HOME

Stern Logo WM 2006

WM-Altstars: Goodbye große Fußball-Welt

"ZZ Top" wird gehen und auch die bekannteste Glatze des Fußballs will nach der WM die internationale Kicker-Bühne verlassen: So wie Zidane und Barthez werden zahlreiche Spieler ihre Fußballschuhe an den Welt-Nagel hängen.

Jahrelang hat er die Kicker-Welt verzaubert, nun tritt er bald von der großen Fußball-Bühne ab. Frankreichs Altstar Zinedine Zidane steht stellvertretend für eine ganze Reihe von Klasse-Spielern, die nach dem Jahres-Höhepunkt der Weltmeisterschaft einen Schlussstrich unter ihre internationale Laufbahn ziehen oder - wie "Zizou" - ihre fantastische Karriere sogar ganz beenden. "Ich kann mir für einen der größten europäischen Fußballer aller Zeiten keinen besseren Abschluss vorstellen als eine WM", sagte Franz Beckenbauer über den Weltmeister von 1998 und Europa-Champion 2000.

Auch für die Schweden Henrik Larsson und Kapitän Olof Mellberg könnte das Achtelfinal-Duell mit Deutschland am Samstag in München schon den letzten Auftritt im Drei-Kronen-Team bedeuten. Auf jeden Fall wollen sie ihre internationale Karriere nach der Endrunde in Deutschland ebenso beenden wie Weltmeister Roberto Carlos, Schalkes serbischer Bundesliga-Profi Mladen Krstajic, der Niederländer Phillip Cocu oder das Tschechen-Trio Jan Koller/Pavel Nedved/Karel Poborsky und viele andere mehr. Das "letzte Hurra" für Frankreich kommt neben Claude Makelele auch für drei WM-Champions von 1998: Rekordspieler Liliam Thuram, Torwart-Glatzkopf Fabien Barthez - und eben Zidane.

Goodbye "ZZ Top"

Der zu Glanzzeiten auch "ZZ Top" genannte Regisseur hat schon vor Monaten angekündigt, nach 18 Profi-Jahren weder im Nationalteam noch bei Real Madrid weitermachen zu wollen. Er freut sich auf ein schönes Privatleben. "Ich will bei meiner Frau Veronique und den Kindern sein", erklärte der vierfache Familienvater. Zuvor hofft er aber noch auf einen würdigen Abschied. Ausgerechnet an seinem 34. Geburtstag muss er in der für die Achtelfinal-Qualifikation entscheidenden Partie am Freitag gegen Togo wegen einer Gelbsperre zusehen. Nur wenn die "Equipe Tricolore" weiterkommt, hat Zidane, den Raymond Domenech mit der Auswechslung im Südkorea-Spiel demütigte, noch die Chance auf seinen 105. Länderspiel-Einsatz - und den standesgemäßen Abgang. "Ich bin sicher, dass die WM für uns weitergeht", meinte er hoffnungsvoll.

Neben Leitfigur Cocu könnte im Oranje-Team die Zeit für Torhüter Edwin van der Sar (beide 35), Giovanni van Bronckhorst und André Ooijer (beide 31) abgelaufen sein. Auch Ruud van Nistelrooy denkt trotz seiner erst 29 Jahre darüber nach. Cocu will am liebsten mit WM-Titel abtreten. "Ich hoffe, dass ich mal als glücklicher Mensch auf meine Laufbahn zurückblicken kann, und das schließt diese WM mit ein. Ich bin nicht hier, um im Halbfinale auszuscheiden", meinte er.

"Wer sagt denn, dass das meine letzte WM ist?"

Die Tschechen Poborsky (34), Nedved und Koller (je 33) nehmen wohl Abschied vom Nationalteam. Nedved, der sich von Coach Karel Brückner für die WM zum Comeback überreden ließ, erwägt wegen des drohenden Zwangsabstiegs von Juventus Turin sogar, seine Stiefel an den Nagel zu hängen: "Das ist auch möglich." Während Spanien den jüngsten Kader der Verbandsgeschichte nach Deutschland schickte und nur Ersatzkeeper Santiago Canizares an Rückzug denkt, ist bei Nachbar Portugal Luis Figos Zukunft unklar. "Wir hoffen, dass er uns noch lange erhalten bleibt", sagte Mitspieler Jorge Andrade über den Kapitän und Star, der von seinem Rücktritt nach der EM 2004 zurückgetreten war und vom Verbleib von Erfolgscoach Luiz Felipe Scolari alles abhängig macht.

Während Roberto Carlos an das Ende seiner Zeit in der "Selecao" denkt, wäre dies für Kapitän Cafu allein altersbedingt angesagt. Doch der 36 Jahre alte Abwehrspieler, der sein viertes WM-Finale in Serie anpeilt, denkt offenbar noch nicht ans Aufhören. "Wer sagt denn, dass das meine letzte WM ist", fragte er halb im Spaß, halb im Ernst. Für den Rekord-Internationalen des früheren Jugoslawiens, Savo Milosevic, ist nach 101 Länderspielen und dem Scheitern Serbien-Montenegros in der WM-Vorrunde der Abpfiff gekommen: "Es ist eine Ehre für mich, dass ich mein Land so oft repräsentiert habe, aber meinen Entschluss, im Nationalteam aufzuhören, habe ich schon vor der WM gefasst."

In die Annalen gelangt noch Thuram, der gegen Togo in seinem 117. Länderspiel Marcel Desailly als französischen Rekord-Internationalen ablösen wird: "Der Rekord ist zwar statistisch etwas Besonderes, aber er ist mit nicht so wichtig wie ein gutes Abschneiden bei der WM." Denn das käme nicht nur bei ihm einem krönenden Karriereende gleich.

Thomas Prüfer/DPA / DPA

Wissenscommunity