Auch wenn es zwischen den Rodlern Felix Loch und Jonas Müller ein Gold-Duell unter Kumpeln ist: Im neu gebauten Cortina Sliding Centre ist es der Beginn eines erwarteten Olympia-Länderkampfes zwischen Deutschland und Österreich, das zu einer Weltklasse-Nation im Rodeln aufgestiegen ist. Auch dank des 2022 zu den Nachbarn abgewanderten Georg "Schorsch" Hackl, der mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen der erfolgreichster Rodler der olympischen Geschichte ist.
"Die Deutschen waren uns viele Jahre voraus"
Der 27 Jahre alte Müller, dessen Familie einst von Eschborn bei Frankfurt ins österreichische Bludenz zog, macht auch das Umdenken im Team für den Erfolg verantwortlich. "Die Materialentwicklung ist bei uns in den letzten Jahren so viel besser geworden. Die Deutschen waren uns da viele Jahre voraus. Da hat Österreich nun aufgeschlossen", sagte Müller, der jetzt direkte Informationen mit seinen Kollegen Nico Gleirscher und Wolfgang Kindl austauschen kann. "Darum sind alle Österreicher schnell, weil wir uns untereinander extrem viel helfen", sagte Müller vor den olympischen Rennen ab diesem Samstag (17.00 Uhr), wenn der erste von vier Läufen beginnt.
Anders als beim erfahrenen Loch, der mit nun 36 Jahren seine fünften Winterspiele erlebt, hat Müller noch keine Erfahrung mit dem Mega-Event. "Ich hatte noch nie vier Läufe, war ja noch nie bei Olympia", sagte der zweimalige Weltmeister, der die Stärken von Loch genau kennt: "Ich habe schon geahnt, dass er so stark ist dieses Jahr. Der Felix ist einer, der kann bei den Großereignissen immer vorn mitfahren. Er ist am Start eben schnell und dazu noch einer der besten Rodler. Das ist für mich keine große Überraschung."
Atmosphärische Störungen beim Hackl-Wechsel
Dennoch hat er den Berchtesgadener schon dreimal besiegen können. "Man braucht nahezu perfekte Läufe, um schneller zu sein als der Felix." Das Verhältnis im Länderkampf gegen die Deutschen beschreibt er als "sehr freundschaftlich untereinander. Wenn wir am Start stehen, fährt jeder für sich selber. Da gibt es nicht wirklich Freunde. Aber sobald wir im Ziel sind, können wir uns für jeden freuen."
Atmosphärische Störungen gab es nur zwischenzeitlich - beim Hackl-Wechsel. Daran hatte auch Loch zu knabbern. "Die ersten zwei Jahre waren ein bisschen, eisig ist verkehrt, ein bisschen weniger, ist ja verständlich", sagte Loch. Mittlerweile trinkt er mit seinem einstigen Idol wieder ein Bier zusammen. Man redet wieder normal miteinander, betonte Hackl, der aus seiner Gefühlswelt kein Geheimnis macht: Er fiebert für die Österreicher mit, da dürfe es "auch keinen Kompromiss geben".
Und Ex-Rodler Peter Penz, der in Pyeongchang 2018 hinter den Bayern Tobias Wendl/Tobias Arlt Silber im Doppelsitzer mit Georg Fischler gewann, ist eine treibende Kraft im Hintergrund. Penz bastelt unermüdlich in der Werkstatt. So wurden die Doppelsitzer tiefer gelegt, um in Kombination mit einem breiteren Kufen-Abstand mehr Sicherheit zu bringen. Im Einsitzer gab es Änderungen bei den Schienen.
Bahn-Skandal in Igls Handicap für Österreicher
So sind die Österreicher wettbewerbsfähig, obwohl sie nach dem Bahn-Skandal im November nicht daheim in Innsbruck/Igls fahren dürfen. Die für 30 Millionen Euro umgebaute Bahn wurde ausgerechnet in der Olympia-Saison nicht abgenommen. Den letzten Schliff holte sich das Team zuletzt auf der Naturbahn in St. Moritz in der Schweiz. Nun geht es ins Nationen-Duell, das sich bei den Frauen mit Merle Fräbel und Julia Taubitz gegen die im Weltcup führende Österreicherin Lisa Schulte fortsetzt.
Auch bei der Premiere im Damen-Doppel führen die Nachbarn mit Selina Egle/Michaela Kipp vor den fünftplatzierten Dajana Eitberger/Magdalena Matschina. Und die Bayern Wendl/Arlt haben es auf dem Weg zum erhofften siebten Olympia-Gold mit Thomas Steu/Wolfgang Kindl zu tun.
Und die Gastgeber?
Nicht zu vergessen sind die Italiener, die zuletzt mehrere Trainingseinheiten auf ihrer Heimbahn absolvierten. "Wir dürfen den Dominik nicht vergessen. Er wird extrem schnell sein", sagte Müller über Lokalmatador Fischnaller, der auch am Donnerstag wie sein Landsmann Leon Felderer Bestzeiten ins Eis zauberte. Für Loch zählt da nur sein eigener Fokus. Sein Set-Up für den Schlitten steht seit Wochen fest. Und er hat sein Fahrgefühl zurück, wie er selbst betont: "Ich bin schon lange nicht mehr so gut gefahren wie jetzt in diesem Moment."