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Wettskandal: Gedächtnislücken beim DFB

Der DFB gerät immer stärker in Erklärungsnot. Wettanbieter Oddset will den Verband bereits frühzeitig über auffälliges Wettverhalten informiert haben. In Frankfurt dagegen gibt man sich ahnungslos.

Die Manipulations-Affäre im deutschen Fußball zieht immer weitere Kreise: Die "Bild"-Zeitung berichtete am Montag vorab, Schiedsrichter Robert Hoyzer habe bei der Staatsanwaltschaft drei Kollegen, neun Spieler der Klubs Paderborn, Cottbus, Dresden und Chemnitz sowie einen Funktionär aus Dresden belastet. Der Präsident des Regionalligisten SC Paderborn, Wilfried Finke, räumte ein, dass ein Spieler seiner Mannschaft vor dem umstrittenen Pokalspiel gegen den Hamburger SV 10.000 Euro erhalten habe. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen den Hamburger SV.

Die "Berliner Morgenpost" (Dienstagausgabe) berichtete von einer Ausweitung der Ermittlungen auf mehrere Bundesländer. Neben Berlin wird nach dem Bericht nun auch in Nordrhein-Westfalen (Essen, Duisburg, Oberhausen, Paderborn), Sachsen, (Dresden, Chemnitz) sowie im Rhein-Main-Gebiet gegen mehr als ein Dutzend Spieler und Schiedsrichter ermittelt. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, lehnte eine Stellungnahme ab.

DFB hat keine Akteneinsicht erhalten

< Auch der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte sich nicht zur etwaigen Ausweitung der Ermittlungen äußern, da man bislang keine Akteneinsicht von der Staatsanwaltschaft erhalten habe. Der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, betonte, bislang gebe es allerdings keinerlei Anhaltspunkte, dass ein Erstliga-Spiel verpfiffen worden sei.

Verbandsintern gibt es derzeit zehn anhängige Verfahren beim DFB-Sportgericht, wie der Gerichtsvorsitzende Rainer Koch sagte. Es handele sich dabei um ein sportstrafrechtliches Verfahren gegen den Schiedsrichter Robert Hoyzer. Die anderen neun Verfahren seien Einsprüche gegen Spiele - vier Begegnungen der Zweiten Bundesliga, drei DFB-Pokalspiele sowie zwei Regionalligaspiele. Koch betonte, dass das Sportgericht maßgeblich auf Informationen der Staatsanwaltschaft angewiesen sei.

Paderborns Kapitän freigestellt

Am Montagmorgen hatte der Paderborner Vereinspräsident Finke die Geldübergabe vor dem Pokalspiel an den Kapitän seiner Mannschaft bestätigt. Allerdings hätten die anderen Spieler davon erst nach dem Spiel erfahren. Zunächst würden keine Schritte gegen die Spieler eingeleitet, der Kapitän Thijs Waterink sei bis auf weiteres freigestellt.

Schwere Vorwürfe erhob Finke gegen die Spieler des Hamburger SV. Es sei erkennbar gewesen, dass die Hamburger Mannschaft in Paderborn nicht ihre bestmögliche Leistung gezeigt habe. Auch rein passives Verhalten könne manipulativen Charakter haben. HSV-Präsident Bernd Hoffmann bezeichnete die Aussage Finkes als "völlig haltlose, pauschale Verdächtigungen".

Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen, der laut dem Bericht der "Bild" von Hoyzer belastet wurde, wies in einer eidesstattlichen Erklärung jegliche Verbindung mit Spielmanipulationen zurück. Die Vereine Chemnitz und Dresden baten DFB und Staatsanwaltschaft um weitere Informationen. Bislang habe man keine Informationen über etwaige Manipulationen.

Sonderkommission einberufen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzte zur Aufklärung des Wettskandals eine Sonderkommission ein. Das sechsköpfige Gremium "Wett- und Spielmanipulationen", das sich am Montagmorgen zur ersten Sitzung traf, besteht aus hauptamtlichen DFB- und DFL-Mitarbeitern. Aufgabe sei es auf Grund der aktuellen Entwicklung nach dem Geständnis von Schiedsrichter Robert Hoyzer, die zahlreichen Anfragen aus allen Bereichen zu koordinieren und die Arbeit des DFB-Kontrollausschusses zu unterstützen, teilte der Verband mit.

Die im Zusammenhang mit dem Wettskandal ebenfalls genannten Clubs Chemnitzer FC und Dynamo Dresden beteuerten ihre Unschuld. Der Regionalligist Chemnitz forderte von der Staatsanwaltschaft Berlin und dem DFB nähere Informationen. "Derzeit liegen dem Vorstand keine Erkenntnisse vor, welche den Vorwurf rechtfertigen könnten, Spieler des Chemnitzer FC seien an Manipulationen des Ausgangs eines Spiels beteiligt gewesen", teilte das CFC-Präsidium mit.

"Es ist ein Phänomen, wie drei Zeilen in einer Zeitung einen ganzen Volksstamm verrückt machen", sagte Dynamo Dresdens Geschäftsführer Volkmar Köster. Er könne sich nicht erklären, wie der Verein mit dem Skandal in Zusammenhang gebracht werden könne. "Es gibt keine Namen, keine Adressen, keine konkreten Vorwürfe. Solange das nicht vorliegt, werden wir uns nicht beunruhigen", so Köster. Nach dem Vorbild von Hertha BSC sollen die Spieler Eidesstattliche Erklärungen unterschreiben.

Der von Hoyzer offenbar im Zusammenhang mit dem Wettskandal genannte Erstliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) bestritt ebenfalls in einer Eidesstattlichen Erklärung jede Beteiligung an Manipulationen und jegliche Kontakte zur so genannten Wettmafia.

AP / AP

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