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Italien im Halbfinale: "Wehe, es ist schon einer zufrieden"

Das Halbfinale gegen die Deutschen soll für die Italiener nur eine Etappe sein - auf dem Weg zur Weltmeisterschaft. Der Fußball-Skandal in Italien und der Selbmordversuch des Ex-Mitspielers Pessotto schweißen die Azzurri zusammen.

Ganz Italien ist sich mittlerweile sicher: Die Azzurri werden Fußballweltmeister. "Deutschland, wir werden Dich besiegen!", titelte der "Corriere dello Sport" am Samstag in großen Lettern auf der ersten Seite. Zunächst einmal feierten die Fans von Mailand bis Messina jedoch den Einzug ins Halbfinale. "Das hat es seit der WM in den USA 1994 nicht mehr gegeben", freute sich ein Kommentator der Zeitung "Corriere della Sera".

Italien ist bereit für den Halbfinal-Klassiker gegen Deutschland in Dortmund. Die Abwehr um den überragenden Kapitän Fabio Cannavaro ist "Weltklasse", lobte Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi. Spielmacher Francesco Totti bewies mit einer Hackentrick-Vorlage zum 1:0 durch Zambrotta und mit einer präzisen Flanke für Luca Tonis 2:0 in der 59. Minute, dass er nach seinem Wadenbeinbruch Mitte Februar auf dem Weg zu alter Klasse ist.

Zambrotta spielte brilliant

Mann des Tages bei den Italienern war aber Gianlucca Zambrotta. Im "Spiel seines Lebens" hat er die "Azzurri" ins Traum-Halbfinale gegen Deutschland und sich selbst in die Herzen der Italiener geschossen: Mit seinem frühen Tor zum 1:0 (6.), einer Rettungsaktion auf der Tor-Linie (58.) und der Vorlage zum 3:0 durch Luca Toni (69.) war der Verteidiger von Juventus Turin beim bisher stärksten Turnierauftritt des dreimaligen Weltmeisters der überragende Spieler.

"Dieser Sieg ist für Gianlucca Pessotto", sagte Italiens Held in der Stunde seines großen Triumphes in Gedanken an seinen mit dem Tode ringenden "großen Freund". Nach seinem Selbstmordversuch am Dienstag ist der 35 Jahre alte Ex-Nationalspieler Pessotto noch immer nicht außer Lebensgefahr.

"Ich hoffe, dies gibt ihm Kraft", sagte Zambrotta. Gemeinsam mit seinem Turiner Teamkollegen Fabio Cannavaro lief er nach dem Abpfiff mit einer Italien-Flagge über den Platz, auf "Pessottino, wir sind bei Dir" stand. Auch die Fans zeigten Spruchbänder mit der Aufschrift "Pessotto im Herzen".

Lippi widmet Sieg Pessotto

Auch Nationaltrainer Marcello Lippi widmete den Sieg, der ihn "glücklich, zufrieden und stolz" machte, "Pessotto und seiner Familie". Der achte Einzug der "Squadra Azzurra" unter die besten Vier bei einer WM war nach dem Fußball-Skandal um Juve, dem Drama um Pessotto und der Kritik am italienischen Mauerfußball ("Catenaccio") Balsam für die Seelen: "Jetzt genießen wird den Sieg und dann ist alles möglich", sagte Lippi vor dem fünften WM-Halbfinalduell gegen Deutschland. "Wehe, hier gibt sich jetzt schon einer zufrieden", warnte der 58-Jährige sein Team, das er noch längst nicht am Ziel sieht.

Und im Sturm freute sich der Coach vor allem über den Erfolg seiner Sturheit. Aller Kritik zum Trotz hielt Lippi an den zuletzt glücklosen Luca Toni fest, und der Florentiner dankte es ihm mit zwei Toren gegen die harmlosen Ukrainer. "Das waren die wichtigsten meines Lebens", meinte Toni. Pünktlich vor dem Duell mit der Klinsmann- Truppe sei beim 31-fachen Serie-A-Torschützen der Knoten geplatzt, freute sich Lippi.

"Jetzt kann Toni der Paolo Rossi 2006 werden", erinnerte der wiederum fehlerfreie Torwart Gianluigi Buffon an Italiens WM-Helden von 1982. "Auch Paolo Rossi ist damals erst im fünften WM-Spiel das erste Tor gelungen", zog Toni die Parallele zu Rossi als gutes Omen für das "sehr schwere Spiel gegen Deutschland". Beim WM-Finale 1982 schlug Italien die Deutschen mit 3:1. Den bislang letzten Titel für die "Azzurri" leitete Rossi mit dem Tor zum 1:0 ein.

AP,DPA / AP / DPA

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