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Vorrunde Champions League: Dortmund gastiert in griechischer Hölle

Schwierige Aufgabe für Borussia Dortmund: In der Champions-League-Partie gegen Olympiakos Piräus ist die Elf von Jürgen Klopp heute Abend zum Siegen verdammt. Doch das vom Generalstreik erzeugte Chaos und die aufgeheizte Atmosphäre drohen das Sportliche zu überlagern.

Von Carsten Heidböhmer

Es ist erst der dritte Spieltag in der Champions-League-Vorrunde, und schon steht Borussia Dortmund mit dem Rücken zur Wand. Im Hexenkessel von Piräus muss der deutsche Meister nach den enttäuschenden Resultaten der ersten beiden Partien gewinnen, will er seine Chancen auf ein Weiterkommen in der Königsklasse wahren.

Die sportlichen Voraussetzungen dafür sind gar nicht schlecht: Nach drei Ligasiegen in Folge scheinen die Westfalen langsam zur Meisterform zurückgefunden zu haben. Auch personell stehen die Borussen gut da. Zwar mussten die Verletzten Lucas Barrios und Patrick Owomoyela daheim bleiben, dafür sind Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer wohl wieder fit. Gegner Olympiakos Piräus muss dagegen auf seinen Schlüsselspieler David Fuster verzichten und hat zudem die Generalprobe beim 1:1 gegen AEK Athen verpatzt.

Die TV-Übertragung ist gefährdet

Während die sportlichen Vorzeichen aus Dortmunder Sicht erfreulich sind, bereiten die Rahmenbedingungen beiden Mannschaften große Probleme. Ein Generalstreik soll Griechenland am Mittwoch und Donnerstag komplett lahm legen. In Athen und Piräus herrschen chaotische Zustände. Stadionsprecher Norbert Dickel twitterte am Mittag aus der griechischen Hauptstadt: "Straßensperren und es werden mehr und mehr." Die TV-Übertragung des Spiels ist gefährdet. Ob die Borussia am Donnerstag die Heimreise antreten kann, ist ebenfalls noch unklar. Sicherheitshalber hat der Club für Donnerstag einen Trainingsplatz in Athen gemietet, damit sich die Mannschaft auf jeden Fall auf das Bundesligaspiel gegen Köln am Samstag vorbereiten kann.

Von dem Chaos betroffen sind auch die Fans: Viele können aufgrund des Streiks nicht mehr rechtzeitig zum Anpfiff anreisen. Andere, die bereits im Land sind, werden nicht vor dem Wochenende zurückfliegen können - und verpassen damit wohl das nächste Heimspiel ihrer Mannschaft. Noch kann niemand sagen, wie viele von den 1400 BVB-Fans, die eine Karte haben, heute Abend tatsächlich im Karaiskaki Stadion sein werden. Der Dortmunder Fan-Beauftrage Jens Volke sagt im Interview mit elffreunde.de: "Vielleicht sind wir 1000, vielleicht stehen wir auch nur mit 60 Mann da."

Noch mehr als die Reisewirren setzt den Fans die aufgeheizte Stimmung im Land zu: Einige griechische Zeitungen haben die Partie zu einem Hass-Spiel hochgeschrieben. Die Sport-Zeitung "Gravos" hat am Montag auf dem Titelbild Bundeskanzlerin Angela Merkel in Nazi-Uniform gezeigt und direkt daneben Jürgen Klopp abgebildet. Im Text heißt es: "Borussia Dortmund wie Merkel! Wir müssen am Mittwoch die Deutschen schlagen, damit Griechenland lächeln kann und das vierte ökonomische Reich gedemütigt wird."

"Hier herrscht derzeit so etwas wie Anarchie"

Diese martialischen Worte, die man sonst eher von der britischen Boulevardpresse kennt, sind nicht ohne Wirkung geblieben: Die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt, die deutsche Botschaft hat neben dem Polizei-Schutz fürs Team auch Eskorten für Fans und Journalisten organisiert. Die örtliche Polizei hat Warnungen an die deutschen Fans ausgesprochen. "Man sollte abends nicht alleine auf die Straßen gehen und vor dem Spiel bloß keine Fanutensilien tragen", sagt Fanbeauftrager Volke. "Hier herrscht derzeit so etwas wie Anarchie und gerade unter Fußballfans soll es hier besonders heiß hergehen."

Trainer Jürgen Klopp versuchte vorab, die Situation etwas zu entschärften und äußerte sich besonnen: "Ich glaube, die Griechen sind gerade nicht so wahnsinnig glücklich über die deutsche Bevölkerung", versuchte er in der "Bild"-Zeitung die Gemüter zu beruhigen. Kurz nach der Landung in Athen ergänzte er: "Wir sollten uns alle ein bisschen beruhigen. Wir sind hier, um Fußball zu spielen - mehr nicht." Bleibt zu hoffen, dass das die Fans beider Mannschaften auch so sehen.

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