Fußball-WM: Gruppe G Drogba darf gegen Portugal spielen


Afrika atmet auf: Didier Drogba darf gegen Portugal spielen. Elf Tage nach seinem Ellbogenbruch erhielt der Stürmer-Star der Elfenbeinküste von der Fifa die Erlaubnis, mit einer Armschiene anzutreten. Drogba gilt als Hoffnungsträger des ganzen Kontinents.

Schon fünf Stunden vor dem Anpfiff gab es für die afrikanischen Fußball-Fans Grund zum Jubeln. Mit der Erteilung der Spielerlaubnis für Didier Drogba sorgte der Weltverband Fifa für Riesenfreude. Der sonst so strenge Verband genehmigte die Armschiene, mit der der Ivorer nach seinem Ellbogenbruch heute um 16 Uhr in der Partie in Port Elizabeth gegen Portugal antreten darf (live im stern.de-Ticker). "Der Schiedsrichter hat die Schutzschiene genehmigt, mit der Drogba spielen will", sagte Fifa-Sprecher Nicolas Maingot schlicht fest.

Nun muss Drogba entscheiden. "Der einzige, der Ja oder Nein sagen kann, ist der Spieler selbst", hatte Trainer Sven-Göran Eriksson für den Fall der Genehmigung gesagt. Zweifel, dass Drogba spielen will, gibt es allerdings kaum. Das ganze gleicht einem medizinischen Wunder. Vor elf Tagen hatte Drogba sich bei einem Testspiel gegen Japan den Ellbogen gebrochen und die Fans des ganzen Kontinents in die Verzweiflung getrieben - zumal schon Ghanas Michael Essien und Nigerias John Obi Mikel verletzt ausfielen. Drogba sagte seinen Start noch am gleichen Tag ab. Die erste WM in Afrika schien ohne einen der ganz großen Stars des Kontinents stattzufinden

Doch nach der Operation wendete sich das Blatt, Drogba begann zu trainieren und die Hoffnungen wuchsen mit jedem Tag. Jede Bewegung des Stürmerstars vom FC Chelsea wurde registriert und bewertet. Egal, ob Drogba individuelle Übungen machte oder bei einem Trainingsmatch bei den Reservisten spielte - jede Kleinigkeit war den afrikanischen Medien eine Schlagzeile wert.

Bereits die Nachricht von seiner Rückkehr ins Training hatte in Abidjan Freudentänze von Hunderten von Fans ausgelöst. Drogba ist der herausragende Spieler, Rekordtorjäger und Kapitän der Elfenbeinküste. In der Nationalmannschaft schoss er bislang in 68 Länderspielen 44 Tore. Als Stürmer des FC Chelsea wurde er in der abgelaufenen Saison Meister, Pokalsieger und Torschützenkönig in England.

Noch am Abend vor dem ersten Spiel der Elfenbeinküste herrschte Ratlosigkeit und Verwirrung. "Ich hoffe, dass er dabei ist, ich weiß es aber wirklich noch nicht", sagte Trainer Eriksson am Montagabend. Entscheidend war nun, dass Schiedsrichter Jorge Larrionda seine Zustimmung erteilte. Eriksson hatte von einem Meeting der Fifa berichtet, auf dem die Weichen für das positive Plazet gestellt wurden. Der Referee aus Uruguay sagte schließlich ja, nachdem auch die Portugiesen die Schiene überprüft hatten.

Kapitän und großer Bruder

Für die Mitspieler ist sein Mitwirken von immenser Bedeutung. "Er ist sehr wichtig für uns", betonte Teamkollege Yaya Touré vom FC Barcelona am Vortag des Portugal-Spiels. Eriksson geriet gar ins Schwärmen: "Er ist der Kapitän, er ist seit vielen Jahren Nationalspieler, er ist erfahren, er ist seit Jahren im absoluten Spitzenfußball aktiv und hat eine großartige Saison bei seinem Club hinter sich." Und Verteidiger Kolo Touré erklärte: "Didier ist nicht irgendein Spieler, er ist unser Kapitän und unser großer Bruder."

Für die Portugiesen ist ihr WM-Auftakt in Port Elizabeth, wo vor über 500 Jahren der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Dias an Land gegangen war, gleich ein Schlüsselspiel: Ronaldo & Co gehen davon aus, dass in der "Todesgruppe" Brasilien mit Sicherheit weiterkommt und Portugal mit der Elfenbeinküste um den zweiten Platz kämpfen muss. Das sieht auch die Fußball-Legende Eusébio so: "Wenn wir das erste Spiel gewinnen, öffnen sich für uns die Tore ins Achtelfinale". Und wenn Portugal verliert, droht dem WM-Vierten von 2006 ein frühes Ausscheiden.

Alle Hoffnungen der Portugiesen ruhen auf Ronaldo, für den Real vor einem Jahr eine Rekordablösesumme von 94 Millionen Euro an Manchester United gezahlt hatte. Allerdings konnte der Stürmer in der "Selecção" seit längerer Zeit nicht mehr glänzen. Sein letzter Treffer gelang ihm vor 16 Monaten: ein Elfmetertor in einem Freundschaftsspiel gegen Finnland. Sein letztes Pflichtspieltor für die Nationalelf liegt gar über zwei Jahre zurück. Bei Welt- und Europameisterschaften gelang Ronaldo bislang noch nie Herausragendes.

DPA DPA

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