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Reichlich Verspätung Nordkoreas Staats-TV zeigt Olympische Spiele in Tokio – Tage nach der Abschlussfeier

Japan, Tokio: Olympia: Abschlussfeier im Olympiastadion.
Die Abschlusszeremonie in Tokio lag bereits zwei Tage zurück, als das Staatsfernsehen die ersten Bilder der Spiele lieferte
© Marijan Murat / DPA
Die Abschlussfeier in Tokio ist zwei Tage her, da sendet das nordkoreanische Fernsehen erstmals Bilder von den Olympischen Spielen. Übertragen wurde ein Fußballspiel der Frauen – wenn auch nicht in voller Länge.

Die Abschlussfeier der Olympischen Spiele liegt bereits zwei Tage zurück, als Nordkoreas Staatsfernsehen (KCTV) zum ersten mal über die Wettkämpfe aus Tokio berichtet. Der Zentralsender lieferte Medienberichten zufolge am Dienstag erstmals Wettkampfbilder.

Übertragen worden sei das Frauen-Fußballspiel zwischen Großbritannien und Chile, zumindest teilweise. Die Fernsehzuschauer hätten 70 Minuten der Begegnung sehen können – in schlechter Bildqualität und ohne Kommentar. Die Partie liegt zu diesem Zeitpunkt allerdings fast drei Wochen zurück: Das Spiel der beiden Nationalteams wurde am 21. Juli ausgetragen.

Unklarheit über Ursprung des Bildmaterials

Laut der Website "NK News", die Nachrichten und Analysen über Nordkorea liefert, sei zudem fraglich, wie KCTV an das Bildmaterial kam. In den vergangenen Jahren habe die Asiatisch-Pazifische Rundfunkunion Pjöngjang im Rahmen einer Partnerschaft mit einem südkoreanischen Sender offiziell lizenziertes Filmmaterial von den Spielen angeboten. Die Rundfunkunion habe auf Anfrage, ob es in diesem Jahr eine ähnliche Vereinbarung gegeben habe, nicht geantwortet.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass KCTV Olympia oder andere bedeutende Sportereignisse erst mit reichlich Verspätung ausstrahlt – zumal es dieses Jahr ohne eigene Teilnahme wenig Anlass gegeben habe.

Zwar seien die Spiele bereits wenige Tage nach der Eröffnungsfeier übertragen worden, heißt es in dem BBC-Bericht, der sich dabei auf Informationen der südkoreanischen Nachrichtenagentur "Yonhap" stützt. "NK News" zufolge handelte es dabei jedoch um einen rein digitalen Sportkanal, der aber für die Bevölkerung nicht zugänglich sei.

Keine nordkoreanischen Athleten seit mehr als 30 Jahren

Nordkorea selbst hatte in diesem Jahr keine Athleten nach Tokio entsandt – zum ersten Mal seit 1988, als Pjöngjang die Wettkämpfe in Seoul während des Kalten Krieges boykottierte. In diesem Jahr habe das Regime auf die Teilnahme verzichtet, um die eigenen Sportler vor dem Coronavirus zu schützen. BBC zufolge behauptet die Regierung unter Diktator Kim Jong-un weiterhin, dass es keine Covid-Fälle im Land gibt. Experten halten dies jedoch für unwahrscheinlich.

Bei den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang hatten Nord- und Südkorea sogar ein gemeinsames Damen-Eishockeyteam gestellt.

Quellen: "NK News"; "BBC"

yks

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