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Was meinen Strunz?: Nie mehr Prinz Poldi

Er war der gefeierte Mann nach dem 4:0 über Zypern: Lukas Podolski. Warum eigentlich, fragt sich stern.de-Experte Thomas Strunz. Der Europameister von 1996 fordert viel mehr von Podolski. Die eigentliche Herausforderung, meint Strunz, liegt für ihn beim FC Bayern München.

Ich war Samstagabend sehr gespannt, wie die deutsche Nationalmannschaft ihre letzte Pleite gegen die ebenfalls für die EM 2008 qualifizierten Tschechen verkraftet hat. Man merkte von der ersten Sekunde an, dass alle bis in die Haarspitzen motiviert waren, dieses letzte Spiel vergessen zu machen. Auch ohne das komplette WM-Mittelfeld - Frings, Ballack, Schneider und Schweinsteiger fehlten verletzt - wurde sofort mutig und entschlossen nach vorne gespielt. Die international maximal zweitklassigen Zyprioten waren also der ideale Aufbaugegner für unser Team. Die schnelle Führung tat dann ihr Übriges dazu: Die Sicherheit kehrte zurück, das Team absolvierte ein ordentliches Spiel.

Bei der Einordnung der Leistung, insbesondere aber auch der einzelnen Spieler, sollten wir aber jetzt nicht den Fehler machen und die rosarote Brille aufsetzen. Zypern darf bei allem Respekt kein Maßstab für unsere Spieler sein. Positiv war sicherlich, dass wir mittlerweile sehr flexibel auf Ausfälle reagieren können und in solchen Partien auch Spieler wie Ballack, Frings oder Schneider ersetzen können. Sowohl Fritz, Trochowski und Hitzlsperger haben ihre Sache gut gemacht. Und mit Borowski und auch Rolfes haben wir noch genügend gute Mittelfeldspieler in der Hinterhand. Ebenso natürlich in dieser Partie Lukas Podolski auf der für ihn ungewohnten Position des linken offensiven und mit allen Freiheiten ausgestatteten Mittelfeldspielers. Doch insbesondere für ihn gilt, dass er sich noch sehr deutlich steigern muss. Warum fragen Sie sich? Er war doch an allen Toren beteiligt! Natürlich war er das, ABER gegen wen? Gegen welche Gegenspieler?

Podolski jetzt als Kerl gefragt

Die internationale Spitze der National-Teams ist vergleichbar mit dem Kader des FC Bayern München. Er muss sich gegen internationale Top-Teams beweisen und in seinem Klub gegen Klose und Toni, auch wenn dies nicht einfach wird, dauerhaft durchsetzen, wenn er weiter kommen will. Er muss kritisch mit seinem Spiel und seiner Spielweise umgehen und aus meiner Sicht auch nach außen viel mehr den Willen zeigen, dass er sich durchsetzen will. Da fehlt mir in seiner Ausstrahlung noch einiges. Wie gesagt, Zypern darf für ihn kein Maßstab sein. Die eigentliche Herausforderung liegt für ihn beim FC Bayern München. Ich hatte es vor einigen Wochen schon einmal geschrieben. Prinz Poldi sollte Vergangenheit sein, der Kerl" Lukas Podolski ist nun auf dem Weg zur internationalen Klasse gefragt.

Seit Samstagabend können wir nun auch fleißig spekulieren, gegen wen wir denn nun bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz antreten müssen. Auch wenn sich einige der europäischen Top-Teams in ihren Qualifikations-Gruppen schwer getan haben, am Ende sind sie doch wieder alle dabei. Zu nennen wären hier in erster Linie Fußball-Nationen wie Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande. Die haben sich zum Teil wirklich durch die Qualifikation gequält. Selbst England, das ja vor diesem Spieltag praktisch weg vom Fenster war, hat es nach der Niederlage Russlands in Israel jetzt wieder selbst in der Hand, auf den EM-Zug in letzter Sekunde aufzuspringen.

Kein Spaziergang für das DFB-Team

Da ich selbst an Welt- und Europameisterschaften teilgenommen habe, kann ich sagen, dass die Euro 2008 viel schwieriger wird, als die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Warum? Bei der Euro gibt es einfach keine leichten Gegner in der Vorrunde. Wir werden kein Spiel wie 2006 gegen Costa Rica oder 2002 gegen Saudi Arabien bestreiten. In der Vorrunde einer Europameisterschaft warten bereits Teams wie Italien, Niederlande und auch Spanien auf uns. Vielleicht geht es auch direkt gegen Frankreich, England oder Kroatien. Das wird kein Spaziergang für unsere Mannschaft. Das muss jedem klar sein. Dennoch sehe ich die deutsche Nationalmannschaft gut aufgestellt, um bei der Titelvergabe mitreden zu können. Die meisten Plätze des Kaders sind ja bereits vergeben. Doch damit beschäftige ich mich nach dem letzten Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen Wales. Dann stelle ich Ihnen meine persönliche EM-Elf vor.

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