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Gruppe A: Deutschlands Gegner im Kurzporträt

Das sollte doch zu machen sein. Das DFB-Team trifft in der Gruppenphase der WM 2006 auf Costa Rica, Polen und Ecuador. Die Kontrahenten im Überblick...

Costa Rica

Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird wohl erst einmal seinen Chefscout Urs Siegenthaler auf Costa Rica ansetzen. Die Mittelamerikaner nehmen zwar zum dritten Mal an einer WM-Endrunde teil, aber für die deutschen Fußballer sind die "Ticos" Neuland. Das Aufeinandertreffen in der Vorrunde ist das erste Länderspiel der beiden Nationen. 1990 kam Costa Rica beim WM-Debüt in Italien überraschend ins Achtelfinale. Vor vier Jahren in Japan und Südkorea war dagegen bereits nach der Vorrunde das Turnier vorbei.

Schottische und Schweizer Fans dürften noch heute mit Schrecken an die Explosivität eines Hernàn Medford und die Paraden eines Luis Gabelo Conejo 1990 in Italien denken. Diese beiden Volkshelden Costa Ricas sorgten dafür, dass das kleine mittelamerikanische Land ins Achtelfinale des Turniers vorstieß und dabei die wesentlich stärker eingeschätzten europäischen Rivalen hinter sich ließ. In Asien gelang 2002 dieses Husarenstück nicht noch einmal, obwohl die Costa Ricaner auch dort spektakulären Fußball spielten. Man unterlag nur dem späteren Weltmeister Brasilien und verpasste wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber der Türkei das Weiterkommen ins Achtelfinale.

Schon 2002 war Alexandre Guimaraes der Trainer. Trotz der mühsamen Qualifikation sollte man Costa Rica im WM-Turnier 2006 keinesfalls außer Acht lassen. Die "Ticos" verfügen über eine Mannschaft, die sich durchaus mit der früherer Turniere vergleichen lässt und ebenso gewillt ist, in Deutschland für eine Überraschung zu sorgen.

In der Defensive ragt Abwehrchef Gilberto Martínez heraus. Hinzu kommt im Mittelfeld die Kampfkraft eines Walter Centeno. Besondere Hoffnungen ruhen jedoch auf der Torgefährlichkeit des großen Stars der Mannschaft, Paulo Wanchope. Für den 29-Jährigen in Katar spielenden Angreifer wird es die letzte Weltmeisterschaft sein. Er wird entschlossen sein, mit ähnlich starken Leistungen wie die Spieler von 1990 in Italien seinen Abschied zu nehmen. Deutsche Bilanz: Noch kein Spiel.

Ecuador

Ecuador hat zum zweiten Mal hintereinander eine WM-Endrunde erreicht, aber gegen Deutschland kommt es zu einer Premiere. Als "dritte Kraft" hinter Argentinien und Brasilien setzte sich die Mannschaft aus dem Andenstaat in der Südamerika-Ausscheidung durch - schon allein das sollte Warnung genug für die deutschen Nationalspieler vor dem ersten Länderspiel gegen die "Tricolor" sein.

Die WM-Qualifikation war allerdings kein Selbstläufer für Ecuador. Nach sieben Spieltagen der Qualifikation und katastrophalen Leistungen bei der Copa America 2004 in Peru trat Nationaltrainer Hernàn Darío Gómez zurück. Es übernahm der Kolumbianer Luis Fernando Suàrez, der das Team souverän nach Deutschland führte. Das WM-Ticket war in erster Linie den herausragenden Leistungen in den Heimspielen zu verdanken. Im 2850 Meter hohen Quito wurden 23 der insgesamt 28 Punkte gewonnen.

Beim erhofften WM-Höhenflug kann Suàrez auf eine Mannschaft zurückgreifen, die sich durch Ausgeglichenheit auszeichnet. Neu dabei sind Spieler wie Christian Lara, Luis Valencia und Franklin Salas, denen eine große Zukunft im europäischen Fußball vorausgesagt wird. Dazu kommen die erfahrenen Ulises de La Cruz, Edison Méndez, Agustín Delgado sowie Rekord-Nationalspieler und Kapitän Ivan Hurtado, der in Ägypten bei Al Arabi Kairo sein Geld verdient.

2002 hatte man dem WM-Neuling eine kurze und enttäuschende Reise in den Fernen Osten vorhergesagt. Das Team schied in der Tat nach der Vorrunde aus, aber nicht sang- und klanglos. Nach zwei Niederlagen gegen den dreimaligen Weltmeister Italien (0:2) und Mexiko (1:2) bewies Ecuador im letzten Gruppenspiel Moral und feierte dank eines Treffers von Edison Méndez einen 1:0-Sieg gegen Kroatien. Dem ersten Erfolgserlebnis bei einer Weltmeisterschaft sollen in Deutschland weitere folgen. Deutsche Bilanz: Noch kein Spiel

Polen

32 Jahre nach der legendären "Wasserschlacht von Frankfurt" kommt es zu einem erneuten WM-Duell zwischen Deutschland und Polen. Die Bilder des 3. Juli 1974, als die Elf von Bundestrainer Helmut Schön durch einen Treffer von "Bomber" Gerd Müller mühevoll mit 1:0 gewann und damit ins gewonnene Finale gegen die Niederlande einzog, sind unvergessen. Ein Wolkenbruch vor Spielbeginn hatte den Rasen im Waldstadion in eine Seenlandschaft verwandelt, ein Fußballspiel erschien unmöglich.

Das damalige Team um WM-Torschützenkönig Grzegorz Lato (7 Treffer) gilt in Polen bis heute als das beste Team, das das Land bisher hervorgebracht hat. Im Spiel um Platz drei besiegte es den entthronten Weltmeister Brasilien und sorgte damit für die beste polnische WM-Platzierung, die 1982 in Spanien noch einmal wiederholt werden konnte. Danach ging es aber bergab.

Das deutsche Nachbarland hat sich zum siebten Mal für eine WM- Endrunde qualifiziert. Als einer der beiden punktbesten Gruppenzweiten löste das Team von Auswahltrainer Pawel Janas auf direktem Weg das Ticket nach Deutschland. Von zehn Gruppenspielen gewannen die Polen acht. Nur zwei gingen verloren - jeweils gegen England. Ziel wird es sein, in Deutschland nicht wie 2002 in Japan und Südkorea schon in der Vorrunde auf der Strecke zu bleiben.

Polen schickt eine konkurrenzfähige Mannschaft nach Deutschland - mit einem starken Angriff und einer nicht immer sattelfesten Abwehr. Torhüter Jerzy Dudek von Champions-League-Sieger FC Liverpool ist der bekannteste Akteur. Aus der Bundesliga zählen Stürmer Ebi Smolarek von Borussia Dortmund und Mittelfeld-Akteur Jacek Krzynowek (Bayer Leverkusen) zu sicheren WM-Teilnehmern. Allerdings ist Trainer Janas bekannt für ungewöhnliche personelle Maßnahmen. So ignorierte er lange Zeit in der WM-Qualifikation Stürmer Tomasz Frankowski von Wisla Krakau, bis der nach seiner Berufung sieben Tore erzielte. Deutsche Bilanz: 10 Siege - 4 Remis - 0 Niederlagen; 26:7 Tore

dpa / DPA

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