HOME

Stern Logo WM 2010

WM-Wechselgerüchte: Und täglich grüßt der Transfer-Wahn

Was machen eigentlich die Sportzeitungen und Boulevardblätter in Italien oder England, wenn man früh aus der WM ausscheidet? Ganz einfach: Wechselgerüchte der Top-Klubs anheizen. Einige Transfers würden einer Sensation gleichen.

Von Daniel Barthold

Alle zwei Jahre, entweder zur Europameisterschaft oder Weltmeisterschaft, dreht sich eines rasanter als sonst: das Spielerkarussell. Transfergerüchte überfluten die Medien und horrende Ablösesummen werden genannt. Dieses Mal am stärksten betroffen: die deutsche Nationalmannschaft. Nicht verwunderlich, denn die DFB-Elf ist jung, dynamisch und erfolgreich. Özil, Schweinsteiger und Co. geben für die reichen Scheichs und Öl-Milliardäre die besten Bewerbungen ab. So sind es auch die finanzstarken Clubs, die im Fokus stehen. Manchester City soll 20 Millionen Euro für Podolski geboten haben, Chelsea 14,5 Millionen Euro für Khedira und Juventus Turin plant Investitionen von 80 Millionen Euro, darunter die Verpflichtung des HSV-Spielers Dennis Aogo. All das sind jedoch keine Fakten - sondern Informationen verschiedener Blätter.

Sportmagazine und Boulevardzeitungen wie "Tuttosport" aus Italien oder "The Sun" aus England heizen jetzt die Wechselgerüchte an. Ihre Nationalmannschaften schieden sang und klanglos in Südafrika aus, und jetzt sind es noch fünf Wochen bis Saisonstart. Grund genug, sich die besten Spieler des diesjährigen WM-Turnieres, die nun mal größtenteils für die DFB-Elf spielen, in die eigenen Ligen zu wünschen. So ist es bei jedem großen Nationenturnier. So will jetzt angeblich Barcelona Özil, Rubin Kasan (Russland) biete für Miroslav Klose und ganz Europa wolle Bastian Schweinsteiger, heißt es. Der große Konjunktiv ist angesagt. Denn "angeblich" schießen die Urheber der Meldungen gerne mal übers Ziel hinaus.

In die Tat umgesetzt wurde daher bislang wenig. Die Vereine schweigen und beteiligen sich nicht an den Wechselspielen. Lukas Podolski im Trikot von Manchester City? Miroslav Klose auf Torejagd für Rubin Kasan? Schwer vorstellbar, wenn man weiß, dass bei der WM 2002 oder 2006 die gleichen oder ähnliche Boulevard- und Sportblätter Wechselgerüchte in den Raum warfen. Gut, die Zeiten haben sich etwas geändert: Kevin Kuranyi wird nicht wegen des schönen Wetters zu Dynamo Moskau gewechselt sein und Ze Roberto flirtete nicht aufgrund des guten Fußballs in der Major League Soccer heftig mit Red Bull New York. Fußball ist Geschäft, und eine Liebesbeziehung wie die zwischen Steven Gerrard und dem FC Liverpool wirkt heute wie ein Relikt.

Kurios ist an den Gerüchten des aktuellen Jahrgangs, dass nicht die Vereine die Transfers abwickeln sollen, sondern - angeblich - die Sponsoren. Die arabische Fluglinie Emirates, neuer Sponsor des AC Mailand, soll den Wechsel des Japaners Keisuke Honda von Dynamo Moskau zu den Italienern finanzieren. Gut möglich, dass zu Beginn der Spielzeit 2010/2011 alles beim Alten bleibt: Podolski versucht für den 1. FC Köln zu treffen, Miroslav Klose kämpft um den Startplatz beim FC Bayern und Mesut Özil wirbelt für Werder Bremen. Nur gut, dass die deutsche Mannschaft noch im WM-Turnier ist. Da haben Wechselgerüchte keine Konjunktur.

P.S.: Schenken Sie den Wechselgerüchten der Medien Glauben? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Wissenscommunity