VG-Wort Pixel

Peking 2022 Corona-Spiele: Das Virus ist längst in der Olympia-Blase und wird nur schwer zu stoppen sein

Athleten essen in einem Restaurant im Olympischen Dorf: Das Virus ist längst da
Athleten essen in einem Restaurant im Olympischen Dorf: Das Virus ist längst da
© Wang Zhao / DPA
So streng die Corona-Maßnahmen bei den Olympischen Winterspielen in Peking sind: Das Coronavirus hat längst alle Barrieren überwunden und grassiert unter den Athleten in der Blase. Darunter werden die Wettkämpfe leiden.

Die Frequenz der Meldungen über Corona-Infektionen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking nimmt stetig zu. Einen Tag vor der Eröffnungsfeier am Freitag meldete allein der Deutsche Olympische Sportbund sechs weitere Corona-Fälle. Ob unter den Infizierten Athleten sind, teilte der DOSB nicht mit. Damit bleibt der Eiskunstläufer Nolan Seegert der einzige deutsche Aktive, dessen Name bisher bekannt ist. 

Schon zuvor hatten die Organisatoren insgesamt 55 weitere Fälle gemeldet, 29 davon waren gerade erst angereist, die anderen 26 befanden sich bereits in der Blase. Die streng von der Außenwelt abgeschottete olympische Welt, die die Spiele vor dem Coronavirus schützen soll und überhaupt erst möglich machte, ist längst durchlässig, wie sich nun zeigt. Der Traum von Wettkämpfen, die der Macht des Virus‘ trotzen, ist zumindest jetzt schon fragwürdig.

Es ist zu befürchten, dass die Medaillenvergabe in den nächsten knapp zweieinhalb Wochen massiv durch Sars-Cov-2 beeinflusst wird. Ähnlich wie die Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles, als die westlichen Staaten (die USA und einige ihrer engsten Verbündeten) und der kommunistische Block um die Sowjetunion sich gegenseitig boykottierten und der Wettkampf so teilweise grotesk verzerrt wurde. Damals war der Kalte Krieg die Ursache, heute ist es die Corona-Pandemie.

Der Fall Marita Kramer

Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt der Fall Marita Kramer. Die österreichische Skispringerin, derzeit die beste der Welt, war am vergangenen Sonntag positiv getestet worden und reiste vorerst gar nicht nach Peking. Auf Instagram äußerte sie am Donnerstag die Hoffnung, sich noch freizutesten und in allerletzter Sekunde anzureisen. Ob das realistisch ist, ist eine andere Frage. Der Wettbewerb von der Normalschanze findet am Sonntag statt. 

Die Tragik eines solchen Falles ist von außen kaum zu ermessen. Für die Athletin geht eine Welt unter: "Keine Worte, keine Gefühle, nur Leere. Ist die Welt wirklich so unfair? Im vergangenen Jahr habe ich mich auf Olympia vorbereitet. Ich habe so viel Zeit und Energie darein gepackt, um meinen Traum zu verwirklichen. Jetzt fühlt es sich an, als wäre er innerhalb eines Tages geplatzt", schrieb sie auf Instagram.

Für den Wettbewerb bedeutet es, dass größte Favoritin auf Gold, ausfällt. Und für die Konkurrenz bedeutet das: Egal, wer gewinnt, die Goldmedaille mit einem Makel behaftet sein.

Auch die Quarantäne verzerrt den Wettbewerb

Doch die durchlässige Blase verzerrt den Wettbewerb nicht nur durch Ausfälle. Die Athleten und Athletinnen, die in Peking positiv getestet werden, müssen in das (berüchtigte) Quarantäne-Hotel. Das gilt zum Beispiel für die große US-Bobpilotin Elana Meyers Taylor, die seit Jahren auf höchstem Niveau fährt und zu den Favoritinnen im Zweierbob zählt.

Meyers, die keine Symptome zeigt, hat das Glück, dass ihr Wettkampf erst in der zweiten Olympia-Woche startet. Um sich vor Ablauf der Zehn-Tage-Quarantäne freizutesten, benötigt sie zwei negative PCR-Tests im Abstand von mindestens 24 Stunden. Fit hält sich die Athletin mit Gewichten und einem Hometrainer.

Hinzu kommt: Sie ist Mutter eines 23 Monate alten Sohnes, den sie stillt. Sie hätte Nico mit in ihr Zimmer genommen, aber dann hätte sich beide freitesten müssen. So wird Nico vom Großvater versorgt, der eine Etage unter ihr wohnt. Denn alle Familienmitglieder, mit denen sie angereist ist, wurden positiv getestet. Neben dem Großvater und Sohn Nico auch ihr Ehemann Nic (ein Ersatzmann im US-Bobteam), der im Zimmer nebenan untergebracht ist.

Für ihren Sohn pumpt Meyers jeden Tag ihre Milch ab und hält ansonsten über Facetime Kontakt. Eine ideale Vorbereitung auf einen olympischen Wettkampf sieht anders aus: "Die gute Nachricht ist, dass ich vor Olympia in einer großartigen Form war. Ich hoffe, dass es so lange vorhält, wie ich hier bin", sagte Meyers der "Washington Post" am Telefon.

Das Infektionsgeschehen wird nur schwer zu kontrollieren sein

Wie stark sich die hochansteckende Omikron-Variante in der Blase verbreiten wird, ist nicht abzusehen. Und wenn man sich die Erfahrungen mit Omikron weltweit anschaut, bestehen berechtigte Zweifel, dass sich das Infektionsgeschehen kontrollieren lässt.

Die letzte Meldungen aus Peking betraf neben dem deutschen Team die russische Eishockey-Mannschaft der Frauen. Sechs Spielerinnen wurden positiv getestet. Die Partnerin des positiv getesteten Eiskunstläufers Nolan Seegert, Minerva Hase, darf als Kontaktperson weiter trainieren. Sie wohnt in einem separaten Zimmer im olympischen Dorf und muss sich zweimal täglich einem PCR-Test unterziehen.

Quellen: DPA, "Washington Post", "Süddeutsche Zeitung"

Mehr zum Thema

Newsticker