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Boxen: Ottke bleibt ungeschlagener Doppel-Weltmeister

Doppelweltmeister Sven Ottke ließ nichts anbrennen: Er verteidigte seinen Titel im Supermittelgewicht gegen Herausforderer Starie aus Großbritannien, der sich äußerst zahm in dem WM-Fight präsentierte.

Sven Ottke hat seinen geordneten Rückzug aus dem Box-Ring angeordnet. Nach der keinesfalls überzeugenden Titelverteidigung Samstagnacht in Magdeburg gegen den Briten David Starie definierte der Doppelweltmeister im Supermittelgewicht seinen Karriereausklang. "In diesem Jahr noch zwei Kämpfe. Ob ich nächstes Jahr noch zwei Titelverteidigungen mache, weiß ich nicht. Vielleicht ist es nur eine. Ich bin ein alter Mann", sagte der 36 Jahre alte Champion der International Boxing Federation (IBF) und World Boxing Association (WBA), der seit 1999 präzise wie ein Uhrwerk stets vier WM-Kämpfe im Jahr absolvierte.

"Weiß nicht, ob ich wiederkomme"

Vorsichtshalber hat er sich bereits von den wie immer hemmungslos feiernden Gästen in "seinem Wohnzimmer", der Magdeburger Bördelandhalle, verabschiedet. "Ich weiß nicht, ob ich noch mal wiederkomme", meinte der in Karlsruhe lebende Berliner und trieb damit einigen seiner treuen Fans Tränen in die Augen: "Sven kommt wieder", widersprach Promoter Wilfried Sauerland, "wenn nicht als Boxer, dann als Kommentator bei der ARD."

Der einstimmige Punktsieg gegen Starie, der mit 115:113, 116:112 und 116:113 knapper als erwartet ausfiel, gehört zweifellos nicht zu Ottkes Glanzleistungen. Den Ankündigungen zum Trotz präsentierte sich der sieben Jahre jüngere Herausforderer keineswegs als "Stinker", der sich mit Klammern, Schieben und unsauberen Schlägen über die Zeit rettete. "Er war sehr beweglich", staunte Sauerland, und Ottkes Trainer Ulli Wegner attestierte dem Feuerwehrmann aus Bury St. Edmunds "gute Reflexe". Der ein wenig bedrückt wirkende Weltmeister befand, dass es "ein anderer Kampf als sonst" gewesen sei. "Heute waren beide schnell auf den Beinen", wunderte sich Ottke.

Grandioses Karrierefinale geplant

Seinem Paradekämpfer will Stallchef Sauerland ein grandioses Karrierefinale bieten. Nach der Pflichtverteidigung der WM-Titel am 6. September würde er Ottke im Dezember gern den Dreifach-Weltmeister im Mittelgewicht (IBF, WBA, WBC) Bernard Hopkins (USA), vorsetzen. Deshalb soll erneut mit dem umtriebigen Promoter Don King verhandelt werden. "Das ganze Gerede ist ziemlich viel Blabla", fuhr Ottke seinem Chef in die Parade: "Ob da überhaupt was dran ist, wer weiß das schon?" Auch Trainer Wegner mag die Botschaft so recht nicht glauben. "Auf Hopkins würde ich mich unheimlich freuen. Aber der ist zu teuer. Da müssten mindestens zehn Millionen Euro als Börse her", vermutete das Trainer-Urgestein.

Wenig Lob hatte Wegner für seinen Schützling Oktay Urkal übrig. Der 33-Jährige verteidigte seinen EM-Titel im Halbweltergewicht gegen den giftigen Nordiren Eamonn Magee zwar nach Punkten, trieb dem Trainer aber bisweilen die Zornesröte ins Gesicht. "Oktay war als Amateur schon mal weiter als jetzt", erregte sich Wegner.

Schieben, klammern, wenig Kampf

Als Titelkampf ausgeschrieben, aber eines solchen nicht würdig, war die deutsche Schwergewichts-Meisterschaft zwischen Andreas Sidon (Gießen) und Willi Fischer (Frankfurt/Main). Es wurde geschoben, geklammert, aber kaum gekämpft. Schließlich nahm der blasse Fischer dem kraftlosen Sidon den Titel ab. Gemessen am verbalen Schlagabtausch vor dem Kampf (Sidon: "Fischer ist ein verschleudertes Talent, ein verzogener, verwöhnter Bub"; Fischer: "Zu Sidon fällt mir nur ein: Große Klappe und nichts dahinter") war das Duell im Ring nur Kuscheln.

Franko Koitzsch / DPA

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