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Gewichtheben der Frauen Transgender-Athletin Hubbard schreibt Geschichte, aber geht beim Gewichtheben leer aus

Laurel Hubbard vom neuseeländischen Team tritt beim Gewichtheben in Tokio an
Im Vorfeld hatte ihre Teilnahme für reichlich Diskussion gesorgt – am Ende verpasste Hubbard einen Mediallenplatz
© Chris Graythen / Getty Images
Die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard galt als Gold-Favoritin. Nun hat die 43-jährige Transfrau in Tokio einen Medaillenplatz klar verpasst. Im Vorfeld hatte es reichlich Diskussion um ihren Antritt bei Olympia gegeben.

Die neuseeländische Gewichtheberin Laurel Hubbard hat bei den Olympischen Spielen in Tokio eine Medaille in der Gewichtsklasse über 87 Kilogramm klar verpasst. Nach drei ungültigen Versuchen schied Hubbard am Montag im Tokyo International Forum aus und konnte nicht mehr in den Medaillenkampf eingreifen. Die 43-Jährige ist die erste Athletin bei Olympischen Spielen, die offen ihre Geschlechtsidentität angepasst hat. 

Die Goldmedaille gewann die Chinesin Wenwen Li, Silber ging an Emily Jade Campbell aus Großbritannien, Bronze an Sarah Elizabeth Robles aus den USA.

"Ich bin, wer ich bin"

Hubbard lebte nach ihrer Geburt 35 Jahre lang mit einer männlichen Zuschreibung. Sie ist aber Transgender, also eine Person, die sich dem Geschlecht, das ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde, nicht zugehörig fühlt. Die Neuseeländerin ist laut dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die erste Athletin bei Olympia, die offen ihre Geschlechtsidentität angepasst hat.

Über ihre Zulassung zum Frauen-Wettbewerb hatte es zuvor zum Teil kontroverse Diskussionen gegeben. "Ich bin, wer ich bin. Ich bin nicht da, um die Welt zu verändern. Ich will nur ich sein und das machen, was ich mache", sagte Hubbard Ende 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ihres Heimatlandes in einem ihrer seltenen Interviews.

Gewichtheben der Frauen: Transgender-Athletin Hubbard schreibt Geschichte, aber geht beim Gewichtheben leer aus

Für das IOC um Präsident Thomas Bach war ihr Start ein Zeichen der Offenheit und Inklusion. Manche ihrer Konkurrenten sahen das allerdings anders – sie vermuteten, dass Hubbard einen Vorteil haben könnte.

"Ich verstehe, dass für Sportbehörden nichts so einfach ist, wie dem gesunden Menschenverstand zu folgen, und dass es bei der Untersuchung eines so seltenen Phänomens viele Unwägbarkeiten gibt. Aber für die Sportler fühlt sich das Ganze wie ein schlechter Witz an", sagte die Belgierin Anna Van Bellinghen, die in Hubbards Gewichtsklasse startete, vor Kurzem dem Portal "insidethegames.com". Van Bellinghen betonte, dass sie die Transgender-Gemeinschaft voll unterstütze und nicht die Identität von Athleten ablehne. 

Laut Regelwerk: Testosteronniveau für Teilnahme entscheidend

Rechtlich gesehen war Hubbards Teilnahme jedoch kein Problem. Das IOC schreibt vor, dass das Testosteronniveau einer zur Frau erklärten Person vor dem Wettkampf für mindestens zwölf Monate bei höchstens 10 Nanomol pro Liter Blut liegen darf. Der Leichtathletik-Weltverband hat einen anderen Wert ausgegeben, und dieser liegt bei gerade mal der Hälfte, also fünf Nanomol.

yks dpa

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