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Nachhaltige Medaillen "Mit Stolz und gutem Gewissen": Olympia-Sieger tragen Schrott um den Hals

Riesige Olympia-Medaille
Eine riesige Olympia-Medaille wird zu Beginn der Spiele in Tokio ausgestellt
© Rodrigo Reyes Marin / DPA
Auch nach der Zuschauer-Absage bleiben die Olympischen Spiele umstritten. Dafür hat Gastgeber Japan in puncto Nachhaltigkeit aufgerüstet: Die Sieger-Medaillen bestehen auch aus recyceltem Elektroschrott.

In zwei Wochen gehen sie los: die Olympischen Spiele in Tokio. Wegen der hohen Infektionszahlen wird das Riesen-Sportevent in Japan ohne Zuschauer stattfinden, wie die Veranstalter am Donnerstag bekanntgaben. Die Unterstützung der Fans wird den Athletinnen und Athleten vor Ort fehlen. Da ist es immerhin ein kleiner Trost, dass auf dem Sieger-Treppchen nachhaltige Medaillen auf sie warten.

Zwischen 2017 und 2019 sammelte Gastgeber Japan bereits in großen Mengen Elektroschrott, aus dem das deutsche Unternehmen ESG Edelmetall-Service 5000 Medaillen herstellte. Geschäftsführer Dominik Lochmann sprach stolz von einer "umweltbewussten Aktion".

Medaillen in Wert mit Millionenhöhe

Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nahmen insgesamt 1612 japanische Gemeinden an dem Projekt teil und sammelten zusammen 78.985 Tonnen Alt-Elektronik. Für die Edelmetalle – deren Materialwert bei mehr als vier Millionen Euro liegen soll – wurden elektronische Altgeräte sowie Computerplatinen genutzt.

Auch die Goldmedaillen bestehen zu großen Teilen aus Silber, werden jedoch "dick mit Gold ummantelt", wie ESG-Geschäftsführer Lochmann erklärte. "Daher ist der Gesamtbedarf an Silber zur Herstellung der recycelten Auszeichnungen am größten."

Mit der Aktion spart Japan nicht nur hohe Kosten für die Edelmetalle. Das Gastgeberland will auch ein Zeichen für einen schonenden Umgang mit Rohstoffen setzen. So werden die Sportlerinnen und Sportler im Olympischen Dorf auf Pappbetten schlafen. Die Siegerpodeste sind aus recyceltem Plastik. Und sogar die olympische Fackel enthält Aluminium, das aus den provisorischen Unterkünften nach der Katastrophe von Fukushima recycelt wurde.

"Erfolgreiche Olympioniken können sich also ihre Medaillen nicht nur mit Stolz, sondern ebenso mit einem guten Gewissen um den Hals hängen", so Lochmann.

"Der Sportsgeist bleibt ungebrochen"

Auch wenn die meisten Sportlerinnen und Sportler vermutlich lieber auf die nachhaltigen Medaillen als auf die Zuschauer verzichtet hätten, hat zumindest das deutsche Olympia-Team mit Verständnis auf den Fan-Ausschluss in Tokio reagiert. "Es geht dadurch natürlich etwas Atmosphäre verloren. Aber angesichts der steigenden Zahlen ist diese Entscheidung verständlich und nachvollziehbar", sagte Schwimm-Hoffnung Florian Wellbrock.

"Diese Unterstützung wird uns Athleten fehlen, aber wir werden das Beste daraus machen und uns gegenseitig anfeuern. Der Sportsgeist bleibt ungebrochen", sagte Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo. Speerwerfer Johannes Vetter sagte zu Sport1: "Olympia ohne wenigstens ein paar Zuschauer ist verdammt schade. Beim Allvater Fußball zeigt sich wieder, dass andere Gesetze gelten."

Für viele Athleten wäre eine Absage "ein Riesenschock" gewesen, sagte Kunstturnerin Elisabeth Seitz am Donnerstagabend im ZDF "heute-journal". Sie sei "sehr dankbar", dass die Spiele tatsächlich stattfinden. "Und das ist für uns Sportler schon einmal ein Riesen-Geschenk. Und wir versuchen trotzdem, einfach unser Bestes zu geben und alles bestmöglich zu genießen, selbst wenn es andere Spiele sind als sonst", sagte die 27-Jährige. Geisterspiele seien die richtige Entscheidung: "Denn Sicherheit geht am Ende immer vor."

Quellen: NPR, "Watson", mit DPA

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