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Was meinen Strunz?: Die Nervosität beim FC Bayern steigt

Der übermächtig erscheinende FC Bayern hat das erste Mal in dieser Saison verloren. Der Rest der Liga jubelt, die Meisterschaft ist wieder spannnend. Der VfB Stuttgart hat vorgemacht, mit welchen Mitteln die Superstar-Truppe zu bezwingen ist - und den Nimbus der Unbesiegbarkeit zerstört, sagt stern.de-Experte Thomas Strunz.

Fangen wir einmal an der Spitze der Liga an.

Dass der FC Bayern München in dieser Saison wieder um den Titel mitspielt, ist keine Überraschung, schließlich wurde in neue Spieler investiert wie noch niemals in der Vereinsgeschichte zuvor. Dass sie in den letzten Wochen allerdings einen komfortablen Vorsprung auf die Verfolger leichtfertig mit nur zwei Punkten und einem Tor aus drei Spielen verspielt haben, ist dann sicherlich doch eine.

Das Team von Ottmar Hitzfeld ist noch lange nicht so stark, wie es nach Spielen gegen Rostock oder Hannover gemacht wurde. Von der stärksten Bayern-Mannschaft aller Zeiten war zu lesen, die Unschlagbaren, die die ganze Saison kein Spiel verlieren würden usw... Schon vor einigen Wochen habe ich darauf hingewiesen, dass es für Bayern München (wieder) eine Selbstverständlichkeit sein muss, die Liga zu dominieren und Spiele gegen die eben genannten, ohne diese abqualifizieren zu wollen, mitunter auch deutlich zu gewinnen. Bislang haben die Bayern mich noch nicht wirklich überzeugen können.

Die Gegner haben zuviel Respekt vor den Bayern

In Spielen, in denen der Gegner aggressiv und kampfstark agiert hat, wie beim glücklichen 1:1 gegen den Hamburger SV oder beim 1:1 zuhause gegen den FC Schalke 04, konnte man deutlich die Schwierigkeiten und Probleme erkennen, die dieses Team noch hat. Dass sie bis gestern ungeschlagen blieben, haben sie zum einen natürlich der individuellen Klasse ihrer Superstars und zum anderen dem großen Respekt der Gegner zu verdanken.

Am Samstag beim VfB Stuttgart kamen die Bayern in den ersten 45 Minuten so unter die Räder, weil die Schwaben alles in die Waagschale legten, was man einbringen muss, um den Rekordmeister zu schlagen: Einsatzbereitschaft, Zweikampfstärke, Aggressivität, Siegeswillen, eine gewisse Respektlosigkeit und totale Überzeugung, den Sieg schaffen zu können.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wir immer genau dann Probleme hatten, wenn Mannschaften so gegen uns gespielt hatten. In München stehen erstmals in dieser Saison turbulente Zeiten an, denn die Nervosität, die sich im Umfeld an der Säbener Straße breit macht, ist nicht zu übersehen... Es ist nun an der Zeit mindestens einen Gang zuzulegen. Der Meister aus Schwaben hat der Liga gezeigt, wie man die Über-Bayern auf Normalmaß zurechtstutzen kann. Sie haben den Nimbus der Unbesiegbarkeit zerstört. Sich allein auf KLONI ( Miro KLOse und Luca ToNI ) zu verlassen wird auf Dauer zuwenig sein. Ich bin sehr gespannt, wie es an der Isar weiter geht und wie die Mannschaft sich entwickelt.

HSV ist erster Bayern-Jäger

Der Hamburger SV hat sich nach einer bislang starken Saison völlig verdient an der dritten Position festgesetzt und ist erster Aspirant auf die Bezeichnung "Bayern-Jäger". Auch wenn Huub Stevens immer wieder betont, dass die Tabelle noch nichts aussagt, so bin ich sicher, dass auch der erfahrene Holländer nach oben auf Platz eins schielt. Dass sie nun 14 Tage lediglich einen Punkt hinter den Bayern liegen, ist ein psychologischer Vorteil, denn die Rolle des Jägers passt gut zum HSV. Ich freue mich auch deshalb für die Hamburger, weil die konsequente Arbeit und mittelfristige Planung der Verantwortlichen um Bernd Hofmann und Didi Beiersdorfer endlich Früchte trägt und sie die schwere Krise der vergangenen Saison erfolgreich gemeistert haben.

Ebenso wie Werder Bremen, die nach schwierigem Start national auf Touren gekommen sind. Dass sie allerdings bis auf einen Punkt an die Bayern heranrücken konnten, liegt an der aktuellen Schwächephase der Münchner und daran, dass der beste Spieler der Liga in den Reihen von Werder steht: Diego. Ohne ihn wird Bremen dieses Niveau nicht halten können. Für alle deutschen Fußballfans hoffe ich, dass er gesund und fit bleibt, denn es ist ein Genuss, diesem Spieler zuzusehen.

Die Spannung in der Liga ist kein Qualitätsmerkmal

Ab Platz vier beginnt das breite Mittelfeld, welches bis zu Platz 15 mit Hansa Rostock reicht. Das ist für die Zuschauer und Fans spannend, ein Qualitätsmerkmal ist es allerdings nicht. In keiner der europäischen Topligen ist der Abstand von Platz 4 zu 15 mit nur 9 Punkten so gering. Das Tabellenende zieren mit Cottbus und Duisburg zwei Team, die dort erwartet wurden. Der 1. FC Nürnberg wurde in dieser Tabellenregion nicht erwartet. Es ist der Absturz schlechthin in dieser Spielzeit. Aber noch hat der Pokalsieger Zeit, den mittlerweile auf fünf Punkte angewachsenen Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz zu überwinden. Einer großen Trainer-Persönlichkeit wie Hans Meyer wird das gelingen.

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