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WM 2010: David Villa: Das Torphantom, das unrund läuft

David Villa ist Spaniens Lebensversicherung bei der WM. Seine Tore waren es, die das Team ins Halbfinale brachten. Es war ein übler Oberschenkelhalsbruch, dem Villa seine Stärke verdankt.

Von Klaus Bellstedt, Durban

Sein Trainer Vicente Del Bosque nennt ihn "außergewöhnlich, weil er nicht wie viele andere Stürmer bloß aufs Tor geht, sondern auch enorm viel nach hinten macht". Teamkollege Fernando Torres beschreibt ihn so: "Er steht immer goldrichtig, die Bälle fallen ihm vor die Füße." Und Mittelfeldstratege Xabi Alonso sagt über ihn: "Er ist eine Bedrohung für jeden Gegner - zum Glück spielt er für uns." Die Rede ist von David Villa, dem Stürmer der spanischen Nationalmannschaft.

Der nur 1,75 m große Angreifer ist bei der WM in Südafrika so etwas wie die Lebensversicherung der Spanier. Im nicht gerade berauschenden Viertelfinale gegen Paraguay brachte der 28-Jährige mit seinem späten Tor die Entscheidung. Neben diesem überlebenswichtigen Treffer hat Villa, der in seiner Heimat ob seiner Treffsicherheit von den Fans ehrfürchtig "Villa Maravilla" (Villa, das Wunder) genannt wird, auch die Siege gegen Honduras (Doppelpack beim 2:0) und Portugal (ein 1:0 im Achtelfinale) sichergestellt. Zum 2:1-Erfolg gegen Chile am Ende der Gruppenphase steuerte er einen Treffer bei. Ohne seinen "Wirbelwind" im Angriff hätte Spanien wohl bereits das Schicksal anderer Favoriten wie Argentinien oder Brasilien ereilt.

"David ist überall und nirgends"

Mit fünf Toren führt David Villa die Torschützenliste des Turniers in Südafrika an. Und wenn es für den klassischen Knipser weiterhin so gut läuft, kann er bei der WM sogar den legendären Raúl als erfolgreichsten Torschützen der "Selección" ablösen. Der für Südafrika nicht nominierte Madrilene kam in 102 Länderspielen auf 44 Treffer; der Verfolger benötigte für seine bislang 41 Tore nur 58 Einsätze. Natürlich sagt David Villa, sei ihm dieser Rekord nicht wichtig, doch auf dem Rasen zeichnet ihn jene Portion Egoismus aus, die ein Vollblutstürmer besitzen muss. So tritt der 28-Jährige, der im Sommer für 40 Millionen Euro von Valencia nach Barcelona wechselt, immer zu Elfmetern an, obwohl er regelmäßig verschießt - wie zuletzt in der Vorrunde gegen Honduras.

"David ist überall und nirgends. Erst unsichtbar, dann im entscheidenden Moment am richtigen Ort", erläutert del Bosque das Erfolgsgeheimnis seines Angreifers, das auch viel mit mentaler Stärke zu tun hat. Eine Stärke, die das "Tor-Phantom" bereits als Kind erlangte. Ein komplizierter Bruch des Oberschenkelhalsknochens brachte ihn im Alter von zehn Jahren für 40 Tage ins Krankenhaus, selbst eine Amputation war schon ein Thema. Am Ende wurde das Bein gerettet, ist aber seither zwei Zentimeter kürzer als das andere. Seitdem läuft er ein wenig unrund - vor dem Tor agiert er geradeaus.

"Deutschland ist das stärkste Team"

Sein Handicap machte Villa nur umso stärker. "Man muss erst leiden, bevor man etwas erreichen kann", erklärte er einmal. Diese mentale Stärke hilft ihm jetzt, die Last des spanischen "Ein-Mann-Angriffs" zu schultern. Denn von Fernando Torres war bis jetzt nichts zu sehen und das spielerisch brillante Mittelfeld strahlte kaum Torgefahr aus. Das alles machte Villa wett. Niemand anderes sonst.

"Entscheidend ist der Erfolg der Mannschaft", betont der Stürmer-Star. Wenn Villa solche Sätze sagt, erinnert er in seiner Bescheidenheit an Miroslav Klose. Am Mittwoch treffen sich die beiden Angreifer mit ihren Teams zum WM-Halbfinale in Durban. Der Sohn eines Bergmannes hat Respekt vor der kommenden Aufgabe und sagt über Deutschland: "Das ist das stärkste Team." Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im EM-Finale von Wien vor zwei Jahren konnte David Villa nicht mitwirken. Der zweifache Familienvater verpasste die Partie wegen einer Oberschenkelzerrung. "Jetzt treffen wir erneut auf Deutschland - und diesmal bin ich dabei. Ich freue mich sehr auf dieses Spiel", sagt er. Es klingt wie eine Drohung.

P.S.: Ist Spanien mit David Villa Favorit gegen Deutschland? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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