VG-Wort Pixel

Fehlentscheidungen gegen Italien Uruguay mit zu viel Biss


Der Sieg Uruguays gegen Italien hat einen üblen Beigeschmack. Erst gab es einen zweifelhaften Platzverweis gegen die Azzurri, dann übersah der Unparteiische eine Beißattacke durch Luis Suárez.
Von Tim Schulze

Es war der Aufreger des Spiels zwischen Uruguay und Italien: In der 79. Minute biss Luis Surárez im Strafraum der Italiener seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini von hinten in die Schulter. Chiellini revanchierte sich mit einem Ellenbogencheck in das Gesicht des Angreifers - beide gingen in der Folge zu Boden. Während sich der Italiener ungläubig an die Schulter fasste, griff sich Suárez an den Mund. Auch er hatte sich wehgetan. Unklar ist, ob seine Zähne wegen der im TV deutlich zu sehenden Beißattacke schmerzten oder wegen des Schlags.

Zum Nachteil der Italiener übersah der mexikanische Schiedsrichter Marco Rodriguez die klare Tätlichkeit. Sie blieb für Suárez ohne Folgen, obwohl eine Rote Karte die zwingende Folge hätte sein müssen. Zwei Minuten später fiel nach einem Eckball der Siegtreffer für die Südamerikaner, die jetzt im Achtelfinale stehen, während die Italiener in den Urlaub fliegen müssen.

Doch war es nicht die einzige fragwürdige Entscheidung. In der 59. Minute hatte der Unparteiische Claudio Marchisio vom Platz gestellt. Auch diese Maßnahme war schon höchst zweifelhaft, verlieh dem mauen Duell aber erst in richtig Fahrt.

Italiens Nationalkeeper Gianluigi Buffon zeigte sich danach selbstkritisch: "Die Rote Karte hat uns beeinträchtigt. Aber man kann die Schuld nicht immer anderen geben. Auch wir haben Fehler gemacht", sagte er nach Schlusspfiff. Die Aussage ist zwar ehrenhaft, übersieht aber die Tatsache, dass Italien durch zwei Fehlentscheidungen klar benachteiligt wurde. Das Ergebnis hat definitiv ein Geschmäckle.

Die Qualität der Schiedsrichter muss sich verbessern

Damit ist die Schiedsrichterdiskussion eine neue Qualität erreicht. Von Beginn an gab es in Brasilien zahlreiche krasse Fehlentscheidungen: Leichtfertig gegebene Elfmeter wie im Eröffnungsspiel für Brasilien oder zwei reguläre Treffer, die nicht anerkannt wurden, wie es den Mexikanern gegen Kamerun passierte. Das ist bedauerlich und nimmt dem Turnier viel von seiner Glaubwürdigkeit. Jetzt ist der Weltverband gefragt. Offensichtlich ist es nicht ausreichend, nur eine Torkamera einzuführen. Die Qualität der Schiedsrichter bei einem Weltereignis wie der Fußball-WM muss sich erheblich verbessern.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass auch Buffon & Co. schon von krassen Fehlentscheidungen bei Weltmeisterschaften profitiert haben, zum Beispiel 2006 in Deutschland. Da bekamen die Italiener im Achtelfinale gegen Australien einen höchst umstrittenen Elfmeter zugesprochen und erreichten die nächste Runde. Am Ende wurden sie Weltmeister.

Zum Trost für alle italienischen Fans und die zukünftigen Gegner der Uruguayer: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird "Beißer" Suárez nachträglich per Videobeweis gesperrt werden. Es ist zu vermuten, dass der Mann kein Spiel mehr bei dieser WM absolvieren wird. Schließlich ist er Wiederholungstäter. Drei Mal hat er jetzt zugebissen. Zuletzt war der Torschützenkönig der Premier League vom englischen Fußball-Verband dafür zehn Spiele gesperrt worden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker