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Sieg gegen Uruguay: Holland zittert sich ins WM-Finale

Die Niederlande sind durch einen Zittersieg gegen Uruguay ins WM-Finale eingezogen. Nach einem Doppelschlag sah alles glasklar aus - doch am Ende wurde es noch einmal brenzlig.

Der erste Finalist bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika steht fest: Dank eines Doppelschlages der spät erwachten Superstars Arjen Robben und Wesley Sneijder träumt Holland vom ersten Weltmeister-Titel und einer Final-Revanche gegen Deutschland. Allerdings mussten die Niederländer am Ende noch einmal zittern, als Uruguay wenige Minuten vor Schluss des Halbfinales den Anschlusstreffer erzielte. Mit dem 3:2 (1:1)-Erfolg gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay stürmten Holland zum dritten Mal nach 1974 und 1978 in ein WM-Endspiel, wo sie am Sonntag in Johannesburg gegen den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen der DFB-Auswahl und Europameister Spanien nach dem Cup greifen.

Marwijk kann's kaum glauben

"Es ist unglaublich, was wir erreicht haben. Wir sind im Finale! Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht, aber wir sind auf einem guten Weg", sagte Bondscoach Bert van Marwijk.

Auch Franz Beckenbauer freute sich: "Das ist der erste Schritt zum Traumfinale. Jetzt müssen wir nachziehen", sagte der "Kaiser", der die DFB-Elf vor 36 Jahren zum WM-Triumph gegen Holland geführt hatte.

"Alle hoffen auf ein Finale gegen Deutschland. Sie haben es verdient. Für uns ist es unglaublich, im Endspiel zu stehen. Das ist ein super Gefühl", frohlockte Robben, der vor allem seinen Bayern-Kollegen die Daumen drückt.

Sneijder bringt Holland auf die Siegerstraße

Vor gut 62.000 Zuschauern im nicht ausverkauften Green Point Stadium von Kapstadt entschieden Inter Mailands Stratege Sneijder (70.) und Bayern-Flügelflitzer Robben (73.) innerhalb von drei Minuten die niveauarme Partie und sorgten auch bei Kronprinz Willem-Alexander und Gattin Maxima auf der Tribüne für großen Jubel. Giovanni van Bronckhorst hatte die Niederländer in der 18. Minute mit einem Traumtor aus knapp 38 Metern in Führung gebracht, Uruguays Star- Stürmer Diego Forlan (41.) sorgte mit seinem vierten Turniertreffer für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Maxi Pereira (90.+2) gelang nur noch der Anschluss.

Erst das Tor des lange blassen Sneijder, dessen Schuss von Pereira leicht abgefälscht wurde, und ein Kopfball von Robben brachten den Europameister von 1988 endgültig auf die Siegerstraße. Sneijder schloss mit seinem fünften Tor zum Spanier David Villa auf und darf nun auch noch auf die Torjäger-Krone hoffen.

In einem von Taktik geprägten Spiel blieben Chancen bis auf einen Schuss von Dirk Kuyt (4.) über das Tor weitgehend Mangelware. Zwar bestimmte der Favorit erwartungsgemäß das Spiel, ging dabei aber zu ideenlos vor. Robben kam auf dem rechten Flügel lange nicht zur Geltung; und auch Sneijder konnte nicht wie beim Viertelfinalsieg gegen Brasilien auftrumpfen.

Uruguay verlegt sich auf Konter


Uruguay verlegte sich von Beginn an auf Torsicherung und ließ bei den gelegentlichen Kontern die nötige Präzision vermissen. Ohne Torjäger Luis Suarez, der die Südamerikaner gegen Ghana mit seinem Handspiel auf der Linie vor dem Aus bewahrt hatte, war der Sturm der "Himmelblauen" lange nur ein laues Lüftchen.

Die Führung fiel wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Kapitän van Bronckhorst zog aus der Distanz ab, sein Schuss schlug unhaltbar für Uruguays Schlussmann Fernando Muslera im rechten oberen Winkel ein. Für den 35-jährigen Abwehrspieler von Feyenoord Rotterdam, der schon beim Halbfinal-Aus 1998 gegen Brasilien dabei war, war es erst das sechste Tor im 105. Länderspiel.

Urus zu umständlich in der Offensive


Der Rückstand lockte die "Urus" ein wenig aus der Defensive. Allerdings agierte das Team von Trainer Oscar Tabarez im Vorwärtsgang zu umständlich und konnte die "Oranje"-Abwehr kaum in Verlegenheit bringen. Den ersten Torschuss gab Alvaro Pereira in der 36. Minute ab, der harmlose Versuch des Mittelfeldspielers vom FC Porto stellte Holland-Keeper Maarten Stekelenburg aber vor keine Probleme.

Die Niederländer taten nicht mehr als nötig, ohne die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Wie in den bisherigen WM-Partien blieb der Europameister von 1988 den erhofften Offensiv-Wirbel allerdings schuldig und agierte eher nüchtern. Die Strafe folgte auf dem Fuße: Forlan, bis dahin völlig abgemeldet, hämmerte das Leder aus gut 25 Metern zum Ausgleich in die Maschen. Beim Schuss des Stürmers vom Europa-League-Gewinner Atletico Madrid in die Mitte des Tores sah Stekelenburg sehr schlecht aus.

In den Strafräumen herrscht Flaute


Ansonsten herrschte in beiden Strafräumen weitgehend Flaute. Lediglich nach einem Foul von Suarez-Ersatz Edinson Cavani, der Demy de Zeeuw bei einem Fallrückzieher voll im Gesicht traf, gab es Aufregung. Bei der folgenden "Rudelbildung" behielt Schiedsrichter Rawschan Irmatow aus Usbekistan, mit 33 Jahren der jüngste WM- Referee, jedoch den Überblick und konnte die erhitzten Gemüter schnell abkühlen.

Bondscoach Bert van Marwijk reagierte in der Halbzeit und verstärkte mit Rafael van der Vaart für de Zeeuw die Offensive. Die erste Chance verbuchten jedoch die Südamerikaner, als van Bronckhorst (51.) vor der Linie für seinen bei einer Rettungstat weit aus dem Tor geeilten Schlussmann rettete.

Auch die nächste gefährliche Szene gehörte dem vermeintlichen Außenseiter. Forlan nahm bei einem Freistoß aus 28 Metern Maß, doch dieses Mal war Stekelenburg auf dem Posten und fischte den Ball aus dem unteren Eck. Praktisch im Gegenzug brannte es vor dem Gehäuse von Muslera, der einen Schuss von van der Vaart gerade noch abwehren konnte. Gegen den Doppelschlag von Sneijder und Robben war der Torhüter dann machtlos.

P.S.: Werden die Niederländer jetzt Weltmeister? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010 der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Heinz Büse und Ulrike John, DPA / DPA

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