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Olympia: Eishockey: Kanada zittert sich in das Traumfinale gegen die USA

Die Olympischen Spiele enden mit dem Finale im Eishockey zwischen Kanada und den USA. Nichts begehrt der Gastgeber mehr als diese Goldmedaille. Beim 3:2 gegen die Slowakei im Halbfinale brachten sich die Nordamerikaner am Ende selbst noch in Schwierigkeiten.

Von Mathias Schneider, Vancouver

Sie haben gelechzt nach diesem Finale, schon bevor diese Spiele überhaupt begannen. Gold im Eistanz? Gerne? Gold im Skeleton? Mit Vergnügen. Gold im Frauenbob? Nehmen wir gerne mit. Doch wenn man auf den Straßen Vancouvers einen fragt, ob all die schönen Gaben wirklich eine Entschädigung sein könnten für diese eine Medaille, die sie sich so sehr wünschen, dann lautet die Antwort meist: No. Nop.

Nichts wiegt so schwer wie Gold im Eishockey der Männer.

Es fehlt nicht mehr viel, und sie werden es bekommen. Wenn am Sonntag diese Olympischen Spiele zu Ende gehen, kommt es zum Abschluss zum Finale zwischen Kanada und dem Nachbarn USA. Der letzte Tag dieser zwei Wochen hält somit den emotionalen Höhepunkt für den Gastgeber bereit. Glaubte man nicht an den freien Wettbewerb, könnte man meinen, das mächtige Internationale Olympische Komitee habe bei der Regie ein bisschen nachgeholfen.

Kanada zu Beginn im Schongang

Als verlässlicher Halbfinalgegner entpuppte sich zumindest Finnland im ersten Spiel gegen die Amerikaner. Ohne jede Gegenwehr marschierten die Amerikaner zu einem 6:1-Erfolg. Auch die zweite Partie zwischen Kanada und den Slowaken drohte lange Zeit zu einer jener Spiele zu werden, für die der Sportjournalismus einmal den hässlichen Begriff Pflichtsieg erfunden hat. Nachdem die Slowaken noch den Olympiasieger Schweden mit 4:3 ohne Vorwarnung aus dem Turnier beförderten, verströmten sie lange keinerlei Gefahr mehr für ein Kanada, das nicht immer konzentriert wirkte, allerdings auch niemals wirklich gefordert wurde.

Bereits am Anfang des dritten Viertels begannen Teile der Zuschauer deshalb wahlweise „wir wollen die USA“, und „wir wollen Gold“ zu skandieren und trieben damit ihre Elf ungewollt bei einer komfortablen 3:0-Führung in die Sorglosigkeit. Treffer durch Visnovsky und Handzus waren die logische Konsequenz.

In den letzten fünf Minute hatten die Slowaken den taumelnden Favoriten plötzlich am Rande des Ausgleichs. Als endlich die Schlusssirene ertönte, sahen die Kanadier aus wie Urlauber, die im Freibad in ein heftiges Gewitter geraten sind. Sie verpassten damit die Chance, mit dem Rückenwind eines überzeugenden Sieges in dieses so wichtige letzte Spiel dieser olympischen Spiele zu gehen.

Am Sonntag um zwölf Uhr sollen sie die 3:5-Niederlage aus der Vorrunde gegen die USA ungeschehen machen. Ganz Kanada wird dann den Atem anhalten. Ein Sieg, und man wird sich der Namen dieser Mannschaft noch in zwanzig Jahren erinnern. Das ist die gute Nachricht. Die Schlechte: Für eine Niederlage gilt das Gleiche.

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