, weil sie seine Politik ablehnen. Menschen, die Jahre studiert und hart gearbeitet haben (was du auf dieser Art und Weise gar nicht kennst) und ihre Freiheit wegen eines Despoten aufgeben mussten.(...) Das ist eine Ohrfeige für dein unterdrücktes Volk. Du hast bei allem nur an dich gedacht. Das ist die Wahrheit." Und er verlangt Dankbarkeit von Özil. Der Ex-Nationalspieler solle dankbar dafür sein, dass Lehrer, Trainer und Akademien ihn ausgebildet und da hingebracht hätten, wo er jetzt ist. In der Türkei, so ist sich der Deutsche mit syrischem Hintergrund sicher, wäre seine Karriere niemals so erfolgreich gewesen. 

Und dann wird Hassan nochmal persönlich. "Mich persönlich - als Deutschen mit syrischem Migrationshintergrund - hast du enttäuscht. Weil ich niemals so auftreten würde wie du. Dafür bin ich diesem Land zu dankbar für das, was es mir ermöglicht und gegeben hat", schreibt er weiter. Er trage im Gegensatz zu Özil wirklich zwei Länder in seinem Herzen. Nur sei das Land seiner Eltern gerade von Erdogan zerstört worden. Erdogan habe Syrien mit Terroristen infiltriert. An Özil gerichtet schreibt er drastisch: "Sprichst von Rassismus, aber feierst einen Faschisten." Da Özil kein Politiker sei, solle er sich von Despoten fernhalten. Er solle nicht "auf unschuldig machen" und stattdessen seine Vorbildfunktion wahrnehmen. Die Enttäuschung des Verfassers mündet in dem direkten Appell: "Bitte spiel nie wieder für Deutschland. Du verdienst es nicht. Und das Land und die Öffentlichkeit haben einen intriganten, undankbaren Menschen wie dich auch nicht verdient." 

Kritik an Medien,  DFB sollte sich von Grindel trennen

Im letzten Absatz räumt Hassan dann noch ein, dass die Medien und der DFB "keine gute Figur abgegeben haben" und Özil teilweise zu Unrecht kritisieren. Ebenso pflichtet er dem Fußballer bei, dass viele nur darauf gewartet hätten, ihn wegen seiner Herkunft anzugreifen. Er selbst kriege das wegen seines Migrationshintergrundes häufig zu spüren. Grindel und "einige andere" sollten den DFB verlassen und "endlich reinen Tisch" machen. Und auch einen Seitenhieb auf die deutsche Politik hat er noch: "Auch die deutsche Politik hat sich viel zu spät von Erdogan dem Despoten als Partner getrennt und erwartet dann schlagartig Dinge von der deutschen Gesellschaft, die Monate zuvor nicht absehbar waren." Aber das, so Hassan, sei nochmal "eine ganz andere Sache". Heute hat der Deutsch-Syrer auf den Erfolg seines Facebook-Posts reagiert und seine Sichtweise nochmals erklärt."Ich bin überwältigt von den vielen positiven Nachrichten und Resonanzen und freue mich sehr, dass viele ihre Meinung in meinem Beitrag wiederfinden", schreibt Hassan.

Der offene Brief wurde auch in vielen Kommentaren auf der Facebookseite des stern  erwähnt – teilweise in voller Länge gepostet. Viele User pflichten dem Deutsch-Syrer bei und loben ihn für seine offenen Worte. Er scheint vielen Facebook-Usern aus der Seele zu sprechen.

Offener Brief: "Sprichst von Rassismus, aber feierst einen Faschisten" – Deutsch-Syrer rechnet mit Özil ab
hh

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