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Biathlon-WM-Doppelerfolg: Mit Bier und Tintenfisch zur Medaille

Kati Wilhelm und Simone Hauswald haben mit ihrem Doppel-Erfolg dem deutschen Biathlon-Team einen Traumstart in die WM in Südkorea beschert. Silber-Gewinnerin Hauswald bereitete sich auf den Sprint eher ungewöhnlich vor. Bei den Herren gab es in der gleichen Disziplin den totalen Triumph Norwegens.

Kati Wilhelm gewann acht Jahre nach dem Sieg bei ihrem WM-Einstand 2001 erneut den Sprint über 7,5 Kilometer. "Es ist so eine innere Genugtuung, es nach einer so langen Zeit wieder geschafft zu haben. Deswegen sind auch ein paar Tränen gekullert, weil es eine große Anspannung war, die von mir abgefallen ist", sagte sie. Die Zella-Mehliserin verwies in der knöcheltiefen und extrem schwierig zu laufenden Loipe mit fehlerfreiem Schießen in 21:11,1 Minuten Simone Hauswald (Gosheim) um 9,9 Sekunden auf den Silberrang. In Olga Saizewa und Anna Bulygina landeten zwei Russinnen einen Tag nach den Doping-Suspendierungen gegen drei ihrer Team-Kollegen auf den Plätzen drei und vier und fanden kein Wort des Bedauerns über den Betrug.

Die neue Weltmeisterin Kati Wilhelm war "superglücklich". Noch am Morgen hatte das thüringische "Rotkäppchen" für eine Absage des Rennens plädiert. "Mir wäre es lieber gewesen, wenn der Start auf verschoben und die Strecke ordentlich präpariert worden wäre. WM-würdig war das nicht, auch wenn ich jetzt mit der Jury- Entscheidung sehr zufrieden bin", sagte die 32-Jährige Wilhelm. Schmunzelnd fügte sie hinzu: "Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden."

Anschließend stellte sie ihren möglichen Abschied für das nächste Jahr in Aussicht. "Für mich schließt sich ein Kreis. 2001 in Pokljuka gleich der erste Sieg, heute der seit Jahren ersehnte zweite WM- Einzeltitel. So habe ich es mir vorgestellt", erzählte sie. Um nichts mehr zu riskieren, war die in Ruhpolding wohnende Wilhelm auf der letzten Abfahrt auf Sicherheit gegangen und hatte dabei fünf Sekunden ihres komfortablen Vorsprungs eingebüßt.

Für die ebenfalls fehlerfrei schießende "Halb-Koreanerin" Simone Hauswald war es der erste große Einzel-Erfolg. "Es ist ein ganz besonderes Gefühl, eine ganz besondere WM", sagte Hauswald, deren Mutter aus Korea stammt. Gemeinsam mit ihren am Vorabend angereisten Eltern vergoss sie ein paar Freudentränen und schwenkte überschwänglich die deutsche und südkoreanische Fahne. Anschließend musste sie den Medien aus Südkorea Rede und Antwort stehen.

Am Vorabend hatte sie mit ihren Eltern ein Bier getrunken und getrockneten Tintenfisch gegessen. "Vielleicht hatte das koreanische Essen einen Anteil an meiner guten Leistung", sagte Hauswald. "Es war in dem tiefen Schnee wahrscheinlich das schwerste Rennen dieses Jahres. Bei solchen Bedingungen geht man normalerweise nicht Mal freiwillig zum Training", bemerkte die seit diesem Jahr verheiratete Skijägerin von der Schwäbischen Alb.

Die entthronte Titelverteidigerin Andrea Henkel (Großbreitenbach) als Sechste mit zwei Strafrunden (+ 55,0 Sekunden) und Magdalena Neuner (Wallgau) mit Laufbestzeit und 1:08,5 Minuten Rückstand auf Rang acht sowie Martina Beck (Mittenwald/+ 1:30,0) als Zwölfte komplettierten das überragende Mannschafts-Ergebnis der deutschen Damen.

Die norwegischen Männer feierten wenig später am Samstagabend (Ortszeit) im südkoreanischen Pyeongchang einen historischen Vierfach-Triumph. Dabei löste der fünfmalige Olympiasieger Ole Einar Björndalen in einem Rennen mit zahlreichen Stürzen mit seinem elften Titelgewinn den Oberhofer Frank Luck als erfolgreichsten Skijäger der WM-Geschichte ab.

Beim historischen Norweger-Sieg durch Björndalen vor Lars Berger, Halvard Hanevold und Alexander Os belegte der dreimalige Olympiasiger Michael Greis (Nesselwang) den siebten Platz. Auch Michael Rösch (Altenberg/14.) und Christoph Stephan (Oberhof) als 22. bei seinem ersten WM-Rennen haben wie alle deutschen Frauen noch gute Ausgangspositionen für die sonntägliche Verfolgung.

Olga Saizewa gab sich bei der obligatorischen Sieger- Pressekonferenz zugeknöpft. Die Stimmung im russischen Team sei auch nach den Dopingfällen normal. "Ich will das nicht kommentieren", wehrte Saizewa diesbezügliche Fragen ab. Sie würde sich nur zu ihrem Rennen äußern, formulierte sie wie auswendig gelernt. Sie fühle sich zwar getroffen, wolle aber ihre Kolleginnen nicht verurteilen. Inzwischen hat das des Betrugs überführte Trio aus dem heimischen Moskau Berufung gegen die Sperre durch die Internationale Biathlon-Union eingelegt.

DPA/sid/kbe

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