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WM 2010: Ghana - USA Ein Land gegen einen Kontinent


Die Amerikaner kämpfen um Anerkennung in der Heimat, Ghana um die Ehre Afrikas. Das Team um den gebürtigen Berliner Kevin-Prince Boateng fühlt sich auserkoren, für den gesamten Gastgeber-Kontinent zu kicken. Aber gegen die WM-Überlebenskünstler wird es schwer.

Amerikas Überlebenskünstler gegen Afrikas Alleinunterhalter: Beim Kampf um den erstmaligen Einzug in das Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft will Ghana den Stolz eines ganzen Kontinents verteidigen. "Die Black Stars halten Afrikas Träume am Leben", lautete eine Schlagzeile aus der westafrikanischen Heimat. Von Kapstadt bis Kairo, von Dakar bis Nairobi - die Hoffnung aller afrikanischen Fußball-Fans ruht bei der Partie am Samstag in Rustenburg (20.30 Uhr/RTL und Sky) auf Kevin-Prince Boateng & Co. "Ab sofort spielen wir für ganz Afrika", versprach der gebürtige Berliner. Die Amerikaner freuen sich indes über prominente Unterstützung aus der Heimat. Präsident Barack Obama versicherte, dass das "ganze Land" hinter der Mannschaft stehe.

Auch in Ghana trafen in den vergangenen Tagen zahlreiche Grußbotschaften ein. Viele afrikanische Verbände hätten der nach dem definitiven WM-Aus der Elfenbeinküste einzig verbliebenen "Heim"-Mannschaft Glück für die Partie gegen die US-Boys gewünscht, berichtete Teamsprecher Randy Abbey. Coach Milovan Rajevac, der auf den verletzten Abwehrspieler Isaac Vorsah von 1899 Hoffenheim verzichten muss, meinte gar: "Wir haben bei diesem Turnier viele Fans in der ganzen Welt hinzugewonnen." US-Coach Bob Bradley kann die Welle der Sympathie für den Gegner verstehen. "Es ging hier immer um mehr als nur um Südafrika", sagte der Trainer.

Der Traum vom Halbfinale

Im bislang einzigen WM-Duell beider Teams behielten die Afrikaner die Oberhand. 2:1 endete 2006 das Gruppen-Duell, die USA fuhren nach Hause, Ghana kam ins Achtelfinale. Dort aber war dann gegen Brasilien Endstation (0:3). "Jetzt haben wir eine andere Mannschaft, mit einer ganz anderen Taktik. Vor vier Jahren waren wir sehr offensiv, jetzt sind wir taktisch sehr gut und stehen defensiv ordentlich", sagte Ghanas Hans Sarpei. "Aber wir müssen an der Chancenverwertung arbeiten, sonst kommen wir nicht weit." Am liebsten so weit, wie noch nie ein afrikanisches Team: Das Halbfinale ist für die Mannschaften vom Schwarzen Kontinent bisher ein unerfüllter Traum geblieben. "Das wollen wir ändern", sagte Mittelfeld-Diva Sulley Muntari.

Das Toreschießen könnte für die "Black Stars" zum Problem werden. Ihre einzigen beiden WM-Tore erzielten sie per Elfmeter. Aber noch viel mehr Schwierigkeiten könnte ihnen der unbändige Wille der Amerikaner bereiten. Zweimal holten Landon Donovan und die Seinen einen Rückstand auf, in letzter Sekunde schossen sie sich gegen Algerien in die K.o.-Runde. Die US-Boys sind die Überlebenskünstler dieser Fußball-WM. "Das Achtelfinale war nur unser erstes Ziel", sagte Coach Bradley. "Natürlich denken wir, dass wir die Fähigkeit haben, bis zum Ende dabeizubleiben."

In den USA kommt Fußball erst an fünfter Stelle

Die Erfolge in Südafrika haben auch die Fieberkurve in den USA steigen lassen. Hier wirbt "Soccer" immer noch um Zuneigung bei den Sport-Fans. Denn hinter Baseball, Football, Basketball und Eishockey ist des deutschen liebstes Kind nur die Nummer 5. "Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, diesen Sport in den USA größer zu machen", erklärte Donovan. 2002 stand das Team schon mal im Achtelfinale, das Halbfinale von 1930 ist längst vergessen. Aber aufwärts geht's trotzdem, meint zumindest Positiv-Denker Jürgen Klinsmann. "Der Fußball wächst in den USA enorm schnell."

Ein Achtelfinal-K.o. würde die Euphorie aber sofort wieder dämpfen. Doch daran mag Stürmer Jozy Altidore nicht denken. "Zwei weitere Siege wären großartig für uns", sagte der Angreifer. "Aber warum nicht gleich vier weitere? Alles ist möglich."

Bemerkenswert sind die Erfolge beider Teams schon jetzt. Bei den USA ist es allein der Weg ins Achtelfinale, bei Ghana die Tatsache, wie klaglos das Team mit dem WM-Ausfall ihres Stars Michael Essien (Chelsea) umgeht. Auch, weil Boateng dessen Rolle sehr gut ausfüllt. "Kevin ist ein fantastischer Spieler. Er hat hervorragend gespielt", sagte Trainer Rajevac.

P.S.: USA oder Ghana: Für wen schlägt Ihr Herz in dieser Begegnung? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Christian Kunz und Benjamin Haller/DPA DPA

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