Fußball-WM 2010 Das Geheimnis des "Robben-Stils"


Er ist der Bundesliga-Superstar bei der WM: Arjen Robben. stern.de sprach mit dem Niederländer, der im Auftaktmatch fehlen wird, über das Problem starker Vorrunden, den "Robben-Stil" - und darüber, was dem Bayern-Star an Deutschland nicht gefällt.

Herr Robben, die Niederlande und große Turniere...
Ob Sie es glauben oder nicht, ich weiß, was jetzt kommt.

Und was?
Dass, was wir vor großen Turnieren immer hören. Wir spielen zwar gut, aber wir holen keine Titel.

Und ist die Einschätzung ungerecht oder falsch?
Dass das so ist, sagen viele Leute. Es heißt dann, die Holländer spielen schönen und begeisternden Fußball, aber am Ende fehlen etwas die Ergebnisse in Form von Titeln. Das ist etwas, an dem wir arbeiten. Man muss eine Balance finden zwischen Effizienz und schönem Fußball. Es darf nicht mehr heißen, die Niederlande haben sich selbst geschlagen

Dann liegt das Geheimnis eines guten Turniers darin, eine schwächere Vorrunde zu spielen und dafür lieber einen konstant starken Endspurt hinzulegen?
Vielleicht sollten wir das mal probieren. Wenn wir mal schlecht sind und uns in der Gruppenphase schwer tun, dann wird das das Zeichen sein, dass Holland ins Endspiel kommt und gewinnt.

Bei der EM 2008 in der Schweiz und Österreich war es anders herum. "Oranje" begeisterte in der Vorrunde und danach das alte Lied.
2008 hatten wir eine große Chance, wir haben sehr schönen Fußball gespielt. Ich denke da an das 4:1 gegen Frankreich, oder das 3:0 gegen Italien. Es waren besondere Spiele und besondere Ergebnisse. In der nächsten Runde gegen Russland hatte man den Eindruck, es ist alles wie weggeblasen. Das war sehr frustrierend. Wir hatten die Kraft, bis ins Finale zu kommen.

Was macht Sie optimistisch für Südafrika?
Unsere gute Qualifikation. Wir haben uns als erstes Land aus Europa qualifiziert. Und wir haben Spieler im Kader, die sich als Team verstehen.

Sie haben auch einmal gesagt, Sie sehen sich nicht als Star. Für viele sind Sie ein Star, vor allem nach Ihren Auftritten in der Champions League und in der Meisterschaft.
Man muss da mal fragen, was heißt es, ein Star zu sein. Ich denke ich bin nur ein Fußballspieler. Es gibt Filmstars, die in Filmen mitspielen oder Sänger, die große Konzerte geben. Das sind Stars für mich, die glamourös sein können. Wir sind Sportler. Mir ist es wichtig, dass ich für meinen Klub und meine Nationalelf wichtig bin und man mich auf dem Rasen braucht.

Sie gelten als Profi, der sich "einmischt" und seine Meinung sagt.
Ich gehöre zu den Spielern, die ihre Erfahrung weiter geben können. Grundsätzlich ist es der Kapitän, der die Richtung bestimmt. Trotzdem gehöre ich sicher zu denen, die mal was sagen dürfen, weil jeder weiß, ich will dem großen Ganzen helfen.

Sie haben einmal gesagt, Ihre Schnelligkeit sei eine Waffe.
Schnelligkeit ist auf alle Fälle meine Stärke, keine Frage. Auch mit dem Ball. Auf dem Fußballplatz kann das gefährlich werden.

Dann schauen Sie sicher gerne das 100 Meter Finale bei Olympischen Spielen und beobachten Ihre Sprintkollegen.
(lacht)Die Jungs sind dann doch ein bisschen schneller als ich. Aber ihr Job ist auch einfacher. Sie laufen 100 Meter und das geradeaus. Ich habe auch noch einen Ball dabei (lacht). Man muss sich schon überlegen, was man macht, wenn man in voller Geschwindigkeit Richtung Strafraum und Tor läuft.

Was ist das Erfolgsgeheimnis, für ein erfolgreiches Spiel am Flügel?
Du brauchst viel Selbstvertrauen und musst an Dich und deine Fähigkeiten glauben. Du stehst immer eins gegen eins im Zweikampf, du musst so überzeugend sein, um durch zu kommen. Du musst dich immer stellen und musst nebenbei das Spielfeld neben dir im Auge haben. Ich bin ein Spieler, der einen großen Zug zum Tor hat. Du bist manchmal Einzelkämpfer und musst jede Sekunde bereit sein, die Rollen zu wechseln und zum Teamplayer zu werden, der den besser postierten Mann sieht.

Hat Ihnen die holländische Fußballschule geholfen, das zu lernen?
Das ist etwas, was du schnell für dich entdeckst...

…das heißt, den "Robben-Stil"?
Ja sicher. Du hast im Laufe deiner Karriere viele Trainer, denen du zuhörst, dir Dinge merkst und sie übernimmst, aber grundsätzlich bist du der oder der und der oder der hat seine Art.

Und wie sieht der "Robben-Stil" aus?
Wie gesagt, ich will Richtung Tor. Unbedingt. Kompromisse kann es keine geben. Zu schönem Spiel gehört auch Effektivität, sonst ist das schöne Spiel wenig wert. Du musst jede Sekunde bereit sein, etwas Neues zu machen, du musst sehr schnell aufnehmen, wie das Spiel läuft, jede einzelne Situation neu bewerten und schauen, was will die Mannschaft, wie kannst du ihr helfen. Das kann manchmal über eine gemeinsame Aktion gehen, aber manchmal auch über ein einzelnes Dribbling, um ein Bollwerk aufzubrechen. Manchmal gehst du allein nach vorne, suchst die Lücke und ziehst so die anderen mit. Das heißt, es ist auch ein strategische Betrachtung nötig.

Sie haben nun in vier Ländern Titel gewonnen, worin sehen Sie die großen Unterschiede zwischen den Niederlanden, England, Spanien und Deutschland, die auch alle bei der WM in Südafrika dabei sind?
In Spanien wird vielleicht mehr auf technische Dinge geachtet, die Mannschaften wollen in erster Linie Fußball spielen. In England gehört ein sehr intensives Spiel zum Alltag. In den Niederlanden wird sehr auf taktische Dinge geachtet und wir reden gerne vom schönen Fußball. In Deutschland prägt mehr der defensive Gedanke das Spiel, was mir nicht so gefällt. Ich verstehe natürlich, dass man auf dieses Mittel setzt, aber ich glaube, dass es am Ende nicht der richtige Weg ist. Aber durch die vielen ausländischen Spieler und Trainer haben sich die Dinge ohnehin verschoben. Das typische Spiel gibt es eigentlich nicht mehr. Heute muss jeder beim anderen schauen, um sich am Besten zu orientieren.

P.S.: Hat Arjen Robben mit Holland die Chance, Weltmeister zu werden? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Oliver Trust

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