Britta Steffen Mit klarem Kopf zum zweiten Gold


Einfach unglaublich: Britta Steffen hat nach Gold über die 100 Meter auch die 50 Meter Freistil gewonnen. Mit zwei olympischen Goldmedaillen geht die Berlinerin in die deutsche Schwimmgeschichte ein. Trotzdem steht plötzlich die Frage nach dem Karriere-Ende im Raum.
Von Jens Fischer, Peking

Es sind die Olympischen Spiele der Britta Steffen. Nach ihrem Sensations-Gold über die 100 Meter Freistil gewann sie am Sonntagmorgen auch den 50-Meter-Sprint. Damit ist endgültig klar: Deutschland hat nach Franziska van Almsick wieder eine absolute Vorzeigeathletin. Mit Steffens zweitem Olympiasieg haben die Pekinger Schwimmwettbewerbe für den Deutschen Schwimmverband (DSV) doch noch einen versöhnlichen Abschluss gefunden.

Dennoch wird es nachhaltige Veränderungen geben. Lutz Buschkow, der amtierende Cheftrainer der deutschen Wasserspringer, wird neuer DSV-Sportdirektor. Damit setzt der Verband den ersten Teil einer Strukturreform um. Bislang gab es keinen übergeordneten Sportchef. Der Norweger Örjan Madsen, der mit dem Ende der Spiele planmäßig ausscheidet, war als Sportdirektor und Cheftrainer in Personalunion für den Bereich Schwimmen zuständig.

Wie immer hatte es Britta Steffen nach ihren zweiten Triumph im Pekinger "Watercube" eilig. Die wartenden Journalisten wurden mit einem zarten "Ich muss zur Siegerehrung" abgewiesen. Steffen war überglücklich, herzte ihre Freundinnen aus der deutschen Mannschaft und kam aus dem Strahlen nicht mehr heraus. Immer wieder schüttelte sie den Kopf, zwei olympische Goldmedaillen - damit hatte sie nie gerechnet. Als sie sich endlich die Plakette um den Hals gehängt hatte, war das Glück perfekt. Die Fotografen schlugen sich förmlich um Bilder von ihr. Britta Steffen war zum "Supergirl" des deutschen Schwimmsports geworden.

Dank an die Mannschaft

In der anschließenden Pressekonferenz wirkte Steffen erstaunlich unterkühlt, sie hatte ihre Emotionen bereits wieder im Griff. "Natürlich gewöhnt man sich auch an so einen Erfolg, und meine Freude ist daher auch nicht mehr so groß wie nach meinem ersten Gold über die 100 Meter", sagte sie. Einen besonderen Dank widmete Steffen ihrer Mannschaft, die sie über die gesamte Zeit toll unterstützt habe.

Auf die Frage nach einem möglichen Karriere-Ende wirkte die 24-Jährige bezeichnend unentschlossen und kam ins Grübeln: "Ich mache jetzt erst einmal Urlaub und werde dann sehen, welche Ziele ich mir noch stecken möchte. Jetzt lasse ich erst einmal die Seele baumeln und werde in mich hineinfühlen, wie ich mich weiter motivieren kann."

Steffen arbeitete in den letzten Monaten intensiv mit der Psychologin Frederike Janofske. Für die Berlinerin ist sie auch der wahre Grund für die Wahnsinnserfolge hier in Peking. "Ich habe sämtliche Zweifel an meiner Leistungsstärke mit ihr aufgearbeitet. Ich war schon immer sehr leistungsstark, nur im Kopf hat es nicht gestimmt. Wenn man auf dem Startblock steht und immer denkt, die anderen sind schneller, dann kann es einfach nicht klappen." Nun würde sie viel positiver in die Rennen gehen.

Vertrauensbasis mit ihrem Trainer

Auch ihrem Trainer Norbert Warnatzsch widmete sie den Erfolg. Gerade die in der letzten Zeit entstandene Vertrauensbasis zwischen ihr und Warnatzsch mache sie so schnell. "Wir haben einfach auch einmal einige Einheiten weniger gemacht. Dafür habe ich mehr im mentalen Bereich gearbeitet und außerhalb des Wassers." Die Zweifel des Trainers an der richtigen Strategie haben sie gemeinsam ausräumen können. "Wir haben einfach eine wunderbare Vertrauensbasis."

Als sich Steffen von ihrem Stuhl erhob und die Journalisten zurückließ, waren sich einige im Saal sicher: Dies könnte der letzte große Auftritt des neuen deutschen "Schwimmwunders" gewesen sein. Mit zwei Goldmedaillen abzutreten - für Steffen eine mögliche Alternative.


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